Die unendliche Weite Patagoniens – ein Reisebericht

Drei Wochen habe ich in der gefühlt unendlichen Weite der chilenischen Seite Patagoniens verbracht. Ruhig und friedlich ist dieser Teil Südamerikas, man könnte fast sagen einsam. Fährt man mit dem Bus oder mit dem Auto durch Patagonien begegnet man einige Zeit niemandem, außer vielleicht ein paar Schafen, aber man kommt aus dem Staunen kaum raus. Kilometerlang schlängeln sich die Straßen zwischen Gletschern, Seen und Vulkanen, vorbei an Wasserfällen und durch Wälder. Oft muss man statt dem Auto auf eine Fähre zurückgreifen, um einen der Seen, deren Farbspektrum von Eisblau bis Dunkelgrün reicht, zu überqueren, oder Fjorde zu umschiffen. Ich selbst bin immer mehr ein Fan von Sommer und Sonne gewesen, aber die wahnsinnige Landschaft Patagoniens hat selbst mich, trotz der Kälte, für sich eingenommen und meine Freude am Wandern bestärkt.

Mein Reisebericht über Patagonien im Frühjahr 2016

Anreise und Fortbewegung

Als ich Ende März nach Patagonien reiste, befand sich die Gegend Südamerikas gerade in der Umstellung von Sommer zu Winter. Ab 1. April gilt für vieles ein anderer Zeitplan. Das Gute daran ist, dass im Winter weniger Touristen unterwegs sind, andererseits ist manches umständlicher. Z.B. fahren die Busse seltener, zum Teil nur ein Mal die Woche. Eine gute Alternative zum Bus ist das Trampen. Kleiner Tipp dafür: Den Daumen raus strecken, wird in Chile als Begrüßung aufgefasst und keiner hält an. Besser ist, zu winken. Und das klappt in der Regel ganz gut, denn die Leute sind sehr freundlich und man muss meistens nicht lange warten, bis man mitgenommen wird. Unseren ursprünglichen Plan, ein Auto zu mieten, haben wir verworfen, als wir feststellten, dass das ziemlich teuer wird, wenn man nicht vor hat, damit auch wieder zurückzufahren. Ein eigenes Auto macht aber einiges leichter und man kann tolle Orte besuchen, die ohne nicht, oder nur sehr schwer zu erreichen sind.

Von Puerto Montt oder Santiago kann man auch ganz in den Süden fliegen (mit Sky Airline ist es am günstigsten, d.h. wenn man spontan bucht ca. 80€ Oneway), was man in Betracht ziehen sollte, wenn man wenig Zeit hat, weil es ab Puerto Montt südwärts deutlich langsamer vorangeht, als nordwärts. Bei Puerto Montt, auf der Insel Ciloé endet nämlich die Panamericana und außerdem ist der Süden Chiles sehr von Fjorden durchzogen, sodass es dort keine zusammenhängende Straße gibt. Fliegt man, entgeht einem ein Haufen schöner Landschaften, denn auf jeder Busfahrt lohnt sich der Blick nach draußen, auf die ständig wechselnde Landschaft. Aus dem Flieger hat man allerdings einen wahnsinnig beeindruckenden Ausblick auf das Patagonische Eisfeld, das hinter der Antarktis und Grönland die größte Eisfläche der Welt darstellt. Mein Tipp ist also, eine Strecke zu fliegen und eine zu fahren.

Unterkünfte in Patagonien

Was Unterkünfte betrifft, gibt es Hostels, aber auch kleine hospedajes, die etwas einfacher und günstiger sind und meistens von chilenischen Familien betrieben werden. Die stehen natürlich oft nicht im Reiseführer und schon gar nicht im Internet. Wir sind meistens einfach rumgelaufen, haben geklingelt und nach Preisen gefragt und dann verglichen. Apropos Preise. Chile und insbesondere Patagonien haben in vielen Dingen ein deutlich höheres Preisniveau, als andere Länder Südamerikas. Für eine Nacht in einer hospedaje zahlten wir durchschnittlich 9.000 bis 10.000 Chilenische Pesos (CLP), was beim Wechselkurs von 1:750 ungefähr 12 bis 13 € entspricht. Langstreckenbusfahrten kosten 10.000 CLP aufwärts. Möchte man es so günstig wie möglich gestalten, kann man auf Zelten, Trampen und workaway (Arbeit gegen Unterkunft und Verpflegung) zurückgreifen.

