Unsere Radreise 2019: Teil 1 – Der Rheinradweg von Koblenz bis zum Bodensee

Unsere Radreise 2019: Teil 1 – Der Rheinradweg von Koblenz bis zum Bodensee

Zwei Fahrräder, ein Zelt, sieben Gepäcktaschen, 26 Tage und insgesamt über 1.400 Kilometer auf dem Rad! Im Sommer 2019 erfüllten wir uns einen kleinen Traum und verbrachten knapp vier Wochen auf dem Fahrrad, schliefen im Zelt und lernten Süddeutschland auf eine wunderbare Art und Weise kennen. Wir starteten in Koblenz, fuhren den Rhein bis zum Bodensee hinunter, machten zwischendurch einen kleinen Abstecher nach Zürich, drehten eine Runde um den Bodensee und fuhren im Anschluss von Donaueschingen an der Donau entlang bis nach Passau. In zwei Reiseberichten möchte ich euch an unserer Tour teilhaben lassen. Wir beginnen mit dem ersten Teil unserer Reise: Dem Rheinradweg von Koblenz bis zum Bodensee.

Radfahren macht flexibel

Wir schreiben den 3. Juli 2019. Wir sitzen zu Hause auf dem Sofa und am darauffolgenden Tag soll es los gehen: Mit dem Zug nach Flensburg und dann immer an der Ostsee entlang bis nach Usedom. Wir öffnen die Wetter-App und Ernüchterung macht sich breit. Temperaturen um die 18 Grad und jede Menge Regen erwarten uns in den nächsten 2 Wochen an der Ostsee. „Lass uns mal kurz schauen, wie das Wetter in Süddeutschland wird“. Eine folgenschwere Idee. Koblenz: 25 Grad. Freiburg: 26 Grad. Konstanz: 25 Grad. 12 Sonnenstunden. Nachdem wir als Bremer festgestellt hatten, dass wir wettertechnisch in der falschen Ecke Deutschlands leben, warfen wir unsere kompletten Reisepläne über den Haufen und hatten eine Stunde später Züge gebucht, die uns von Bremen nach Koblenz und knapp vier Wochen später von Passau zurück nach Bremen bringen sollten. Das schöne an einer Radreise: Man bleibt flexibel! Anstatt entlang der Dünen und schönen Strände an der Ostsee zu fahren, sollten wir nun also Süddeutschland, den Rhein, den Bodensee und die Donau kennenlernen. Ein kleines vorweggenommenes Fazit: Es war die beste Entscheidung, die wir treffen konnten! Das Wetter war uns über den gesamten Zeitraum wohlgesonnen und die Landschaft war ein Traum.

Die Strecke im Überblick

Im Großen und Ganzen folgten wir dem sehr gut beschilderten Rheinradweg und später dann dem Bodenseeradweg, der eine Runde um den größten deutschen See dreht. Eine Einladung zu einem Sommerfest war der Grund dafür, dass wir einen „kleinen“ Abstecher nach Zürich gemacht haben und so ein paar Kilometer direkt am Rhein ausgelassen haben. Dieser Umweg war, wie ja eigentlich die gesamte Reise, sehr spontan. Und das macht das Radreisen zu einem besonderen Erlebnis: Egal wie gut die Pläne sind, die man zu Hause aufstellt: Man wird sie nie zu 100 Prozent verfolgen. Egal, ob man von anderen Radreisenden von tollen Orten abseits der Strecke erfährt, das Wetter nicht mitspielt oder man ganz einfach kaputt ist und einen Tag Pause braucht: Man ändert Pläne und das macht den besonderen Reiz aus. Unsere Gesamtstrecke seht ihr hier auf dem Bild. Insgesamt fuhren wir von Koblenz, über Basel, Zürich und Bregenz bis nach Konstanz 832 Kilometer. Auf diese Weise fuhren wir auf den Radwegen vier verschiedener Länder: Deutschland, Frankreich, Schweiz und Österreich. Nach der Zugfahrt von Bremen nach Koblenz starteten wir mit unserer ersten kleinen Etappe und den ersten Kilometern am Rhein…

