Bildquelle: Dennis Reichow Hotels auf Bali    

Bali: Eine Insel zwischen Paradies und Pauschaltourismus

Ein Reisebericht von unserem Redakteur Dennis

Bali, eine kleine indonesische Insel, ist in den vergangenen Jahren vom Geheimtipp zum Touristenziel avanciert. Die Hauptstadt Denpasar und der Hauptferienort Kuta erinnern eher an den Ballermann als an einsame Sandstrände. Ist Bali überhaupt noch eine Reise wert oder mittlerweile touristisch abgegrast?

Palmen, Sandstrände, Reisterrassen, tropischer Regenwald und wunderschöne Tauchplätze. Das sind die Dinge, die Bali auf der ganzen Welt berühmt gemacht haben. So ist die kleine zu Indonesien gehörende Insel in den letzten Jahren zu einem der beliebtesten Urlaubsziele Asiens avanciert. Die Deutschen fahren für Partyurlaube nach Mallorca, Lloret de Mar oder nach Bulgarien; die Australier zieht es nach Kuta, dem touristischen Herz Balis. Und genau dort begann auch unsere Reise…

Nachdem wir am Flughafen in Denpasar, welcher für asiatische Flughäfen eher unmodern wirkt, angekommen waren ließen wir uns von einem Taxi zu unserem bereits gebuchten Hotel in einer kleinen Seitenstraße in Kuta bringen. Dort wurden wir freundlich empfangen und auch die Hotelzimmer waren für den Preis mehr als in Ordnung. Trotzdem habe ich mich in den gesamten 3 Tagen und Nächten nie wirklich wohl gefühlt. Kuta ist laut, voll und anstrengend. So waren wir froh als uns bereits am ersten Abend angeboten wurde eine Tour in einem privaten PKW mitzumachen. 6 Euro, 4 Sehenswürdigkeiten: da kann man ja eigentlich nicht so viel falsch machen, dachten wir… Es sollte zu Reisterrassen, einem Kratersee und zwei verschiedenen Tempeln gehen. Darunter auch der Tanah Lot, ein sehr berühmter Wassertempel an der Westküste.
Kurz zusammengefasst war diese Tour ein ziemlicher Griff ins Klo. Die Reisterrassen waren ganz nett, aber 2 Stunden Fahrt ließen die Gleichung als etwas ungleich stehen. Der eine Tempel verlangte nochmal extra Eintritt und der Zweite hatte geschlossen bzw. die Straße dorthin war gesperrt. So blieb noch der See, welcher auch ganz nett war, aber auch eher als Touristenattraktion vermarktet ist und somit nicht sonderlich natürlich wirkt. Nach dem Tag hatten wir zwei Sachen gelernt: Finger weg von den Touren. Und, wenn im Reiseführer steht: „der Süden Balis ist erschlossen“. Dann bedeutet das nicht, dass dort vereinzelnd Dörfer zu finden sind, sondern eher: Man merkt gar nicht wenn man ein Dorf verlässt, weil alles ineinander übergeht und haargenau gleich aussieht. Man könnte aus dem Ganzen auch eine Stadt machen. Es ist riesig und wirklich nicht besonders ansehnlich.

Bali

Reisterassen auf Bali

Immerhin schafften wir es (da das Highlight der Tour aufgrund der gesperrten Straße ja weg fiel) noch rechtzeitig zum Sonnenuntergang am Kuta Beach. Ein wirklich wunderschönes Naturschauspiel, was aber leider auch durch das nicht wirklich individuelle Erleben an Wert und Einzigartig verliert. Der Strand ist riesig, aber trotzdem randvoll mit Menschen. Ein paar schöne Bilder sind trotzdem entstanden.

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Der Sonnenuntergang am Kuta Beach

So waren die ersten Tage auf Bali doch etwas ernüchternd. Jeder wirklich individuell Reisende versucht so schnell wie möglich aus Kuta zu entkommen, wir hatten jedoch 3 Nächte gebucht, also blieben wir uns versuchten das Beste daraus zu machen: Shoppen, faulenzen und essen. Gibt Schlimmeres, aber eigentlich war’s anders geplant 😉

Nach  den drei Tagen (endlich) ging es dann mit einem kleinen Reisebus weiter ins Innere der Insel. Unser nächstes Ziel war und Ubud. Der kleine Ort gilt als Künstlerdorf und kulturelles Zentrum. Auch hier gibt es viele Touristen, aber eben keine Urlauber auf Sauftour und alles ist viel beschaulicher. Ubud hat es in zwei Tagen geschafft das wieder gut zu machen, was in Kuta schlecht war. Die Stadt besteht im Großen und Ganzen nur aus 2 größeren Straßen, an denen sich Restaurants, Museen, Cafes und kleine Läden aneinander reihen. Im Pinzip nicht anderes als in Kuta, aber der Stil macht´s. Wirklich jedes Häuschen sieht einladend aus, die Cafes sind wunderbar eingerichtet und man kann von Seidentüchern über Hand gemachte Seife und Holzfiguren wirklich alles kaufen, was nett aussieht und individuell gestaltet ist.

