Reisebericht Karneval in Venedig: Grachten, Masken und Kostüme

Reisebericht Karneval in Venedig: Grachten, Masken und Kostüme

Ein Reisebericht unserer Leserin Julia

Karneval in Venedig, davon schwärmte meine Grundschullehrerin immer wieder im Kunstunterricht. Vielleicht kam daher der Wunsch, diese besondere Zeit einmal in der Stadt der vielen Grachten zu verbringen? Letztendlich spielt das aber auch gar keine Rolle mehr, denn ich war tatsächlich da – und es war großartig!

Die Ankunft

Der Flug mit Easyjet ab Hamburg verläuft problemlos. Ich lande an einem Montag im Februar am Flughafen Venedig Treviso und kaufe dort am Schalter direkt ein ÖPNV-Ticket für die nächsten Tage. Die Auswahl an Tickets ist riesig. Auf der „Venezia Unica“-Website gibt es einen Überblick über die vielen verschiedenen Kombi-Tickets. Falls du unsicher bist, welches Ticket das richtige für dich ist, lass dich an einer der Verkaufsstellen beraten. So habe ich es letztendlich auch gemacht und meine Ticket-Wahl, den „Venezia Unica City Pass“, nicht bereut.

Anschließend suche ich den Bus, der mich zu meinem Hostel bringen soll. Aufgrund der Preise, die durchaus zu Schnappatmung führen können, habe ich mich für eine Unterkunft in Mestre entschieden – Mestre gehört zwar zur Stadt Venedig, liegt aber nicht auf der Insel Venedig. Mestre ist durch Busse und eine Tram so gut an die Insel angebunden, dass es keine erkennbaren Nachteile mit sich bringt, hier zu übernachten. Mein Geldbeutel hat es mir gedankt!

 

 

Leider muss ich im Bus feststellen, dass der Busfahrer kein Wort Englisch spricht (oder sprechen will?) und es im Bus keine Haltestellen-Anzeigen gibt. Oh je… Zum Glück habe ich mir eine offline funktionierende Navigations-App („Maps.Me“) auf mein Handy geladen. Also verfolge ich die Fahrt des Busses per App und versuche so den passenden Moment zum Aussteigen abzuschätzen. Das funktioniert tatsächlich überraschend gut und wenig später bin ich auch schon im Hostel, das ich über Airbnb gebucht habe. Es ist bereits Abend, sodass ich nur noch schnell eine Kleinigkeit esse und dann ins Bett falle. Ich muss schließlich fit sein, denn die nächsten vier Tage möchte ich so gut es geht nutzen und so viel wie möglich von Venedig entdecken!

Stadterkundung in Venedig

Für den nächsten Morgen habe ich direkt eine Free Walking Tour gebucht. In Venedig gibt es eine große Auswahl dieser, auf Trinkgeldbasis angebotenen, Touren.

Am Abend hatte ich noch mit dem Besitzer des Hostels über die Busverbindung auf die Insel Venedig gesprochen und er hatte mir versichert, dass die Busse immer pünktlich seien und ich nicht zu viel Zeitpuffer bis zur Stadtführung einplanen brauche. Pustekuchen! Der Bus ist zwar tatsächlich pünktlich, aber ich bin zur absoluten Rushhour am Morgen unterwegs und natürlich nicht die Einzige, die so früh schon auf den Beinen ist. Fazit: der Bus steht im Stau! Außer Atem komme ich letztendlich gerade noch rechtzeitig zum Start der Stadtführung am Treffpunkt an.

Mein Tourguide entpuppt sich als Glücksgriff! Wir werden drei Stunden kreuz und quer durch das Labyrinth aus Gassen geführt. Anfangs bin ich absolut orientierungslos. Dazu kommt, dass eine Ortung über Maps.Me in den teilweise super engen Gässchen nicht immer funktioniert. Dennoch habe ich nach vier Tagen Aufenthalt in Venedig aber sogar die ein oder andere Straße oder Gasse wiedererkannt!

Nach der Hälfte der Stadtführung besucht unsere Stadtführerin mit uns eine kleine Bar, in der es guten Kaffee und genialen und günstigen Kakao gibt. Hier komme ich während meiner Reise noch öfter hin, da ich eine nasskalte Woche für meinen Aufenthalt erwischt habe und jeden Tag trotz warmer Kleidung nach einigen Stunden total durchgefroren bin. Brrr!

Karneval in Venedig

Karneval in Venedig bedeutet, dass in der ganzen Stadt tolle Verkleidungen und Masken bestaunt werden können. Überall finden viele Veranstaltungen statt. Auf einem der vielen Plätze wird mehrmals in der Woche auf einer Bühne das schönste Kostüm prämiert. Abends wird auf Maskenbällen gefeiert. Die Eintrittskarten hierfür sind allerdings sehr teuer und früh ausverkauft. In der ganzen Stadt haben sich Kostümierte positioniert. Für mich entwickelt sich hieraus eine kleine Schnitzeljagd, denn während ich durch die vielen Gassen streife, halte ich immer wieder Ausschau nach neuen Kostümen vor hübschen Kulissen. Oft sind bereits viele andere Fotografen und Touristen schneller, sodass sich um einige Verkleidete regelrechte Menschentrauben bilden.

 

 

„Die Verkleideten wissen, wie sie sich und ihr Kostüm in Szene setzen können!“

Zum Wochenende wird spürbar, dass immer mehr (verkleidete) Touristen die Insel stürmen. Auch die Stimmung in der Stadt verändert sich. In den ersten Tagen meiner Reise konnte ich entspannt alles besichtigen und Fotos der vielen Sehenswürdigkeiten und Kostüme machen, doch je näher das Wochenende rückt, desto aggressiver wird um die besten Plätze für ein Foto gekämpft, Menschen schieben sich durch die engen Gassen und über die engen Brücken und die ganze Insel ist stellenweise einfach überfüllt. Ich bin froh, dass ich mich für eine Reise unter der Woche entschieden habe und den größten Touristenströmen so entgehen konnte.

