Reisebericht Marrakesch: 5 Tage im kulturellen Herzen Marokkos


Ein Reisebericht von unserer Redakteurin Anna

Düsseldorf Weeze → Marrakesch (Flug: Ryanair 140€ Dauer: 3,5 Stunden)
Hotel: Riad Sophia (booking.com ca.185€ 4 Nächte, Doppelzimmer inklusive Frühstück)

Mittwoch, 09.03.2016: Anreise und Place Djemaa el Fna

Um 7:44 Uhr ging mein Zug von Bremen nach Düsseldorf, von wo ich mit dem Bummelzug weiter nach Weeze gefahren bin. Kaff ist einfach die beste Bezeichnung für diesen Bahnhof. Da der Shuttle zum Flughafen nur einmal in der Stunde fährt und mein Zug natürlich 10 Minuten zu spät angekommen ist, hieß es eine Runde warten. Im kalten Deutschland mit Lederjacke und Stoffschuhen – nice!

Nachdem meine Freundin dann zum Glück noch gerade so pünktlich für den Shuttle angekommen ist – es lebe die Pünktlichkeit der Deutschen Bahn – ging es auf in die Metropole Flughafen Weeze. Ich bin ja echt schon von vielen Flughäfen geflogen, aber das war wirklich der kleinste von allen. Innerhalb von fünf Minuten waren wir komplett mit dem Sicherheitscheck durch….und dann hieß es zwei Stunden Zeit totschlagen.

Wie man sich denken kann, waren dazu natürlich die besten Voraussetzungen gegeben – NOT! Ein überteuertes Café, ein Duty Free Shop und zu allem Überfluss in der Pampa natürlich komplett keinen Empfang und das Free Airport Wifi hat natürlich auch nicht funktioniert. Aber wir hatten ja uns…:) Die Zeit ging schnell rum und ruckzuck saßen wir auch schon auf unseren Plätzen im Flieger.

Ein paar Stullen später (17.30 Uhr Ortszeit) sind wir endlich auf dem Flughafen Marrakech-Menara gelandet. Mit dem Shuttlebus sind wir für jeweils 5€ (Hin- und Rückfahrt) ab in die City, wo wir nach 10 Minuten bereits angekommen sind. Die Eindrücke der Busfahrt haben unsere Vorfreude direkt noch größer werden lassen; Palmen, Moscheen, Kamele, blauer Himmel, SONNE!!!

Marrakesch

Vom Marktplatz aus begann das Abenteuer „Anna und Sophie suchen ihr Riad“. Dank der App „MapsMe“ (die mir schon in Asien oft das Leben gerettet hat) wussten wir zumindest grob die Richtung. Kaum waren wir eine Sekunde aus dem Bus, wurden wir natürlich direkt angelabert – einfach eiskalt ignorieren und weitergehen. Nach ca. 10 Minuten Fußmarsch vorbei an den unterschiedlichsten Läden (hat echt ein bisschen was von Asien) waren laut unserer Karte auch eigentlich da…nur unser Hotel konnten wir weit und breit nicht finden.

Von dem Wort Be- bzw. Ausschilderung haben die glaube ich noch nie etwas gehört…schade! Wir sind in irgendwelchen kleinen etwas mysteriösen Seitenstraße herumgeirrt und dachten, wir finden es nie…aber zum Glück sind wir nicht auf den Mund gefallen und nach mehrmaligem Nachfragen standen wir endlich vor dem „Riad Sophia“. TADAAAAAA. Wer hätte das gedacht.

„Riad“ ist der arabische Begriff für Garten, Riads sind typisch für Marrakesch bzw. für die Medina (Altstadt). Der klassische Riad ist ein mehrgeschossiger Altbau, dessen Zimmer sich auf einen Patio, einen gefliesten und bepflanztem Innenhof hin öffnen. Ein Riad holt also gleichsam den Garten und – über den Patio den Himmel ins Haus. In der Medina soll es rund 1500 Riads geben.

Wir wurden nett mit einem Tee begrüßt und, nachdem die Formalitäten erledigt waren, in unser Zimmer geführt. Ein großes Himmelbett, orientalische Lampen, ein vergoldetes Waschbecken mit verziertem Spiegel…genauso,wie erwartet. Sogar – ganz Deluxe – mit Heizung und Klimaanlage. Für 4 Nächte zahlen wir 185€ inklusive Frühstück! Gefunden habe ich das Riad über TripAdvisor und gebucht über booking.com.




