Reisebericht Australien: Unser Zuhause auf vier Rädern und jede Menge Wasserdampf

Auf meinem Work & Travel-Trip durch Australien war ein Van, der uns durch das Land bringt unausweichlich. Wir wollten flexibel sein und das Land auf eigene Faust kennen lernen. Bahnfahren oder Fliegen kam für uns nicht in Frage. Wenn es euch ähnlich geht, enthält dieser Bericht vielleicht ein paar nette Tipps. Wir erstanden einen recht günstigen Van, doch was uns im Verlauf des halben Jahres alles erwartete, war zu diesem Zeitpunkt noch nicht absehbar…

Direkt nach der Ankunft in Australien führte unser Weg direkt auf eine Pfirsichfarm in der Nähe Sydneys. Da wir dort erst einmal 6 Wochen verbrachten, hatten wir nicht all zu großen Druck was die Autosuche anbelangt. Jedoch ging dann alles recht schnell. Nachdem wir unserem sehr bemühten Farmer erzählt hatten, dass wir auf der Suche waren, hielt er seine Augen nach gebrauchten Vans oder größeren Autos offen. Bereits nach einigen Tagen kam er zu uns berichtete von einem Van, den er am Straßenrand entdeckt hatte… Er reichte uns die Kontaktnummer, die er notiert hatte.

Wir entschlossen uns sofort am nächsten morgen anzurufen und zu fragen, wann es möglich wäre sich den Van genauer an zu gucken und eine Probefahrt zu machen. Zwei Stunden später standen wir vor einem Geldautomat und zogen das nötige Geld. 1900 Dollar sollte er kosten. Ein mehr als fairer Preis. Dies bestätigte uns auch ein Bekannter, der mitgekommen war, um das Auto etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Bremsen, Lenkung, Karosserie, Motor – alles schien in 1A-Zustand zu sein. Also überlegten wir nicht lange und investierten in unser neues Zuhause auf vier Rändern.

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Unser Schmuckstück

Wer in Australien auf der Suche nach einem eigenen Auto ist, hat mehrere Möglichkeiten. Es gibt verschiedene Händler, die sich darauf spezialisiert haben. Dazu gehört in Sydney beispielsweise der Travellers Car Market. Ein Kauf dort bringt Vor- und Nachteile mit sich. Die meisten Vans dort sind schon so ausgestattet, dass sie quasi bezugsfähig sind. Schlafgelegenheit und Stauraum sind somit vorhanden. Jedoch hat so ein fertiges Zuhause seinen berechtigten Aufpreis. Unser Van war keineswegs darauf ausgerichtet einmal als Wohnmobil zu dienen. Es gehörte einem Maler und so war alles hinter den Vordersitzen nur als Ladefläche gedacht.

So kauften wir zwei größere Holzplatten, Füße und Winkel und bauen uns ein Podest, welches wir in den Van schraubten. Das genaue Zuschneiden war schon etwas fummelig, aber es ging dann doch schneller als gedacht. Die Idee dabei ist, wie auf den Bildern zu erkennen, dass man auf die Platten eine Matratze legen kann und gleichzeitig darunter Stauraum hat. Beinahe zwei Tage verbrachten wir mit der Einrichtung bis alles fertig war: Das Podest stand, das Bett war bezogen, wir hatten Kisten besorgt und auch die Gardinen hingen mehr oder weniger so, dass uns die australische Sonne nicht schon früh morgens aus dem Bett holte.

