Reisebericht: Cochabamba und der Toro Toro Nationalpark

Im Februar 2016 habe ich etwa eine Woche in der bolivianischen Stadt Cochabamba und dem Nationalpark Torotoro verbracht. Kommt mit mir auf einen kleinen Auslug nach Südamerika und lernt ein einzigartiges Erlebnis meiner Reise kennen.

Cochabamba – Anreise und Unterkunft

Mit dem Bus ging es in ungefähr acht Stunden vom Busbahnhof La Paz ins Landesinnere nach Cochabamba. Als ich dort war, waren wegen eines Streiks in Bolivien gerade die Straßen blockiert. Das kann in Bolivien öfter vorkommen, vor allem auch, wenn man den Osten des Landes besucht, der nicht so touristisch ist. Leider gibt es nicht wirklich eine zentrale Informationsstelle, die zuverlässig Streiks ankündigt, sodass man am besten zum Busbahnhof geht und sich vor Ort über die aktuelle Lage erkundigt.

Ich würde empfehlen in Bolivien immer Linienbus in Cochabamba lieber tagsüber zu fahren, weil die wenigsten Straßen asphaltiert sind und auch die Busse nicht immer so gut in Schuss sind.

Die Strecke von La Paz nach Cochabamba führt über Berge von 3500 auf knapp 1000 Höhenmeter und die Aussicht ist, wie auf fast allen Busfahrten in Bolivien schön und abwechslungsreich. In Cochabamba kommt man am Busbahnhof an, der etwas weiter außerhalb, in einem Randbezirk der Stadt liegt. Da wir abends ankamen, nahmen wir ein Taxi in die Innenstadt, das uns knapp 40 Bolivianos kostete. Die Auswahl an Hostels ist nicht sehr üppig und das Hostel, was wir uns im Reiseführer rausgesucht hatten existierte leider nicht. Aber um die Plaza 14 de Septiembre findet man auch günstige Unterkünfte, wenn man sich ein wenig Zeit zum Suchen nimmt. Wir wurden dann vom Taxifahrer zum Hotel Florida gefahren, das sehr sehr einfach, aber auch ziemlich günstig ist (40 Bolivianos pro Person pro Nacht, d.h. bei einem Wechselkurs von 1:7,5 ca. 5€).




Meine Tipps für Cochabamba

Cochabamba ist warm und grün und eignet sich vor allem für ein paar entspannte Tage. Wir haben unsere Zeit vor allem in den netten Cafés der Stadt verbracht. Auf dem mercado 25 de mayo kann man neben typisch bolivianischen Gerichten auch prima Fruchtsalat oder riesige Eisbecher essen und einfach die lebendige Atmosphäre Cochabambas genießen. Früchte sind dort wegen der Nähe Cochabambas zum tropischen Teil Boliviens super lecker, wer wie ich Fruchtsalat gerne einfach hält muss unbedingt daran denken ihn ohne Sahne, ohne Eis und ohne Gelatine zu bestellen, denn die Standard Version beinhaltet eine große Portion von jeder dieser Zutaten 🙂 Wir waren auch am Cristo de la Concordia, der auf dem Berg der am östlichen Ende der Avenida Las Heroinas steht. Man sagt, er sei größer, als der bekanntere Cristo in Rio, aber vor allem kann man von dort einen schönen Blick auf die ganze Stadt genießen. Wer die Stufen nicht laufen will kann sich für ein paar Bolivianos mit der Seilbahn (teleférico) hinauffahren lassen. Die Stadt eignet sich ansonsten gut für’s Herumspazieren, denn überall gib es kleine Läden und Cafés und Menschen, die auf der Straße alles mögliche zum Essen verkaufen. In den Straßen zwischen der Plaza 14 de Septiembre und der Plaza Colón befindet sich das Kloster Santa Teresa, dessen Museum täglich für eine Besichtigung geöffnet ist.

Die Kathedrale Cochabambas

Die Kathedrale Cochabambas auf der Plaza 14 de Septiembre

Cochabambas Einkaufsstraße

Cochabambas Einkaufsstraße an einem Sonntag

Der Toro Toro Nationalpark

Von Cochabamba kann man den Nationalpark Toro Toro besuchen, in dem man spannende, jahrtausende alte Felsformationen und sogar Dinosaurierspuren sehen kann. Der Nationalpark ist ein sehr interessanter Ort, um die Einflüsse der Bewegung der Erdplatten zu sehen, denn der Bereich, der heute der Toro Toro Nationalpark ist und auf mehreren tausend Metern über dem Meeresspiegel liegt, hat früher wohl einmal darunter gelegen. An einigen Stellen sind die Platten aufgebrochen und man kann die Schichten der Erdplatten erkennen.

