Reisebericht Guanajuato – Die schönste Stadt Mexikos?

Reisebericht Guanajuato – Die schönste Stadt Mexikos?

Ein Tagebuchauszug unserer Redakteurin Anna.

Am Freitag ging es für uns mit dem Bus von Primera Plus für 540$ von Busbahnhof México Norte in DF nach Guanajuato, wo wir nach ca. 5 Stunden Fahrt angekommen sind. Diese Stadt wurde mir sowohl von vielen Kommilitonen als auch von zahlreichen Mexikanern als schönste Stadt Mexikos beschrieben – das musste ich doch mal persönlich überprüfen!

Am Busbahnhof angekommen haben wir uns vom Taxi für 70$ ca.15 Minuten zum Monumento al Pípila fahren lassen. Gerade aus dem Taxi ausgestiegen wurden wir direkt von einer traumhaften Aussicht auf die Stadt umgehauen: Ein Meer aus bunten Häusern, tolle Gebäude und ein Unigebäude, das an ein riesiges Schloss erinnert – fing auf jeden Fall schon mal super an. Das Monument gilt dem mexikanischen Minenarbeiter Juan José de los Reyes Martínez Amaro, der im Zuge der Zerstörung der Tore von Alhóndiga de Granaditas während des mexikanischen Unabhängigkeitskrieges zum Nationalhelden geworden ist. Sein Spitzname war Pípila, was auf Deutsch Truthahn bedeutet.

Leider war nur kurz Zeit für Fotos, dann würden wir auch schon von dem Airbnb Vermieter Jack zu unserem Zuhause für die nächsten zwei Nächte begleitet. Er ist Ire und vor 4 Jahren nach Guanajuato gezogen und hat uns den ganzen Weg ganz enthusiastisch von seiner Stadt erzählt, super süß! Nachdem wir einige steile Treppenstufen hinabgestiegen sind, waren wir auch schon da. In der Wohnung könnte man sich einfach nur wohlfühlen: Die zwei Schlafzimmer (für 2&3 Personen) verfügen jeweils über ein eigenes Badezimmer, die Küche ist mit allem Notwendigen ausgestattet, es gibt einen Esstisch und eine Sofa-Ecke. Ansonsten? Ich sag nur bodentiefe Fenster und die Stadt liegt einem zu Füßen – der Blick ist einfach traumhaft. Das Haus verfügt außerdem über eine mit Blumen verzierte Terrassenlandschaft, wo sich Liegen, Stühle und eine Hängematte befinden – der perfekte Ort um nach einer Sightseeingtour die Seele baumeln zu lassen. Hier haben wir ca. 18€ pro Nacht pro Person gezahlt.

Nachdem wir kurz ausgepackt hatten sind wir zurück zum „El Pípila“, um dort die Dämmerung abzuwarten, denn sobald die Sonne weg ist und die ganzen Lichter angehen hat die Stadt nochmal ein ganz besonderes Flair. Mit dem Cabel Car (25$ pro Person) sind wir von dort hinunter in die Stadt gefahren (Taxi kostet 45$), wo wir direkt vom wunderschönen „Teatro Juárez“ umgehauen wurden: ein ganz tolles Gebäude mit Säulen, Statuen etc.

Auf Grund des Wetters haben wir uns schnell ein Restaurant gesucht; am Plazuela De San Fernando sind wir nach kleinen Entscheidungsschwierigkeiten (es gibt rund um den Platz sehr viele Restaurants und Bars) auch fündig geworden. Im „Ojo de Van Gough“ haben wir super leckere Pasta, Salat und Enchialadas (pro Gericht ca. 100$) gegessen. Nach dem Dinner haben wir noch schnell im Centro Comercial (ca. 10 Minuten zu Fuß) etwas für das Frühstück besorgt und uns dann mit dem Taxi auf den Weg zurück zum Airbnb gemacht.