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Kurz nach dem Umbau

Wir waren überglücklich zu so einem Preis ein Auto gefunden zu haben. Jedoch sollte dieses Gefühl nur etwa einen Monat anhalten. Die Enttäuschung war groß, als kurz nach Weihnachten erstw Probleme auftraten:

„Jedoch gab es dann einen herben Rückschlag als sich unser Auto auf dem weg zum „Somersby Fall“ stark überhitzte. Nach etlichem hin und her und der grandiosen Hilfe eines Bekannten hatten wir dann Gewissheit; die Krankheit heißt im Englischen „blown head gasket“… also eine kaputte Zylinderkopfdichtung… wer weiß, was das ist, weiß auch, dass es für einen Backpacker unbezahlbar ist und auch völlig unlogisch wäre es zu machen, da die Reparatur durchaus mal mehr kosten könnte als unser Auto gekostet hat… Also entschieden wir uns für eine vorübergehende Lösung und hoffen, dass diese unser Auto für die nächsten Monate laufen lässt… Wir sind nun ca. 500 km unterwegs und außer, dass wir ab und zu mal Kühlflüssigkeit nachfüllen müssen sind wir soweit problemlos hier her gekommen. Also bitte alle die Daumen drücken, dass er noch ein paar Tausend Kilometer für uns läuft!!“

Das Daumen drücken half; wir kamen so ziemlich überall hin, wo wir wollten und bis fast zum Schluss hielt das kaputte Auto, welche übrigens 22 Jahre alt war, durch. Jedoch war es schon ein kleines Abenteuer, welches zu überstehen war. So gut die ersten 500 Kilometer liefen, war nach wenigen weiteren Tagen klar, dass unser Van jede Menge Wasser verliert, oder eher verdampft. Sobald wir etwas mehr Gas gaben oder mehr als 50-60 Kilometer am Stück fuhren, wurde es ihm zu heiß. Wem kann es ihm verdenken bei dem Wetter und dem Alter, aber für uns war das Ganze doch sehr anstrengend. Der Motor befand sich direkt unter unseren Hintern. Schon ein komisches Gefühl direkt über dem Motor zu sitzen und zu wissen, dass das ganze Gerät heißt läuft… Jedes Mal wenn das Plastik in den Sitzbezügen heißt wurde, wussten wir, es war mal wieder so weit: wir müssen anhalten, ihn abkühlen lassen und Wasser nachfüllen.

Auf einem Campingplatz trafen wir eine weitere Gruppe Deutsche, mit denen wir entschlossen weiter zu reisen. Sie dachten wir würden das Ganze dramatisieren. Als wir uns auf den Weg machten und eine Stunde später mit einem qualmenden Auto an der Straßenseite standen, waren sie jedoch davon überzeugt, dass da etwas ganz und gar nicht stimmte.

Trotz allem versuchten wir mit der Situation klar zu kommen und machten das Beste aus allem. Wir fuhren abends, wenn es kühler wurde, hatten immer genug Wasser dabei und waren sehr sehr langsam unterwegs. So schafften wir es tatsächlich bis fast zum Ende unserer Zeit mit unserem Pflegefall durch die Landschaft zu touren. Es waren aber schon sehr komische Situationen dabei. Manchmal fuhren wir wirklich mitten im Nirgendwo. Ich will mir im Nachhinein gar nicht ausmalen, was wir gemacht hätten, wenn wir irgendwo liegen geblieben wären. Ich erinnere mich an eine Tour, die wir spät abends machten. Irgendwo im Nirgendwo auf einem kleinen Highway lief er wieder heiß und bei einem Blick nach hinten wurde uns schnell klar, dass wir kein Wasser mehr hatten. Irgendwie schafften wir es in den nächsten Ort. Ich vergleiche diesen Flecken gerne mit Raststätten oder Durchfahrtsorten, die man aus amerikanischen Filmen kennt. Es gab dort also nichts, außer einer Tankstelle (die bereits geschlossen war) und eine Kneipe, die voll mit besoffenen Truckfahrern war. So gingen wir in die Kneipe und fragten nach Wasser. Nach einigen Minuten fanden wir jemanden, der nüchtern genug war um unsere Bitte zu verstehen. Er führte uns an den Bars vorbei in einen Nebenraum und füllte uns 3 Flaschen Wasser auf. Sagen wir mal so, ich habe mich schon mal wohler gefühlt als an diesem Fleck der Erde…

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Bewohnt sah das Ganze dann so aus…

