Ein Besuch in den Metropolen Chiles: Santiago und Valparaiso – Ein Reisebericht

Im Frühjahr diesen Jahres habe ich für ein paar Tage die Metropole Santiago de Chile und die malerische Hafenstadt Valparaiso besucht und mich der von Kunst und Kultur gefärbten Atmosphäre der beiden Großstädte hingegeben. Mit Studenten die Ruhe der Parks genießen, durch von Altbauten gesäumte Straßen schlendern, internationale und chilenische Küche ausprobieren – in diesen beiden Städten in der Mitte Chiles steckt viel mehr, als ein bloßer Verkehrsknotenpunkt.

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Die Anreise nach Santiago

Die meisten Besucher Chiles werden auf ihrer Reise nicht an Santiago vorbeikommen. Die Hauptstadt liegt fast genau in der Mitte des Landes und besitzt drei verschiedene große Busbahnhöfe, die dich in den Norden und in den Süden dieses abwechslungsreichen Landes bringen. Wer die Zeit hat, sollte sich unbedingt ein wenig auf Santiago und den Großstadtflair einlassen, denn hinter der etwas chaotischen Fassade der größten Stadt Chiles steckt auch die Möglichkeit zu entspannen und einen wichtigen Teil chilenischer Kultur zu genießen.

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Über den Dächern des Cerro Alegre

Wer mit dem Bus anreist wird zunächst an einem der Busbahnhöfe an der Avenida Libertador Bernardo O’Higgins sofort mit der wahnsinnigen Energie einer 5 Millionen Einwohner Stadt konfrontiert. Überall werden auf den Straßen Dinge verkauft und zwischen den Busbahnhöfen drängen sich Bäckereien, Restaurants und Geschäfte. Um auf schnellstem Wege in die Stadt zu kommen, steigt man am besten an der Haltestelle Universidad de Santiago oder Estación Central in die U-Bahn. Die rote Linie 1 fährt in die richtige Richtung. Mit dem Taxi braucht man meistens viel länger und es ist vor allem viel teurer, denn die U-Bahn kostet maximal 750 Pesos (entspricht 1 €), wenn man zur Rush Hour ankommt. Die Metro Tickets kann man in Santiago am Verkaufsschalter einzeln kaufen. Zu den Hauptverkehrszeiten kann es sowohl auf den Straßen, als auch in der U-Bahn sehr voll werden. Ich empfehle also, rechtzeitig loszufahren, denn wenn man Pech hat, braucht man aus der Innenstadt zwei Stunden bis zum Busbahnhof.




Möchte man sich nach oder vor einer Busfahrt noch eine Stärkung holen, empfehle ich die Empanadas Bäckerei …. Empanadas sind südamerikanische Teigtaschen, die verschiedene Füllungen haben und frittiert oder gebacken werden. In Chile, und vor allem in Santiago und drumherum, hat man eine riesige Auswahl – von Gemüse, Fleisch und Meeresfrüchten bis hin zu der süßen Variation mit Apfel.

La Bellavista – das bunte Treiben im Ausgehviertel Santiagos

Die Auswahl an Unterkünften in Santiago ist riesig. Empfehlen kann ich den Stadtteil Bellavista um die Metro Station Baquedano. Preislich sollte man dort aber schon um die 11.000 CLP (ca. 14€) einplanen. In Bellavista liegt auch eine der Universitäten Santiagos und es ist, vor allem entlang der Calle Pio Nono sehr lebhaft, denn dort befinden sich viele Restaurants und Pubs, die nicht nur am Wochenende und abends von jungen Leuten gut besucht sind. In den Nebenstraßen ist es allerdings ruhig genug, für alle, die nach einem anstrengenden Stadtspaziergang lieber ein wenig früher zu Bett gehen wollen. Es finden sich dort auch einige nette Cafés und internationale Restaurants. In den Straßen nördlich der Metrostation Baquedano findet man unzählige Häuser mit Wandbemalungen und Graffitis und man kann ruhig ein bis zwei Stunden nur für’s herumspazieren einplanen. Am Ende der Calle Pio Nono befindet sich der Parque Metropolitano mit dem Cerro San Cristóbal. Man kann sich hier mit dem Teleférico hoch zur Marienstatue fahren lassen, von der man einen schönen Ausblick auf Santiago genießen kann.