 

 

Die Suche nach dem richtigen Souvenir

Mit den öffentlichen Nahverkehrsmitteln in Venedig zu fahren, bedeutet auf der Insel, mit der Fähre („Vaporetto“) zu fahren. Auch das ist ein tolles Erlebnis, das sich kein Urlauber entgehen lassen sollte. Am vorletzten Tag meiner Reise möchte ich unbedingt Ausschau nach einem schönen Souvenir halten. Nur wenige Minuten von Venedig entfernt liegen die Inseln Murano und Burano. Während Murano für seine Glaskunst bekannt ist, können auf Burano bunte Fischerhäuser besichtigt werden.

Da ich in Kauflaune bin, entscheide ich mich für einen Ausflug nach Murano. Unsere Stadtführerin hat uns außerdem den Tipp gegeben, dass einige Glasbläsereien kostenlose Vorführungen anbieten. Tatsächlich muss ich vor einer der Werkstätten nur kurz warten, bevor die Türen aufgehen und die nächste Vorstellung beginnt. Wir sehen zu, wie eine große Glasvase entsteht. Danach werden wir in einen Verkaufsraum geführt. Wer möchte, kann nun etwas kaufen. Beim Anblick der filigranen Kunstwerke muss ich mir allerdings die Frage stellen, wie ich diese jemals in meinem Handgepäck unversehrt nach Hause bekommen soll. Also ziehe ich unverrichteter Dinge weiter.

Die nächste Fähre zurück zum „Festland“ ist meine. Auf dem Rückweg kommen wir aber an „San Michele“ vorbei. Diese Insel ist eine ganz besondere Insel, es ist nämlich Venedigs Friedhof. Andächtig streife ich über die Insel und bestaune diesen kuriosen Ort. Wer den Film „Herr der Diebe“ kennt, wird sich auf der Friedhofsinsel daran erinnert fühlen. Ich folge den verschiedenen Hinweisschildern über die Insel und auf einmal stehe ich vor Igor Stravinskys Grab. Es ist mir Blumen und Ballettschuhen geschmückt.

 

Die Friedhofsinsel ist schön und gruselig zugleich.

 

Den letzten Stopp auf meiner Souvenir-Tour mache ich im Maskengeschäft „La Mascareta Venezia“. Es ist gar nicht so leicht, in Venedig noch echte, originale Masken zu kaufen. Hier, in der Calle de la Chiesa, werden die Masken aber tatsächlich noch von Hand gefertigt! Ich lasse es mir nicht entgehen eine Halbmaske mitzunehmen.

 

 

Entspannter Ausklang – wenn’s ruhiger sein soll

Meinen Aufenthalt in Venedig lasse ich mit einem ruhigen vorletzten Tag ausklingen. Bevor es morgen wieder nach Hause geht, klappere ich noch den einen oder anderen Tipp aus der Free Walking Tour am zweiten Tag ab.

Wieder fahre ich recht früh am Vormittag mit dem Bus auf die Insel Venedig und fühle mich mittlerweile schon fast einheimisch. Um den Touristenströmen etwas zu entkommen, gehe ich direkt zum Dogenpalast („Palazzo Ducale“) am Markusplatz. Der Palast beherbergte früher die Regierungs- und Justizorgane der Republik Venedig.

Mit 20 Euro für den Eintritt und 5 Euro für den Audioguide ist der Eintrittspreis zwar ganz schön hoch, aber ein Urlaub ist schließlich auch dazu da, sich mal etwas zu gönnen. Und der Eintritt lohnt sich, selbst Architekturmuffel sollten erkennen, dass der Palast mit seinen vielen Ornamenten und Malereien eine ganz besondere Schönheit ist.

 

Der Palazzo Ducale ist eine wahre Augenweide!

 

Unser Tourguide der Stadtführung hat uns das Alte Deutsche Warenhaus („Fondaco die Tedeschi“) als Aussichtspunkt über Venedig empfohlen. Das Warenhaus liegt super zentral direkt an der Rialtobrücke. Heute ist es ein Luxuskaufhaus. Ein Einkaufsbummel wird so eher unwahrscheinlich, aber sehenswert ist das Gebäude dennoch.

 

 

Die Dachterrasse des Kaufhauses bietet eine tolle Aussicht auf Venedig. Der Zugang ist kostenlos! Zu Stoß- oder Hauptreisezeiten muss allerdings mit Wartezeiten gerechnet werden, da der Zugang zur Terrasse kontrolliert und die Besucheranzahl reglementiert ist. Das Warten lohnt sich aber auf jeden Fall!

 

Möwen über Venedig im Nebel

 

Auf dem Weg zurück zum Bus, der mich wieder zum Hostel bringen soll, mache ich noch einen Abstecher in den Stadtteil „Cannaregio“. Der Spaziergang durchs jüdische Viertel ist genial und unbedingt zu empfehlen! Hier findet das einheimische Leben in Venedig statt. Es gibt viele Restaurants und Bistros, die eher von den Einheimischen aufgesucht werden und das Viertel bietet im Vergleich zu den touristischen Gegenden Venedigs Ruhe und die Möglichkeit zu einem sehr entspannten Verlaufen. Hier habe ich den Stadtplan in meinen Rucksack gesteckt und mich einfach treiben lassen.

Im jüdischen Viertel habe ich das Venedig der Einheimischen gefunden

 

Das Fazit meiner Reise zum Karneval in Venedig: Wenn du die Chance hast, dieses einmalige Spektakel in Venedig mit zu erleben, nutze sie!

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