Blick auf die Fischrestaurants an der Costanera Puerto Montts

Blick auf die Fischrestaurants an der Costanera Puerto Montts

Puerto Mott

Per Nachtbus sind wir von Santiago nach Puerto Montt gefahren. 12 Stunden dauert die Fahrt, welche von mehreren Busgesellschaften angeboten wird. Busse kann man immer auch spontan, 2-3 Stunden vor Abfahrt buchen und es gibt immer zwei Preisklassen. Oben die günstigeren Plätze der zweiten Klasse und unten ca. 8 Plätze mit Sitzen, die sich weiter nach hinten stellen lassen und breiter sind. Wir konnten aber auch auf den günstigen Plätzen immer gut schlafen.

Santiago hat drei Busbahnhöfe, einen für Busse gen Norden, einen für Busse gen Süden und den, wo ausschließlich Busse der beiden größten Busgesellschaften Turbus und Pullmann-Bus abfahren. Alle Bahnhöfe liegen auf der Avenida Libertador Bernardo O’Higgins und sind mit der Metrolinie 1 (die rote Linie) zu erreichen. Dazu steigt man Unversidad de Santiago oder Estación Central aus.

Puerto Montt ist windig und hat nicht wirklich viel zu bieten. Für viele ist es nur ein Zwischenstopp auf dem Weg nach Patagonien oder Chiloé. Wenn man dort ein paar Tage verbringen möchte, lohnt sich der Handwerksmarkt, den man erreicht, wenn man die Hauptstraße Richtung Westen bis auf die Costanera geht. Man findet dort auch ein paar Fischrestaurants mit günstigen Mittagsangeboten in rot gestrichenen Holzhäusern, die auf Stelzen stehen und von denen man eine nette Aussicht auf die Bucht hat. Auch der Fischmarkt dort ist interessant.

Blick vom Vulkan Chaitén auf den Parque Pumalín

Blick vom Vulkan Chaitén auf den Parque Pumalín

Ausblick von der Fähre zwischen Puerto Montt und Chaitén

Ausblick von der Fähre zwischen Puerto Montt und Chaitén

Chaitén

In einer elfstündigen, wenig komfortablen Fahrt ging es von Puerto Montt über die Carretera Austral nach Chaitén. Dreimal fuhr der Bus auf eine Fähre und die Passagiere durften an Deck gehen. Vom Schiff hat man eine tolle Aussicht auf die sehr von Wasser dominierte und von Fjorden durchzogene Landschaft Patagoniens. Die Fähren schlängeln sich vorbei am kalten Regenwald des Parque Pumalín. Dort ist die Vegetation ganz anders, als im übrigen Patagonien. Es ist wie im Dschungel, nur eben nicht so schwül-warm.

Chaitén ist ein kleines Örtchen, das 2008 vom Ausbruch des Volcán Chaitén überrascht und von seiner Aschewolke komplett bedeckt wurde. Die Stadt befindet sich immer noch im Wiederaufbau und es reihen sich renovierte Häuser an zerstörte, verkohlte Ruinen.

Auf diesen besagten Vulkan kann man hoch wandern. Dazu nimmst du den Bus, der nach Caleta Gonzalo fährt – er fährt recht früh morgens gegenüber der zentralen Bushaltestelle ab – und sagst dem Fahrer, dass er dich beim Vulkan rauslassen soll. Das sind ungefähr 20-30 Minuten Fahrt und kostet um die 1000 CLP (knapp 1€). Alle Infos bekommst du auch im Infokiosk an der Uferpromenade oder in dem am Busbahnhof. Die Besteigung des Vulkans dauert ungefähr drei Stunden hoch und dann eine Stunde wieder runter. Es geht zum Teil über Treppen, später vor allem durch sandige Asche. An klaren Tagen hat man einen tollen Ausblick in den Krater und auf die umliegende Landschaft, die ein interessanter Mix aus verkohlten Resten von Bäumen und satt grünen jüngeren Pflanzen bildet.

Die Rückfahrt gestaltet sich etwas komplizierter, denn ein Bus zurück fährt erst wieder am späten Nachmittag, so gegen 4. Leider kommen auch eher selten Autos. Aber nach 4 Stunden hat dann ein Auto angehalten und uns mitgenommen.

Ich würde raten, sich vielleicht noch einen anderen Wanderweg im Parque Pumalin raus zu suchen, um die Zwischenzeit zu überbrücken, oder eventuell einen Transport an der Touristeninformation im Busbahnhof in Anspruch zu nehmen – ist halt teurer.