Straßenkunst im Bellavista

Straßenkunst im Bellavista

Schön ist hierfür auch der Cerro Santa Lucía und die darauf gelegene Parkanlage. Den findest du an der Kreuzung der Avenida Libertador Bernardo O’Higgins mit der Santa Lucía an der Haltestelle Universidad Católica, zu der die rote Linie 1 dich bringt. An klaren Tagen kann man von beiden Cerros aus die – im Winter schneebedeckten – Berge sehen, die Santiago umgeben.

Kulturelles und Kulinarisches




Hat man nur einen Tag und möchte aber so viel wie möglich von der Stadt sehen und über sie erfahren, kann man sich zum Beispiel den Free Walking Tours anschließen. Es gibt mehrere und ihre Startpunkte oder Routen findet man im Internet und sind auch in vielen Hostels erfragbar.

In Santiago findest du natürlich auch eine üppige Auswahl an Geschäften und Märkten. Auf dem Mercado Central findet sich eine große Auswahl an Lebensmitteln, und natürlich auch einige Kunsthandwerksstände und Restaurants. Er befindet sich drei Blocks nördlich der Plaza de Armas an der Costanera.

Sucht man etwas Spezielles, wie Outdoorklamotten für die Weiterreise nach Patagonien, oder Schwimmsachen für einen Besuch an den Stränden im Norden Chiles, kann man das riesige Einkaufszentrum Costanera Center besuchen, das im höchsten Gebäude Südamerikas, bei der Metrostation Tobalaba zu finden ist.

Auch in der schönen Altstadt Santiagos rund um die Plaza de Armas findet man eine große Auswahl an Geschäften und Restaurants. In der Altstadt begegnet man beim Herumspazieren vielen Straßenkünstlern und meistens klingt von irgendwo Musik. Überall stehen kleine Stände mit gebrannten Mandeln und Erdnüssen und am Wochenende wird auch Kaffee auf den Straßen verkauft. Santiago ist eine sehr vielfältige Stadt und hat kulinarisch viel zu bieten. Man findet viele gute traditionelle chilenische Restaurants oder Empanada Bäckereien, sowie Sushi Restaurants, Pizzarien oder Irish Pubs.

Möchte man ein Museum in der Stadt besuchen, kann ich das Museum der Erinnerung und der Menschenrechte empfehlen. Dort erfährt man sehr viel über die Geschichte Chiles vor, während und nach der Militärdiktatur unter Pinochet. Es besteht unter anderem aus einer Sammlung von Filmbeiträgen, Radioausschnitten und vielen Infotafeln, sowie Briefen und Fotos von zu dieser Zeit vermissten, verfolgten und gefolterten Personen. Die Infotafeln sind alle auf Spanisch, aber man kann sich einen Audio Guide ausleihen, der zu allen Ausstellungsstücken auch was auf Deutsch erzählt. Um zum Museo de la memoria y los derechos humanos zu gelangen muss man an der Metrostation Quinta Normal aussteigen und kann es dann von der Station aus schon sehen.

Die Hafen- und Künstlerstadt Valparaiso

Sonnenaufgang in den Gassen von Valparaísos Altstadt

Sonnenaufgang in den Gassen von Valparaísos Altstadt

Auch Valparaiso ist mit fast 300.000 Einwohnern eine Großstadt, hat sich aber, vor allem im Zentrum die Atmosphäre und den Anblick einer kleinen, ruhigen Stadt bewahrt. Die Stadt lohnt sich für einen Besuch, zum Beispiel auch als Ausflug von Santiago aus. Ein Bus von Santiago kostet um die 2000 CLP (weniger als 3€). Allerdings sollte man meiner Meinung nach ruhig zwei Tage einplanen. Am zweiten Tag kann man auch zum Entspannen an den Strand nach Vina del Mar rüber fahren.