Wir haben nur kurz unsere Sachen abgelegt und uns dann auf den Weg in die City gemacht. Begleitet wurden wir von unserem Riadboy, der eh in die Richtung musste. Sobald er bei uns war wurden wir GAR nicht mehr von der Seite angelabert… sehr entspannend. Trotz seines semi-guten Englisches konnten wir noch recht viel über Marrokko erfahren. Auf dem Place Djemaa el Fna („Versammlung der Toten“) angekommen, hat er uns uns selbst überlassen. Der Platz ist seit Jahrhunderten ein Zentrum kultureller Bewegung. Man kauft hier ein, man isst hier zu Abend, man lässt sich unterhalten – ob von Schlangenbeschwörern, Affendresseuren, Wahrsagern, Märchenerzählern oder Musikern. Ab 17 Uhr werden hier Essenstände aufgebaut (alle durchnummeriert) und der Platz verwandelt sich in ein riesiges Freiluft-Restaurant, wo man sich einmal durch die marrokanischen Köstlichkeiten futtern kann – das konnten wir uns natürlich nicht entgehen lassen.

In Ruhe durchschlendern ist leider nicht, man wird von allen Ständen angeworben und hin- und hergezogen…irgendwann haben wir uns geschlagen gegeben und uns für einen Stand entschieden- dafür wurden wir von der ganzen Belegschaft mit einem großen Applaus belohnt. Wir saßen keine Sekunde, da bekamen wir schon einen runden Fladen Brot und Oliven serviert. Auf Anraten des Kellners brachte er uns etwas typisch marrokanisches: gemischte Fleischspieße (Bouchette), Salat, Couscous, gegrilltes Gemüse etc. War alles sehr lecker und das Ambiente war einfach einzigartig. Jeder Stand hat gefühlt zehn Leute, die versuchen Kunden an Land zu ziehen – auf allen Sprachen. Leider kommen während des Essens auch viele Bettler und kleine Kinder vorbei, die nach Essen bzw. Geld fragen. Da wir eh viel zu viel hatten, haben wir unsere Reste abgegeben #jedentageinegutetat. Die Rechnung war dann leider nicht so erfreulich…Da man uns die Speisekarte direkt wieder weggenommen hatte, und einfach alles serviert wurden, hatten wir keine Übersicht über die Preise (ja war dumm). Am Ende sollten wir eigentlich 32€ zahlen, schade, dass wir nur 30€ dabei hatten….wir durften freundlicher Weise trotzdem gehen.

Mit leeren Taschen sind wir noch ein bisschen durch die Gassen geschlendert und uns später auf den Heimweg gemacht. Merke: Speisekarte behalten und exakte Bestellung machen!!!

Donnerstag, 10.03.2016: Palais de la Bahia und Cyber Park

Frühstück Riad SophiaPünktlich um 9.00 Uhr wurde uns unser erstes marokkanisches Frühstück in der Sonne auf der Dachterrasse serviert. Es gab frisch gepressten Orangensaft, Tee, Kaffee, Omelett, marokkanische Pfannkuchen und Brot sowie diverse Sorten Marmelade, Frischkäse und Honig…klingt nach einem traumhaften Start in den Tag, ne?

Bestens gestärkt haben wir uns auf den Weg in den Süden Richtung Kasbah-Viertel gemacht. Dort waren wir zuerst beim Tor Bab Agnaou, was einmal das schönste der Stadt gewesen sein soll. Weiter ging es ins jüdische Viertel von Marrakesch „Mellah“. Nach einem kurzen Abstecher auf einen Gewürzsouk sind wir gegen Mittag im Palais de la Bahia angekommen. Wir sind durch zahlreiche mit Marmor ausgelegte Bepflanzten Innenhöfe mit Springbrunnen gelaufen und haben die Holz geschnitzten und dekorierten Decken und bunten Fenster bewundert.

Der Palast war eine richtige Ruheoase nach dem nervigen Weg über die vollen und lauten Straßen zuvor. Mittagspause haben wir auf der Dachterrasse des super süß eingerichteten Zwin-Zwin Cafés gemacht, was ich zuvor bei TripAdvisor gefunden hatte. Über den Dächern von Marrakech gab es in der Sonne – nach Brot und Oliven – eine leckere marrokanische Suppe, Zucchinitarte…und natürlich Tee. Der nächste Fußmarsch brachte uns zur Ensemble Artisanal, einer Martkthalle, wo man alle Art von Kunst, Leder, Schmuck und Keramik zu fixen Preisen erwerben kann. Das ist ganz praktisch, um mal eine grobe Vorstellung zu bekommen, was hier was kostet. Außerdem kann man dort Frauen beim Teppich weben zuschauen. Ich durfte sogar mithelfen! An einem großen Teppich webt man ca. drei Monate…ganz schön viel Arbeit.