Der Lago General Carrera

Der Lago General Carrera

Lago General Carrera

Als nächstes sind wir, über Coyhaique, zum See General Carrera, dem zweitgrößten See Südamerikas. Die Fahrt von Chaitén nach Coyhaique kostet ca. 15.000 CLP (in etwa 20 €) und geht in der Nebensaison ein Mal am Tag mit der Busgesellschaft Buses Becker. Hat man ein paar Tage, lohnt es sich auf die Westseite des Sees nach Puerto Tranquilo zu fahren, denn von dort aus kann man, wenn der See ruhig ist, mit dem Boot eine Fahrt zu Marmorhöhlen machen, die im Lago General Carrera unter den Felsen liegen. Dazu trampt man von Coyhaique aus, oder nimmt einen Bus nach Puerto Ibañez und dann für 2.500 CLP die Fähre nach Chile Chico, von wo aus auch ein Bus nach Puerto Tranquilo fährt. Alternativ kann man ab Chile Chico oder Puerto Ibañez auch ganz schöne Wanderungen am See entlang machen oder eine Weile über die Felsen am Ufer klettern. Macht man einen kurzen Stopp in Puerto Ibañez, kann man dort auch knapp vier Kilometer zum Wasserfall, dem „Salto“, laufen. Der ist ganz schön, allerdings ist Puerto Ibañez sehr klein und verschlafen und lohnt sich kaum für mehr als ein paar Stunden. Hat man wenig Zeit, kann man von Coyhaique mit dem Nachtbus ganz runter nach Puerto Natales, in der Nähe vom Nationalpark Torres del Paine fahren. Der Bus ab Coyhaique braucht ca. 23 Stunden, ab Chile Chico sind es 18, und er fährt nur mittwochs. Wir fuhren ab Chile Chico mit wieder mit der Busgesellschaft Buses Becker, was uns 55.000 CLP (knapp 70 €) kostete. Ist teuer, aber leider die einzige Busgesellschaft, die die Strecke fährt, und der Bus war komfortabel. Denkt daran ein paar Argentinische Pesos mitzunehmen, weil der Bus die Grenze überqueren muss und dann zum Abendessen dort Pause macht.

Torres-del-Paine_Patagonien

Sonnenaufgang bei den Torres del Paine

Der Grey Gletscher

Der Grey Gletscher

Torres del Paine

In Puerto Natales angekommen, sind wir wieder zum Hostel suchen herum gelaufen und sind letztendlich im Backpackers Nataly im 12er Schlafsaal für 9.000 CLP pro Nacht, inklusive Frühstück und Gepäckaufbewahrung gelandet.

Dann haben wir uns sofort auf die Suche nach der günstigsten Möglichkeit zum Ausleihen von Campingausrüstung gemacht, weil wir eine mehrtägige Wanderung durch den Nationalpark Torres del Paine machen wollten, aber keine Ausrüstung dabei hatten. Da das die meisten Touristen so machen, gibt es in Puerto Natales einen Haufen Läden, wo man sich alles Nötige ausleihen kann. Mit Abstand am günstigsten war es beim Hostal Gemenis, gegenüber vom Handwerksmarkt. Wir waren zu viert und haben für die komplette Ausrüstung (Zelt, Isomatte, Schlafsack, Kocher, Geschirr) 18.000 CLP pro Tag gezahlt (4.500 CLP pro Person pro Tag).

An der Plaza gibt es jeden Tag einen kostenfreien Infotalk, der sehr ausführlich ist und alle nötigen Informationen über die Wanderrouten und die beste Ausrüstung liefert. Und sonst gibt es immer genug andere Reisende, die gerne von ihren Erlebnissen berichten.

Wir haben uns für die Wanderung in W-Form entschieden, die die meist gewählte Wanderung ist und für jeden ein bisschen fitten Menschen machbar ist. Sie umfasst 5 Tage und geht von Campingplatz zu Campingplatz. Für mich war die Wanderung durch Torres del Paine in vieler Hinsicht ein Highlight meiner ganzen Reise und eine Herausforderung. Körperlich und klimatisch 🙂

Ausblick am ersten Tag der W-Wanderung durch den Nationalpark Torres del Paine

Ausblick am ersten Tag der W-Wanderung durch den Nationalpark Torres del Paine

Nach der Wanderung durch Torres del Paine entscheiden sich viele für El Chaltén und den Gletschernationalpark in Argentinien als nächstes Ziel ihrer Reise. Die üblichen fahren nach Punta Arenas, die südlichste Kontinentalstadt der Welt, um von dort aus einen Ausflug zu den Kaiserpinguinen auf der Isla Magdalena zu machen oder von dort einen Flieger in Richtung Santiago oder Puerto Montt zu nehmen. Wir sind erst Mitte April in Punta Arenas angekommen und da kann man leider keine Pinguine mehr sehen. Auch Feuerland ist dann schon sehr kalt. Also haben wir ein paar Tage in den netten Cafés der Stadt verbracht und uns von den tollen und anstrengenden Wanderungen der letzten Wochen erholt.

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