Canyon von Toro Toro

Der Blick vom Aussichtspunkt auf den Canyon von Toro Toro

Die Anreise nach Toro Toro

Um schnell in das gleichnamige Dorf Toro Toro zu gelangen, nimmt man am besten ein Colectivo bzw. Micro. Das sind Minivans, die keine festen Abfahrtzeiten haben, sondern losfahren, wenn sie voll sind. Es gibt auch einen Bus, der günstiger ist, aber zwei Stunden länger braucht und nur um 6 Uhr morgens und um 18 Uhr abends fährt. Den Bus, sowie die Colectivos findet man an der Kreuzung von Avenida República und Avenida Barrientos. In der Stadt fahren auch Linienbusse und Trufis (Sammeltaxis innerhalb der Stadt), die dich dort hinbringen. Beide fahren eine bestimmte Strecke durch die Stadt, haben aber keine richtigen Haltestellen, sondern müssen heran gewunken werden, um einsteigen zu können. Die Touristeninformation an der Plaza Colón gibt ganz gute Informationen darüber, wie man sich in der Stadt am besten fortbewegt.

Die Straße nach Toro Toro führt einmal durch den Nationalpark, über unbefestigte Straßen und durch Flussbetten, die Fahrt ist also aufregend und abwechslungsreich – nicht unbedingt etwas für schwache Nerven. 😉

Auf der Suche nach einer Unterkunft in Toro Toro?

Wenn man, so wie wir, mit dem Bus um 18 Uhr fährt, kommt man gegen 0 Uhr in Toro Toro an. Auf dem Weg kann man übrigens toll den Sternenhimmel sehen, da es im Nationalpark natürlich kein elektrisches Licht gibt und es total dunkel ist. Die Hostelbesitzer empfangen die Touristen nachts an der Endhaltestelle, sodass es kein Problem ist, auch um diese Uhrzeit eine Unterkunft zu finden. Diese sind natürlich meist sehr einfach. Reservieren braucht man nicht und ist auch kaum möglich, da es in dem Ort kein Internet gibt.

Touren durch den Nationalpark




An der Plaza gibt es die Touristeninformation und das Büro der Reiseführer (guías). Den Nationalpark kann man nicht ohne Fremdenführer besuchen. Erstmal waren wir etwas skeptisch, weil wir das meiste auf unserer Reise lieber selbst organisiert durchgeführt haben. Aber in diesem Fall hat es sich wirklich gelohnt, denn die meisten guías kommen selbst aus Toro Toro, kennen sich seit Kindheitstagen im Nationalpark bestens aus und geben viele spannende Infos über die Region. Die Touren werden von den Bewohnern des Dorfes organisiert und die Einnahmen werden dir in der Rechnung aufgeschlüsselt, sodass du genau sehen kannst, wo die Einnahmen hingehen und dass tatsächlich vor allem das Dorf vom Tourismus profitiert.

Die Touren haben einen festen Preis und werden quasi pro Person günstiger, je mehr Menschen an einer teilnehmen. Die Gruppen muss man sich selbst suchen. Dafür geht man am besten einfach morgens vor das Büro der guías, denn dort trifft man viele Gleichgesinnte. Wir haben zwei Tagestouren gemacht. Dafür mussten wir erst noch im Tourismusbüro den Eintritt für den Nationalpark zahlen, der sich auf ungefähr 30 Bolivianos (4€) beläuft.

Die erste Tour – Dinosauriersupuren und der Wasserfall Vergel

Am ersten Tag machten wir eine vierstündige Wanderung, die uns zuerst zu den Dinosaurierspuren führte, für die Toro Toro berühmt ist. Wir wanderten zu einem Aussichtspunkt auf einen großen Canyon, wo man, wenn man Glück hat, auch Kondore zu sehen bekommt. Außerdem lässt sich dort sehr gut erkennen, dass die Erdplatten aus unterschiedlichen Schichten bestehen, denn im Canyon sieht man Streifen, in unterschiedlichen Farben. Auf dem Weg kann man bereits einige durch die Bewegung der Erdplatten entstandene Schluchten, Brücken und Flussbetten sehen und durch sie durch Fußspuren eines 36 Meter langen Brontosauriers wandern. Dann läuft man eine Strecke über hunderte Stufen in den Canyon hinein, um dort einen Wasserfall, den Vergel, anzuschauen.