Guanajuato verfügt über ein sehr ausgeprägtes Tunnelsystem, dementsprechend gibt es in den Straßen nicht so viele Autos, was mir sehr gefällt. Mitte des 20. Jahrhunderts wurde ein Staudamm gebaut, da der Fluss Guanajuanto, der damals unter der Stadt hindurchgeflossen ist, oft zu Überschwemmungen der Straßen geführt hat. Der Staudamm hat diesen Fluss in unterirdische Höhlen geleitet, um die Überschwemmungen zu mindern. Heute hat sich dieses Höhlennetz in ein nützliches Tunnelsystem verwandelt. Die Fahrt war schon etwas gruselig, aber ruck zuck ohne Stau sind wir nach ca.10 Minuten heile angekommen. Mit einer Tasse Tee (auch den gab es inklusive) und dicken Decken (ja, es waren 10 Grad!!!) haben wir es uns auf den Sofas bequem gemacht, den Blick auf die Stadt genossen und in dem kleinen Reiseführer von Jack geblättert. Zu Krönung gab es noch ein Gläschen unseres auf dem Markt erworbenen Macadamia-Café-Likör (150$ für alle arme Studenten deren Budget nicht für Baileys reicht) und nach einer heißen Dusche ging es ab ins Bett – Buenas Noches!

Tag 2: 12. November 2016

9 Stunden geschlafen wie ein Baby, erneute heiße Dusche, die Küche duftet nach frisch gebrühtem Kaffee, Frühstück mit Blick auf Guanajuato…noch Fragen zu meinem Start in den Tag?!

Im Zwiebellook-Style ging es auf in den „Ort der Frösche“. Diesen Spitznamen bekam die Stadt, da einige Einwohner in dem Gebirgszug einen Frosch zu erkennen glaubten. Als wir das Labyrinth aus rutschigen Treppen und verwinkelten Gassen erfolgreich durchkempt hatten, sind wir nach kurzer Zeit bereits in der „Callejon del Beso“ (Kussgasse) angelangt. Die Legende besagt, dass der Vater von Dona Carmen ihr verboten hat ihren Geliebten Don Luis weiterhin zu sehen. Er schloss sie in ein Haus ein, aus dem Dona Carmen ihren Luis einen Brief schrieb, er solle in das Nachbarhaus gehen, damit sie sich über die Balkone unterhalten können. Daraufhin kaufte Don Luis dieses Hauses zu einem hohen Preis und nun konnten sich die Geliebten auf Grund der Enge der Gasse wieder unterhalten. Jedoch dauerte es nicht lange, bis der Vater dies bemerkte und aus Wut seine Tochter mit einem Dolchstoß ins Herz erstach. Luis sah zu und konnte nur noch die Hand der sterbenden Carmen küssen – daher stammt der Name der Gasse. Der Brauch besagt, dass man sich in der Gasse einen Kuss geben muss, damit Liebeskummer vermieden wird. Sonderlich spektakulär fanden wir es hier jedoch nicht…könnte daran liegen dass die Jungs zum Küssen nicht anwesend waren 😛

Nachdem wir uns alle einen Regenschirm zugelegt hatten, waren wir bestens ausgestattet für unsere Sightseeingtour. Zur „Basílica de Nuestra señora de Guanajuato“, vorbei am Teatro de Juárez (mindestens genauso beeindruckend wie bei Nacht) sind wir zum Plazuela de Baratillo gelangt. Auf dem kleinen Platz befindet sich ein kleiner Brunnen und ein super süßes buntes Café „Dolcets Bakery“, wo wir einen kleinen Snack zu uns genommen haben.

Weiter ging zur Universität, die wie bis jetzt nur von oben gesehen hatten. Das Gebäude ist wirklich beeindruckend – ich dachte auf den ersten Blick ich wäre in Hogwarts. Während wir so weiter geschlendert sind (mittlerweile hatte es sogar aufgehört zu regnen) viel uns die „Estación Gelato“ ins Auge. Eine sehr geschmackvoll eingerichtete Eisdiele/Café – da musste nicht lange überlegt werden. Mit einem liebevoll zubereiteten Mokkachino und Blick auf die Pípila haben wir es uns auf der Dachterrasse gemütlich gemacht.