1. Etappe: Von Koblenz nach Boppard

Unsere erste Etappe führte uns von Koblenz bis auf einen Campingplatz kurz vor Boppard. Da unser Zug erst recht spät in Koblenz ankam, hatten wir ursprünglich geplant direkt vor Ort zu übernachten. Allerdings war der Koblenzer Campingplatz so überfüllt, dass wir uns kurzfristig entschieden direkt mit den ersten Kilometern am Rhein zu starten. So fuhren wir die ersten 15 Kilometer am Rhein entlang bis zum Campingpark Sonneneck. Die ersten Kilometer waren bereits ein toller Vorgeschmack auf das, was uns am nächsten Tag erwarten würde. Der Radweg führt direkt am Rhein durch das obere Mittelrheintal, welches nicht umsonst zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört. Der Blick auf den Rhein, das schmale Tal und die umliegenden grünen Weinberge sind wirklich ein Traum! Aber dazu mehr bei der nächsten Etappe… Der Camingplatz ist übrigens absolut empfehlenswert. Sehr saubere sanitäre Anlagen und an heißen Tagen verspricht der hauseigene Pool eine willkommene Abkühlung! Nach der Ankunft hieß es dann: Zelt aufbauen, Bierchen trinken und ab ins Bett. Das Aufbauen und Einrichten unserer Schlafstätte ging für den ersten Tag schon recht schnell von der Hand. Die Nacht selbst war allerdings recht unruhig, da die Güterzüge, die durch das Tal donnern, doch für einen recht hohen Lautstärkepegel sorgen können.

Kurz vor Boppard auf dem Rheinradweg

2. Etappe: Von Boppard nach Rüdesheim

Nach unserer ersten mehr oder weniger erholsamen Nacht im Zelt stand die erste etwas längere Tour an. Beim Packen fiel mir auf, dass sich eine der Schrauben meines Lowrider-Gepäckträgers am Vorderrad verselbstständigt hatte, sodass noch etwas Bastelarbeit anstand. Leider hatten wir nicht die richtigen Ersatzschrauben dabei, sodass direkt am ersten richtigen Tag der Tour ein Besuch im Radladen nötig war. Das Problem war allerdings schnell behoben und viel wichtiger: Es sollte das letzte Problem mit unseren Rädern sein. Auf insgesamt 1.400 Kilometern gab es keine platten Reifen und auch keine lockeren Schrauben mehr…

Nach einem kleinen Frühstück beim Bäcker in Boppard, starteten wir unsere Etappe. Es ging vorbei an schönen Orten wie Sankt Goar und Oberwesel, wir konnten die Lorelei vom Rad aus beguchtachten und blickten auf die Burgen und Weinberge des Mittelrheintals – und das zu 99 Prozent auf einem gut asphaltierten Radweg direkt am Rhein. Einziger Wermutstropfen: Da der Platz im Rheintal sehr begrenzt ist, fährt man über weite Teile direkt an der viel befahrenen Bundesstraße und der Zugstrecke. Dies tut der wunderbaren Strecke allerdings keinen Abbruch. Das obere Mittelrheintal ist wirklich einzigartig und wunderschön. Die Etappe von Boppard nach Rüdesheim gehörte für uns zu den schönsten Strecken überhaupt! Um nach Rüdesheim zu gelangen, muss man in Bingen die Fähre nehmen. Wir entschieden uns für den „Seitenwechsel“, da der Campingplatz in Rüdesheim im Internet besser bewertet wird.