Der Vergel

Die zweite Tour – Felsformationen und die tiefste Höhle Boliviens

Am zweiten Tag machten wir eine Tour von etwa sieben Stunden. Diese Tour ist ziemlich anstrengend und man sollte sie besser nur machen, wenn man kein Problem mit Höhe und mit Tiefe hat, denn im ersten Teil der Tour wird zwischendurch ein bisschen geklettert und im zweiten Teil geht es für rund 2 Stunden in eine tiefe Höhle. Proviant für den Tag muss man übrigens selbst besorgen, also am besten früh genug drum kümmern, weil der Markt in Toro Toro abends nicht lange auf hat. Wichtig ist, genug Wasser und auch etwas gegen die Sonne mitzunehmen, denn die Sonne ist sehr stark und es gibt nicht viele Schatten spendende Bäume. Auf der Plaza haben wir zwei nette Chilenen getroffen, sodass wir zu viert waren. Das Maximum für die Tour, die wir machen wollten sind sechs Personen. Die Kosten betragen insgesamt 600 Bolivianos, zu viert lag das dann also bei 150 Bolivianos, also 20 € pro Person, was wirklich günstig ist, für das was man dafür bekommt.

Mit dem Jeep sind wir zuerst sind wir zur Steinstadt Ciudad de Itas gefahren. Auf dem Weg konnten wir schon eine wahnsinnige Landschaft genießen. Man sieht, dass dieser Teil der Erde vor sehr vielen Jahren einmal unter dem Meeresspiegel gelegen haben muss, denn man erkennt noch die Formen, die die Wellen auf dem Boden hinterlassen haben.

In der sogenannten Ciudad de Itas kann man, neben kleinen und bislang unerforschten präinkanischen Felsmalereien natürliche Felsformationen bewundern, die verschiedene Tiere und Figuren darstellen. Dieser Teil der Tagestour geht ungefähr drei Stunden und wir waren beim Wandern und Klettern durchgehend der Sonne ausgesetzt, also unbedingt Sonnencreme und Hut mitnehmen 🙂

Die Felsformation "Der Elefant"

Die Felsformation „Der Elefant“

Danach wurden wir zur tiefsten Höhle Boliviens, der Caberna, gefahren. Vor Ort wird man mit Helmen und Lampen ausgerüstet und dann geht es los: kletternd, kriechend und rutschend bewegten wir uns über, unter und zwischen Stalagmiten und Stalaktiten, mehrere Meter unter der Erde. Und hier merkt man dann, dass eine solche Erfahrung ohne jemanden, der sich auskennt nicht möglich ist. Unser guía hat uns nicht nur alles mögliche über die Höhle erzählt, sondern uns vor allem den Weg gezeigt und natürlich beim Vorankommen geholfen.

Vor dem Eintritt in die Höhle fragte er uns mehrmals, ob keiner von uns unter Klaustrophobie leidet, und das ist wirklich wichtig. Zwar kann man in einigen Stalaktiten in der Caberna Räumen innerhalb der Höhle aufrecht gehen, an anderen Stellen ist die Fortbewegung allerdings nur robbend auf dem Bauch möglich und durch einige Felsspalten kann man sich nur in bestimmten Positionen durchzwängen. Ich habe normalerweise keine Probleme mit engen Räumen, aber es ist zum Teil echt eng in der Höhle und es kann schon beängstigend sein, so viele Meter Erde über sich zu haben. An einer Stelle ließ unser guía uns unsere Kopflampen ausschalten. Dort unten herrscht eine beeindruckende Dunkelheit, denn an diese Stelle dringt nie auch nur ein Strahl Sonnenlicht, sodass die Augen es nicht schaffen, sich daran zu gewöhnen. Man sieht nichts, aber hören kann man das Tropfen des Wassers, durch das sich Stalagmiten und Stalaktiten bilden. Am Ende des Tages war ich total kaputt und sehr beeindruckt, von all den Dingen, die ich gesehen und erlebt habe.

Das Kolloseum von Toro Toro

Das „Kolloseum“ von Toro Toro

Mein Fazit

Der Ort Toro Toro hat nicht viele Restaurants oder ähnliches zu bieten, aber es gibt ein nettes Café mit ein paar Hauptspeisen, die einen nach einem so anstrengenden Tag satt machen. Denn das war der Tag wirklich – sehr anstrengend, aber toll!

Am nächsten Tag sind wir leider schon wieder zurück nach Cochabamba gefahren, Toro Toro war eines der tollsten und vor allem ein einzigartiges Erlebnisse und ich würde es jedem wärmstens empfehlen. 🙂

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