Anna beim Teppichweben

Anna beim Teppichweben

Anschließend sind wir in durch den gegenüberliegenden „Cyber Park“ geschlendert. Warum heißt der so? Dort findet man neben dem alten Baumbestand aus Palmen- und Olivenhainen öffentlich zugängliche Touchscreens sowie Wlan – was natürlich zu einem eher jungen Publikum führt. Nachdem wir dort in der Sonne noch ein mehr oder weniger leckeres Eis geschlürft haben, sind wir kurz ins Hotel umziehen (kommt davon wenn Anna ein weißes Kleid anzieht und dann rote Suppe isst!).

Kutschfahrt

Kutschfahrt

Ohne Flecken ging es weiter zum Djeema el Fna, wo wir nach ein bisschen runterhandeln (50 min für 10€) ganz romantisch in einer Pferdekutsche saßen. Die Tour führte uns komplett durch Marrakesch – unsere Füße haben sich bedankt nach der ganzen Lauferei. Zurück am Marktplatz sind wir mit einem frischen O-Saft (50ct!) bewaffnet in die Souks der Medina. Dort fühlt man sich wie in einem Labyrinth dessen Gassen gefüllt sind mit Taschen, Schuhen, Schals, Schmuck, Keramik, Lampen, Gewürzen und, und, und….

Als wir nach zwei Stunden wieder hinausgefunden haben, haben wir uns ein günstiges Plätzchen fürs Dinner gesucht. Gelandet sind wir im „Witch Snack„. Dort haben wir für 8€ Poule Roti (Bräthähnchen) und vegetarische Tajine, ein typisch marrokanisches Eintopf-Gericht, gegessen. Zu Beginn bekommt man auch hier einen kleine Portion eingelegte Oliven und frisches Brot. Zurück im Hotel und glücklich über unser Schnäppchen-Dinner haben wir in unserem Riad noch mit dem Besitzer und einem Freund eine Runde leckeren Tee getrunken. Wir haben die beiden noch ein bisschen über die marrokanische Kultur ausgequetscht, bis wir gegen Mitternacht müde in unserem Himmelbettchen lagen.

Freitag, 11.03.2016: Jardin Majorelle

Nach unserem erneuten Rooftop-Sun-Breakfast haben wir uns auf den Weg zum „Jardin Majorelle“ gemacht. Der Maler Jacques Majorelle hatte in dem Garten 1924 sein Atelier errichtet. 1980 erwarb Yves Saint Laurent das mittlerweile verwilderte Gelände und legte einen arabischen Garten – ein Paradies aus Licht, Farben und Wasserspielen und Pflanzen an. Das Kornblumenblau „Majorelle Bleu“ zieht sich durch den ganzen Garten. Es ist wirklich eine wunderschöne Anlage und der Besuch auf jeden Fall ein Muss, wenn man in Marrakesch ist.

Weiter ging es in den Stadtteil Gueliz, die Neustadt vom Marrakesch, deren Geschäfte sich rund um den Place de 16. November befinden. Da finden sich die typischen Läden wie McDonald’s, Zara, H&M etc. Nach einer Snackpause sind wir langsam Richtung Cyber Park spaziert, wo wir noch eine Runde gechillt haben, bis wir zurück zum Riad gegangen sind, wo wir bis zum Sonnenuntergang auf der Dachterrasse die Sonne genossen haben. Natürlich wurden wir von unserem Riadboy wieder mit „marrokanischem Whisky“ alias Tee versorgt. Abends sind wir nochmal zum Witch Snack etwas essen gegangen, haben noch einen kleinen Spaziergang durch die City gemacht und uns noch ein paar neue Schuhe zugelegt.

Samstag,12.03.2016: Palmen, Kamele und Djellabas

Kamelreiten

Um 10 Uhr kam der Pick Up Service, der uns zu den Palmenhainen außerhalb der Stadt gebracht hat. Die Tour hatte ich zuvor online über GetYourGuide gebucht (25€ pro Person). In den Palmen angekommen haben uns schon die Kamele und unsere Djellabas – das typische marrokanische Gewand- erwartet. Jeder bekam noch einen Turban auf den Kopf – mit uns war noch ein Pärchen aus Chile – dann war aufsitzen angesagt. Auf dem Kamelrücken sind wir eine Stunde durch die Palmenwüste geritten, nach einer Weile hat der Allerwerteste leider schon angefangen zu schmerzen…aber Indianer kennen ja keinen Schmerz, wie mir ja immer gepredigt wurde 😉 Unser Guide hat uns Kamelringe aus Palmenblätter geflochten…echt cool! Zum Schluss gab es dann – wer hätte das gedacht- noch eine Runde Tee.