Das nächste Ziel war: Lovina. Unser Bus fuhr gegen 11 Uhr morgens von Ubud. Dies bedeutet so in etwa einmal quer über die Insel und über die hohen Berge im Innenland. An die Fahrweise muss man sich tatsächlich gewöhnen, wenn der Fahrer mal wieder eine Kurve im Anstieg schneidet und glaubt, dass ein kurzes Hupen den Gegenverkehr darauf hinweisen wird, dass er nun um die Ecke rast. Nach ca. 2 Stunden Fahrt kamen wir an unserem Ziel an und fanden sofort Unterkunft für sage und schreibe 6 Euro in einem echt vernünftigen Doppelzimmer. Dies war bis dato der absolute „Spar-Rekord“. Die Stadt war leider nicht mal ansatzweise das, was wir uns vorgestellt hatten und die Reiseführer hatten sich die positiven Zeilen, wohl mal wieder aus den Rippen geschnitten. Die Stadt war sehr leblos und hatte bis auf ein Highlight nicht wirklich etwas zu bieten. Am ersten Tag ging es nämlich mit einem kleinen Boot hinaus aufs Wasser, da sich in den frühen Morgenstunden viele Delfine in der Bucht tummeln. Die Tour begann um 6. Also hieß es mal wieder früh aufstehen. Der Wecker stand auf 5:30, jedoch wurde ich bereits gegen 4 Uhr aus dem Schlaf gerissen, da wohl einige Hähne in der Nachbarschaft lebten, die sich gerne stundenlang mit ihrem Krähen profilierten. So nahm das Schlafdefizit seinen Lauf.

Die Delfin-Tour entgegen war ein voller Erfolg. Obwohl wir natürlich nicht das einzige Boot waren und auch die Delfine bereits dem Massentourismus verfallen sind, war es ein wunderschöner Morgen. Allein der Blick vom Meer auf die vom Sonnenaufgang rot erleuchtete Insel war das Aufstehen wert. Aber als dann schon nach wenigen Minuten Dutzende Delfine wenige Meter entfernt an uns vorbei schwammen, wussten wir, dass wir alles richtig gemacht hatten. Tatsächlich boten uns einige der Delfine eine unglaubliche Show, indem sie nur wenige Meter von unserem Boot entfernt aus dem Wasser sprangen Saltos und Spiralen in der Luft schlugen und wieder abtauchten. Ein wunderschönes Spektakel. Ich hatte Riesenglück im richtigen Moment mit der Kamera drauf zu halten und konnte einige schöne Bilder einfangen, welche unser Tourguide noch am selben Tag erblickte, als ich dabei war diese hoch zu laden. Er war sofort begeistert und wollte ein paar Kopien haben. So überspielten wir ihm ein paar der Bilder auf sein Handy. Als wir am nächsten Tag vom Mittagessen kamen saß er im Aufenthaltsbereich unseres Gasthauses und versuchte einen anderen Gast mit meinen ausgedruckten Bildern zu überreden an seiner Tour teilzunehmen… Er bedankte sich noch etwa tausend Mal. Ein wirklich sehr netter Mann.

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Ein Delfin in der Bucht von Lovina

Zu den Reisezielen auf Bali gehört noch die Tour auf dem Vulkan Mount Batur, dem ich einen eigenen Reisebericht gewidmet habe. Diesen findet ihr hier.

Bali ist die Insel der Geister und Dämonen, an die die Bewohner schon seit Generationen glauben. So sind vor vielen Eingängen Tore gebaut, die man meist nur über Treppen erreichen kann. Außerdem sind viele Grundstücke so gebaut, dass man zunächst auf eine Mauer zugeht, an der man rechts oder links vorbei gehen muss, bevor man ein Haus erreicht. Dies dient dazu, die bösen Geister davon abzuhalten in die Wohnungen zu gelangen. Die guten Geister können an den Wänden vorbei, die Schlechten nicht. Jeden Tag legen die Menschen kleine Opfergaben vor ihre Türen. Die sehen meist aus wie ein kleiner Kranz mit Räucherstäbchen verziert und einem kleinen Snack bestückt. Dort muss man schon vorsichtig sein nicht über diese zu trampeln, da sie wirklich überall herumliegen.

Die Menschen hier sind wirklich sehr herzlich, wenn auch oft zu aufdringlich. Aber man fühlt sich nie unsicher oder ähnliches. Die Meisten sprechen weitaus besser Englisch als die Menschen in Thailand und Malaysia und geholfen wird einem immer und überall.

Fazit

Bali ist in großen Teilen dem Tourismus verfallen. Dies ist leider Fakt. So ist es jedem selbst überlassen, was man daraus macht. Aber es gibt auch noch die etwas anderen Orte wie die einmaligen Erlebnisse mit dem Delfinen oder dem Vulkan zeigen. Jedoch würde ich keinem der Wert auf Individualität und Freiheit legt, einen Besuch auf der kleinen indonesischen Insel empfehlen. Indonesien ist wunderschön und die Menschen sind sehr nett, aber andere Inseln, wie beispielsweise Lombok, sind noch lange nicht so touristisch und somit einmaliger.

Solltet ihr eine Indonesien-Reise planen, kann ich auch trotz eher schlechter Bewertungen bei Amazon, folgenden Reiseführer empfehlen: DuMont Reise-Handbuch Reiseführer Indonesien.

bali essen

Ein typisches Gericht für etwa 60 Cent: Eine Suppe mit mehr oder weniger identifizierbaren Zutaten

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