Als nächstes wollten wir in das Dorf „La Valenciana“, von einem der kleinen Tourischalter hatten wir erfahren, dass die Busse dorthin an „Alhondiga“ abfahren. Auf dem Weg dorthin sind wir durch den schönen Jardín Reforma noch am „Mercado Hidalgo“ vorbeigekommen. In der riesigen Markthalle gibt es allerhand zu Essen, Trinken und Touriquatsch zu kaufen. Sollte man auf jeden Fall mal einen Besuch abstatten und den Ausblick von der ersten Etage genießen. Am Alhondiga angekommen haben wir nach mehrmaligem Nachfragen erfahren, dass wir rechts hoch die Straße mussten, da die Busse dort abfahren – hin da! Nach kurzem Warten kam auch schon der Bus, für 5 $ hat er uns in ca. 20 Minuten nach La Valenciana gebracht, dem Ursprung von Reichtum und Wohlstand von Guanajuato in der Kolonialzeit. Mitte des 15. Jahrhundert wurde in der Region zum ersten Mal Silber entdeckt, die Mine gehörte zu den reichsten und produktivsten der Welt. Sie wurde von Antonio Obregón y Alcocer entdeckt, der zu ihrem Besitzer und Graf von Valenciana wurde.

Mercado Hidalgo

Bei den Minen angekommen (35$ Eintritt) wurden wir direkt mit einem Guide in die Tiefe geschickt. Wir sind bis auf 40m hinabgestiegen und haben einiges über die Arbeit in den Mienen gelernt. Schon im Alter zwischen 10-15 Jahren wurde angefangen in der Mine zu arbeiten, wo man auf dem Rücken bis zu 70kg zu schleppen hatte. Bei Kerzenschein wurde unter anderem Eisen, Gold und Silber abgebaut. Auf Grund der Dunkelheit waren die meisten Arbeiter blind, da die Augen die Sonne nicht gewohnt waren. Hinzu kam der Mangel an frischer Luft und die harte körperliche Arbeit, dementsprechend wurden die Arbeiter nicht älter als 25 Jahre.

Nach einer halben Stunde Führung waren wir zurück am Tageslicht, wo wir von erneuten Regen empfangen wurden. Noch schnell ab in die Kirche San Cayetano, die damals von Antonio Obregón y Alcocer zum Dank an dem Fund des Silbers zwischen 1765 und 1788 erbaut wurde. Nachdem wir 15 Minuten im Regen vergeblich auf den Bus gewartet haben, haben wir uns für die Rückfahrt mit dem Taxi entschieden. Dieses brachte und für 45$ in 15 Minuten zum El Pípila, kurze Zeit später saßen wir mit einem leckeren Tee auf dem Sofa- aufwärmen angesagt! Als es dunkel war, haben wir uns auf dem Weg zum Abendessen gemacht. Wieder am Plazuela de San Fernando haben wir es uns im Café/Creperia „Bossa“ mit leckerem Ratatouille, Quiche, Crêpes und Papas (75$ pro Gericht) gut gehen lassen.

Unser anschließender Verdauungsspaziergang hat uns erneut zum Teatro Juárez geführt. In dem gegenüberliegenden „Jardín de la Union“ laden zahlreiche Restaurants und Bars mit live Mariachi Musik zu einem Absacker ein. In der „Bar Tradicional Luna“ haben wir es uns neben dem Heizstrahler bequem gemacht und bei einem Kaffee mit Baileys (jaja manchmal sind wir schon echte Mädchen) den Mariachis zugehört. Mit dem Taxi ging es später wieder den Berg hinauf und nach einer heißen Dusche (sorry aber das ist auf Grund meiner dauerhaft kalten Dusche in Puebla einfach purer Luxus für mich momentan) ab ins gemütliche Bettchen.

Tag 3: 13.11.2016

Nach einem erneuten Start in den Tag mit frischem Kaffee (auch das ist Luxus :D) haben wir uns auf den Weg nach Dolores Hidalgo gemacht – bzw. Step 1: Suche nach der Busstation. Nach mehrmaligem Fragen standen wir dann auch an der richtigen Stelle, jetzt fehlte nur noch der Bus. Einen Fahrplan gibt es natürlich nicht, aber wir hatten Glück und nach ca. 20 Minuten warten saßen wir im Bus von „Flecha Amarilla“ der uns für 74$ in ca. 1h 20min nach Dolores Hidalgo gebracht hat. Der Weg war sehr kurvig – Empfindliche besser eine Tablette nehmen oder nach vorne setzen – aber die Landschaft ist sehr schön und die Sitze sehr gemütlich. Die Busstation liegt nur 5 Minuten zu Fuß vom Zocalo entfernt.