Gegen Mittag waren wir zurück im Riad, wo wir es uns mit frischen Erdbeeren erst mal auf der Dachterrasse in der Sonne bequem gemacht haben. Muss man ja ausnutzen bei den Temperaturen, die in Deutschland derzeit herrschen. Später sind wir nochmal auf Shoppingtour in die Souks gegangen. Unsere verspätete Mittagspause haben wir im Kui-Zin Restaurant gemacht, welches ich zuvor bei TripAdvisor gefunden hatte. Dort haben wir auf einer wunderschönen Dachterrasse für nur 5€ unsere bis jetzt leckerste Tanjine gegessen.

Nachdem wir fast alles geshoppt hatten, haben wir uns unser tägliches Eis in dem „fancy“ Café Argana gegönnt, von dessen Terrasse hat man einen perfekten Blick über das Geschehen auf dem Djeema el Fna hat. Sobald die Sonne gegen 18.00 Uhr weg ist, wird es leider echt frisch. Zurück im Hotel haben wir uns dick eingepackt auf die Dachterrasse gesetzt. Nicht lange hat es gedauert, bis wir mit Tee bedient wurden und Gesellschaft von unserem Riadboy hatten. Haben ihn noch ein bisschen ausgequetscht, versucht ein paar Wörter arabisch zu lernen und marokkanische Musik gezeigt bekommen.

Sonntag, 13.03.2016: Privates Gitarrenkonzert und Abreise




Nach unserem leider letzten Rooftop-Frühstück haben wir noch bis 12 Uhr in der Sonne gesessen, Sachen gepackt und uns dann auf dem Weg  zum Geldautomaten gemacht. Um 13 Uhr waren wir im Partner-Riad zu einem privaten Gitarren Konzert von dem besten Freund/Kollegen unseres Riadboys eingeladen. Trotz der alten Gitarre hat es sich meega schön angehört, Arabisch klingt einfach so anders aber so schön an.

Unser Riadboy kam nach kurzer Zeit nach und nach der Vorstellung haben wir mit den beiden noch unser letztes marokkanisches Lunch eingenommen. Die wussten natürlich, wo man gut und günstig,vor allem aber richtig marokkanisch essen kann. Nach einem kleinen Fußmarsch saßen wir in einem kleinen „Restaurant“ und hatten auch direkt schon zwei Tajine und Brot auf dem Tisch. Wir dachten ja, wir hätten davor lecker gegessen, aber diese war echt nochmal um Längen besser!

Meine Freundin und ich haben also ganz normal mit Gabeln angefangen zu essen. Die Jungs haben ein Stück Brot genommen und das als Besteck benutzt. Das macht man wohl so. Unsere Versuche sind leider kläglich gescheitert, da sind wir lieber bei unseren altbewährten Gabel geblieben.
Zum Schluss gab es noch die letzte Runde Tee, dann mussten wir leider los das Gepäck holen, um dann mit dem Taxi zum Flughafen zu düsen. Das ganze Essen hat uns 6.50€ für alle zusammen gekostet…man muss halt wissen wo. Mit dem Rückflug, dem Shuttle nach Köln-Messe Deutz und dem anschließenden Drive-Now Tour mit einem kleinen Mini hat alles super geklappt, gegen 2 Uhr lagen wir müde bei meiner Freundin im Bettchen in Köln.

Fazit

  • Die Stadt ist für einen Kurztrip auf jeden Fall empfehlenswert! 3-4 Tage sind von der Länge perfekt
  • Auf jeden Fall in einem Riad in der Medina wohnen, das ist einfach am authentischsten
  • Von der Jahreszeit war es meiner Meinung nach perfekt, nicht zu heiß und nicht zu kalt (außer vielleicht abends)
  • Bevor man irgendetwas kauft, am besten vorher Preise vergleichen und beim Handeln hartnäckig bleiben, meistens verkaufen sie es für mindestens die Hälfte des ersten Preises
  • Um nicht verloren zu gehen auf jeden Fall die App „MapsMe“ runterladen
  • Französisch ist die zweite Landessprache…es kann nicht schaden seine Grundkenntnisse nochmal ein bisschen Aufzufrischen (hätten wir auch mal lieber machen sollen :D).

Links

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