Er bescherte uns so manches Abenteuer, doch hielt fast bis zum Schluss durch. Ich denke nichts bringt einem diese Ereignisse näher als mein damaliger Blogeintrag:

„Etwas über 5 1/2 Monate waren wir Besitzer unseres kleinen Sorgenfalls, aber dennoch treuen Vans. Vor ungefähr 4 Monaten bekamen wir die Diagnose einer kaputten Zylinderkopfdichtung und nun hat die Quälerei „endlich“ ein Ende…

 Wir waren mit unseren Bonnern Freunden auf dem Weg nach Port Macquarie. In dieser Stadt hatten wir auf dem Hinweg in Richtung Norden sehr schöne Tage verbracht. Dort war es möglich an einem Parkplatz direkt am Meer zu schlafen. Auch ansonsten bietet die kleine Stadt über Einkaufsmöglichkeiten und einer sehr angenehmen Bibliothek mit W-Lan alles was ein Backpacker-Herz höher schlagen lässt. Die Vorfreude war groß… als wir den Highway verließen und an der ersten Ampel hielten schauten wir uns verdutzt an: unser Van zitterte und ruckelte und man hatte das Gefühl, dass er jede Sekunde ausgeht, was er dann auch tat. Wir hatten dieses Problem schon einmal; direkt nach ein paar Tagen als wir ihn gekauft hatten. Zu der Zeit war es draußen ziemlich abgekühlt und nass geworden und beim Anlassen brauchte er eine Menge Gas um anzugehen. Also führten wir es auch dieses Mal auf dieses Problem zurück und gaben Gas. An jeder Ampel schnell in den Leerlauf und Gas gegeben, damit er nicht ausgeht. Mit unserem Laienwissen kamen wir zu dem Zeitpunkt tatsächlich nicht auf die Idee, dass das mit unserem Motorproblem zusammenhängen könnte.

 Also verbrachten wir ein paar schöne Tage am Meer und schmiedeten weitere Pläne für unsere restliche Zeit…

 Leider wurde aus diesen Plänen nichts, da es uns beiden klugen Köpfen nach mehrfachem Anlassen des Motors endlich in den Kopf kam, dass da etwas nicht stimmte…Wir machten uns am späten Samstagnachmittag (der perfekte Zeitpunkt oder auch nicht…) auf den Weg in die Stadt. Natürlich hatten sämtliche Mechaniker geschlossen. In einer Tankstelle vermutete der Wart, dass der Zylinder nun wohl beginnen würde Wasser zu ziehen, sich das Wasser mit Öl vermischt und der komplette Motorschaden nur eine Frage der Zeit wäre…

 Die Entscheidung war schnell gefallen: Mit dem Auto geht es nicht nochmal auf den Highway. Wir wackelten (wortwörtlich) zur Bibliothek erstellen eine Anzeige im Internet und fuhren so schnell es ging wieder zurück an unseren Strand. Es stand fest, diesen Platz werden weder wir noch das Auto verlassen, bevor wir es verkauft haben.

 Wir malten Schilder für den Van und am darauffolgenden Sonntag bekamen wir doch von einigen Interessenten Nachrichten oder wurden direkt angesprochen, da aufgrund des Wochentags und des Wetters der Strand völlig überfüllt war. Da wir schon damit rechneten, dass wir das Auto an einen Bastler oder Mechaniker verkaufen würden, der wenig mit unseren Camping-Sachen anfangen kann nutzen wir die Gelegenheit und veranstalteten eine Art Flohmarkt in und vor unserem Van. Ich weiß nicht ob die Leute, die Dinge wirklich brauchten, die sie kauften oder ob es doch nur das Mitleid mit zwei gestrandeten Backpackern war, aber wir nahmen durch den Verkauf von Kleinigkeiten beinahe 50 dollar ein und das stimmte uns schon wieder etwas positiver. Die Sonne war an dem Tag so warm, dass ich mich weitgehend in den Schatten verkroch… wenn ich gewusst hätte wie die nächsten Tage werden würden, hätte ich die Strahlen mehr genoßen…