Hat man die Möglichkeit, seinen Besuch in Valparaíso flexibel zu gestalten, empfehle ich, die Stadt nicht am Wochenende zu besuchen, da die Stadt dann sehr überfüllt sein kann. Manche Hostels haben sogar am Wochenende andere – höhere – Preise.
Valparaiso hat eine wunderbare Altstadt, die sich allerdings über mehrere, zum Teil etwas steile Hügel erstreckt. So kamen die Einwohner Valparaisos bereits Mitte des 19. Jahrhunderts auf die Idee, sich die Wege zu verkürzen, indem sie anfingen, Aufzüge an die Hügel zu bauen. Von den 30 Aufzügen sind noch um die 15 aktiv, allerdings fallen immer wieder ein paar aus. Für umgerechnet knapp 50 Cent kann man sich hochfahren lassen und so einen schönen Ausblick und einen Teil der Geschichte Valparaísos so genießen. Außerdem spart man sich so ein bisschen Energie für das Erkunden der sehr abwechslungsreichen Innenstadt Valparaisos.

Ein Bummel durch die Altstadt

Wenn man, wie ich, Spaß daran hat, Städte durch herumspazieren kennenzulernen, ist Valparaiso perfekt. Der Cerro Alegre ist der belebteste und bunteste Stadtteil Valparaísos. Er ist mit anderen Teilen Valparaísos zum Weltkulturerbe ernannt worden. Man findet eine riesige Auswahl kleiner, netter Cafés und Restaurants (am unteren Ende der Urriola gibt’s einen netten Empanada Laden mit einer großen Auswahl frittierter Empanadas), fast alle mit einem wunderschönen Ausblick und es reiht sich quasi eine Unterkunft an die nächste. Der Hügel ist voll von alten restaurierten Häusern, zum Teil mit bunt bemalten Fassaden. Es lohnt sich auch der Spaziergang zum Paseo Yugoslavo und dem Pallacio Baburizza, denn dort sieht man schöne alte restaurierte Häuser und hat einen guten Ausblick auf den Hafen.

Der Palacio Baburizza und der Paseo Yugoslavo

Der Palacio Baburizza
und der Paseo Yugoslavo

Von dort kannst du den Cerro Alegre in Richtung Norden über den Ascensor El Peral verlassen und ein paar Blöcke in Richtung Meer zur Plaza Sotomayor, dem größten Platz Valparaísos spazieren, an dem sich auch das Rathaus der Stadt befindet. Einen weiteren tollen Aussichtspunkt mit entspannter Atmosphäre kann man vom Paseo 21 de mayo genießen, den man über den Ascensor Artilleria, nördlich der Plaza Sotomayor erreicht. Dort liegt auch das pompöse museo naval y marítimo.

Auf der anderen Seite des Cerro Alegre befindet sich am Ende der Calle Cumming ein großer und interessanter Friedhof, der sich auch für einen Besuch lohnt, da südamerikanische Friedhöfe doch sehr anders sind, als deutsche. Dort in der Nähe befindet sich auch das ex-cárcel, also das ehemalige Gefängnis Valparaísos, das heutzutage ein modernes Kulturzentrum darstellt.

Bei wenig Zeit zum Bummeln lohnt sich auch eine Stadtführung, die in etwa die von mir beschriebenen Sehenswürdigkeiten abdeckt und natürlich viel Zusatzinformationen liefert.

Auf der Plaza Sotomayor in der Nähe des Hafens befindet sich jeden Tag der Startpunkt für gratis Stadtführungen. Diese sind meistens um die 4 Stunden lang und finanzieren sich durch freiwilliges Trinkgeld. Überquert man die große Straße, die Avenida Errázuriz erreicht man den Hafen Valparaísos, der früher einmal einer der bedeutsamsten Handelshäfen Südamerikas war. Am Muelle Prat starten täglich mehrfach Haferundfahrten, die für ca. 5€ eine Stunde den Hafen auf und ab fahren.

Eine Anlegestelle am früher einmal bedeutsamsten Hafen Südamerikas

Eine Anlegestelle am früher einmal bedeutsamsten Hafen Südamerikas

Valparaíso ist wirklich malerisch und trotz seiner Größe hat es sich den Charme eines kleinen Hafenörtchens beibehalten. Vor allem morgens legt sich über die Gassen der Altstadt eine Ruhe, in der sich prima der Sonnenaufgang über dem Meer genießen lässt.

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