Dort angekommen haben wir auch direkt das Monument von dem berühmten Pater Miguel Hidalgo gesichtet – dem Vater der Unabhängigkeit, einem der größten Helden der mexikanischen Geschichte. In der hinter ihm stehenden Kirche „Parroquia de nuestra Señora de los Dolores“ hat Hidalgo am Abend des 15.9.1810 bei Glockenläuten die Unabhängigkeit Mexikos ausgerufen. Der sogenannte „Grito de Dolores“ wird heute noch am Abend des 15.9 ausgerufen und die Unabhängigkeit von den Mexikanern im ganzen Land mit Feuerwerk, Fiestas und Kleidung in den Farben der mexikanischen Flagge gefeiert. Auch, wenn es bis zur endgültigen Unabhängigkeit von den Spaniern noch um die zehn Jahre gedauert hat, feiert man noch heute mit dem sogenannten „Grito de Dolores“ am Abend des 15.9 die Unabhängigkeit im ganzen Land. Die Menschen sind auf den Straßen mit Schminke, Masken, Kleidung und Accessoires in den Farben mexikanischen Flagge, auch die Häuser sind geschmückt mit Girlanden und leuchten in rot, weiß und grün. Es gibt Feuerwerk, live Musik – eine große Fiesta im ganzen Land!

Nachdem wir uns die Kirche angeschaut haben, hat es mal wieder begonnen zu regnen, da kam uns der Touribus sehr entgegen. Dieser hat uns für 40$ eine Stunde durch Dolores Hidalgo bis zum „Mausoleo de José Alfredo Jímenez“ gefahren, dessen Form eines riesigen Sombreros einen offenen Mund darstellen soll. Zurück am Zócalo haben wir uns erstmal ein Eis gegönnt – dafür ist diese Stadt nämlich berühmt. Neben den üblichen Sorten gibt es hier auch Bier, Tequila, Fisch, Wein und andere kreative Sorten. Als wahre Deutsche mussten wir uns natürlich an das Cerveza-Eis rantrauen…schlecht hat es nicht geschmeckt aber ich muss sagen, ich bevorzuge es dann doch im flüssigen Zustand aus der Flasche.

Mausoleo de José Alfredo Jímenez

Vorbei am „Casa de las Visitas“, dem schönsten Gebäude der Stadt sind wir zum „Museo de la Independencia“ geschlendert. Ich bin ja absolut kein Museumsfan aber, da der Eintritt dort sonntags frei ist dachte ich, dass ein bisschen Bildung nicht schaden könnte. Anscheinend soll es einfach nicht sein: leider hatte es bereits um 15.00 Uhr geschlossen…schadé 😀

Nach einem kurzen Abstecher auf den Markt haben wir die „Panadería Artesanal El Refugio“ entdeckt. Dort haben wir es uns bei Duft von frisch Gebackenem mit Kaffee und etwas zum Naschen auf den großen Sesseln gemütlich gemacht. Mit neuer Energie wollten wir es aber doch noch einmal probieren: auf zum „Museo Casa del Hidalgo“, einem Kolonialhaus, in welchem man das Leben des Nationalhelden verfolgen kann. Für 36$ kann man das mal machen!
Anschließend haben wir noch der Parroquia de la Asunción einen Besuch abgestattet und uns dann auf den Weg zum Bus Terminal gemacht. Von dort fahren zwischen 6.00 und 19.00 Uhr Busse von Coordinados für 355$ nach Mexiko Norte (Dauer ca. 6 Stunden).

Hilfreiche Links

  0 Kommentare

Artikel bewerten:

(2 Bewertungen, Durchschnitt: 5,00 von 5)
Loading...

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.