 Ein Interessent kam nicht, einer meldete sich gar nicht mehr und andere vertrösteten uns auf den nächsten Tag. Noch in der selben Nacht begann es zu regnen und dieser Zustand sollte sich bis heute (4 Tage später) nicht mehr ändern. Dies bedeutete wir waren in einem Auto am Strand, welches nicht fahrtüchtig war und es goss wie aus Eimern, sodass man nach jedem Toilettengang völlig durchgenässt war. Dazu sorgte unsere kaputte Tür für eine wunderbar angenehme Luftfeuchtigkeit ins unserem Van, sodass das Wasser von der Decke nur so auf uns herabtropfte. Mit anderen Worten: Wir hatten die Schnauze voll.

Am Montag bekamen wir nun endlich das Erste Angebot: 300 dollar… 800 hatten wir angesetzt. Also nahmen wir nicht direkt an und hofften mehr heraus holen zu können. Ein Blick ins Öl bestätigte, dass dieses mittlerweile milchig war und sich Wasser und Öl vermischt hatten. Ein weiterer Interessent schrieb per SMS ob es möglich wäre sich den Van anzusehen. Als ich antwortete, dass er kommen könnte wann er wolle, da es uns nicht möglich ist uns auch nur einen Zentimeter zu bewegen kam ein „LOL“ zurück und er wollte in wenigen Stunden vorbei kommen.

Er inspizierte das Auto und ließ uns wissen, dass der Motor völlig hinüber sei und evtl. sogar schon ein Riss im Motorblock vorhanden ist. 800 Dollar wären in jedem Fall zu viel. Die Hälfte wäre angemessen. Wir sagten ihm, dass wir uns beraten würden und am nächsten Tag Bescheid geben…

 Im Prinzip war die Entscheidung schon gefallen: der Kerl war nett, bot am meisten und würde den Van sofort kaufen und wir könnten ins Trockene. Der Verkauf fand am nächsten Morgen statt. Als er uns völlig durchgenässt den Van aufräumen sah, bat er uns unsere Sachen in sein Auto zu schmeißen und fuhr uns zu sich nach Hause, damit wir erstmal warm duschen könnten. Nachdem der Papierkram erledigt war fuhr er uns noch zum Verkehrsamt und in die Stadt zum Info-Center damit wir unseren Zug in Richtung Sydney buchen konnten.

Die letzten Nächte waren sehr komisch. Wir redeeten sehr viel über das Auto und die vergangene Zeit. Auch wenn es albern klingt und der Van uns viel Geld und Nerven gekostet hat, es war unser zu Hause und hat uns trotz seiner Krankheit etliche Kilometer durch Australien begleitet. 

Nachdem wir es geschafft hatten unsere zwei Rucksäcke mit unserem gesamten Hab und Gut beinahe zum Platzen zu bringen, können wir auf eine wunderschöne Zeit zurückblicken, die wir so schnell nicht vergessen werden. Das Auto hat uns überall dorthin gebracht, wo wir hin wollten und sich bis zum Ende tapfer geschlagen. Wir hatten Riesenglück, dass der Motor nicht schon auf dem Highway schlapp gemacht hat und wir evtl. Unmengen für das Abschleppen ausgeben mussten. Port Macquarie, war trotz des Regens der perfekte Ort, um fest zu sitzen.

Wir haben unser Blatt bis zum Ende ausgereizt, knapp verloren, aber fühlen uns wie die Gewinner…und das genügt!

Wir kommen auf kaum zu schlagene 8776km, die wir mit einer kaputten Zylinderkopfdichtung bei teilweise tropischen Temperaturen durch Australien zurücklegt haben! Ich schätze, dass wir in etwa um die 350 Liter Kühlwasser verdampft und verloren haben. Kein Spaß.. :)“

Mit anderen Worten: Augen auf beim Autokauf! Wer auf Abenteuer steht, kann aber auch anders voll auf seine Kosten kommen 😉

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