Rüdesheim selbst hat eine wirklich sehr nette Altstadt zu bieten. Wenn man die große Hauptstraße, die am Rhein entlang führt, ersteinmal hinter sicher gelassen hat, gelangt man in kleine Gassen, in denen man es sich in unzähligen Weinlokalen gemütlich machen kann. Uns hat es hier sehr gut gefallen, sodass wir direkt zwei Nächte blieben und den ein oder anderen Wein probierten. Wir nächtigten auf dem Campingplatz am Rhein, der ebenfalls absolut empfehlenswert ist. Direkt nebenan befindet sich ein städtisches Freibad (4€ Eintritt), welches wir am 2. Tag ebenfalls besuchten, um uns von der Hitze abzukühlen. Ein tolles „Naturschauspiel“ ist es übrigens auch die Menschenmassen zu beobachten, die von den Kreuzfahrtschiffen kommen, die im Rheintal anlegen und dann die kleinen Altstädte überfallen…

3. Etappe: Von Rüdesheim nach Otterstadt

Unsere längste Etappe überhaupt! Fast 140 Kilometer ging es von Rüdesheim, über Mainz und Ludwigshafen bis nach Otterstadt – und dies hatte auch gute Gründe. Nach dem wunderschönen Teil durch das obere Mittelrheintal erwartete uns auf dieser Strecke ein Kontrastprogramm. Aber fangen wir mal vorne an: Bereits am Vorabend hatten wir festgestellt, dass für den nächsten Morgen Regen angesagt war, sodass wir uns entschlossen hatten früh aufzustehen. Der Plan ging perfekt auf. Als um 8 Uhr die ersten Regentropfen fielen, war unser Zelt und unser Hab und Gut bereits trocken und sicher verstaut. Wir stärkten uns noch kurz und machten uns dann auf den Weg. Trotz des Regens war es nicht zu kalt und da für den Nachmittag wieder Sonne angekündigt war, sahen wir das kühle Nass eher als eine willkommende Abwechslung nach den warmen letzten Tagen und Nächten. Da wir in Bingen bzw. Rüdesheim mit der Fähre übergesetzt hatten fuhren wir bis Mainz auf der „falschen“ Seite des originalen Rheinradwegs. Die nächste Brücke wartete erst wieder in Mainz (ganz nebenbei: auf der Strecke von Koblenz bis Mainz gibt es nicht eine Brücke). Das war aber nicht weiter schlimm – auch auf dieser Seite des Rheins war es sehr nett. In Mainz angekommen, machten wir einen kleinen Abstecher in die Innenstadt und tranken einen leckeren Kaffee direkt am Domplatz. Wenn man Zeit hat, lohnt sich der kleine Umweg in jedem Fall.

Wer übrigens glaubt, man würde am Rhein immer auf perfekt gepflegten und asphaltierten Radwegen fahren, den muss ich leider enttäuschen. Weite Strecken haben wir auf Schotterwegen zurückgelegt, für die unsere Bereifung eigentlich ein wenig zu schmal und zu wenig profiliert war. Hätten wir uns etwas ausgiebiger mit der Strecke beschäftigt, hätten wir hier wohl eine andere Reifenwahl getroffen. Aber versteht mich nicht falsch: Ich empfinde die Abwechslung auf dem Untergrund als sehr angenehm. Wenn ich stundenlang geradeaus auf einem Asphaltweg fahren müsste, würde mir wohl sehr schnell langweilig werden. So ist es ein willkommene Abwechslung sich mal etwas mehr konzentieren zu müssen, um nicht wegzurutschen oder vom schmalen Weg abzukommen. Eine interessante Strecke beginnt beispielsweise auf Höhe des Flugplatzes in Oppenheim. Mit zwei vollgepackten, sich entgegen kommenden Rädern wurde es auf dem schmalen Weg auf dem Deich doch stellenweise sehr eng.

Der Rheinradweg wird bei Oppenheim zu einem teilweise sehr schmalen Pfad

Ab Worms warteten die Kilometer des Rheinradweges auf uns, die uns am wenigsten gefallen haben. Der Weg ist von viel Industrie geprägt – wir sind beispielsweise direkt an dem BASF-Hauptsitz vorbeigefahren. Da wir möglichst schnell zurück in die Natur wollten, haben wir an diesem Tag also einige Kilometer hinter uns gelassen. Kurz nach Ludwigshafen erreicht man glücklicherweise wieder recht schnell schönere Wege. Leider gestaltete sich die Suche eines Campingplatzes auf dieser Etappe auch als nicht ganz so einfach. So fuhren wir nach weit über 100 Kilometern schon recht spät am Abend durch die Gegend und waren auf der Suche nach einer Bleibe. Bei Google Maps waren zwar einige Campingplätze eingezeichnet, jedoch stellte sich recht schnell heraus, dass es sich bei diesen zum Großteil um reine Dauercampingplätze handelt. Glück hatten wir nach 137 Kilometern auf dem Campingplatz der Camping- und Wasserfreunde Otterstadt. Zwar war die Rezeption bei unserer Ankunft nicht mehr besetzt, aber wir wurden dennoch sehr freundlich aufgenommen. Vor unserem wohlverdienten Schlaf, gönnten wir uns noch eine Runde Tütensuppe, die wir immer als Notfallration dabei haben. Denn auch Supermärkte waren auf den letzten Kilometern Fehlanzeige. Der Tag war bei den herrschenden Temperaturen und der feuchten Luft zwar sehr anstrengend, aber im Nachhinein waren wir sehr froh, dass wir die Strecke recht flott hinter uns gebracht haben.

4. Etappe: Von Otterstadt nach Rastatt

Nach der recht anstrengenden Tour nach Otterstadt, waren die ersten Kilometer am nächsten Morgen etwas zäh. Das Frühstück war, wie der gesamte Aufenthalt, sehr spartanisch. So waren wir froh als wir aus der Ferne Speyer erblickten. Dies ist auch nicht sonderlich schwer – schon Kilometer bevor man die Stadt erreicht, sieht man am Horizont den, für diese kleine Stadt unverhältnismäßig groß wirkenden Dom mit seinen vier Türmen. Ein tolles Bild und ein wirklich beeindruckendes Bauwerk. Insgesamt gefiel uns die Fahrt durch Speyer recht gut. Am Flugplatz werden alte Flugzeuge ausgestellt – gerade mit Kindern sicher ein tolles Highlight! Nach Speyer beginnt eine gut zu fahrende, schöne, aber auch etwas eintönige Etappe. Über einige Kilometer fährt man auf einem asphaltierten Weg direkt hinter dem Deich durch die grüne Landschaft. Man kommt sehr gut voran und ist weit entfernt von Großstädten und Industrie – den Rhein selbst bekommt man vom Radweg allerdings eher selten zu sehen. Ein direkter Blick auf das türkisfarbene Wasser ist selten, dafür aber umso schöner 🙂

Das türkisfarbene Wasser des Rheins bei Speyer

In Wörth am Rhein (oder spätestens in Neuburg am Rhein, hier fährt noch eine Fähre) mussten wir uns entscheiden, ob wir auf der französischen oder deutschen Seite des Rheins weiter fahren wollten. Wenige Kilometer nach Neuenburg bildet der Rhein die natürliche Grenze zwischen den beiden Ländern. Wir entschieden uns für die französische Seite und haben dies nicht bereut. Der Radweg an der vieille lauter war wirklich wunderschön. Häufig kam man sich vor als würde man auf einer Insel fahren, da wir links und rechts Flussläufe und Seen erblickten konnten. Erst bei Seltz setzten wir mit einer kleinen Autofähre wieder über und kamen so zurück nach Deutschland. Wir würden allein schon wegen der (kostenlosen) Fährfahrt empfehlen die Kilometer auf der französischen Seite mitzunehmen!

Übernachtet haben wir im Rastatter Freizeitparadies im Ortsteil Ottersdorf. Der Campingplatz liegt unweit der Fähre, der das deutsche Plittersdorf mit dem französischen Seltz verbindet. Der Campingplatz bietet einen herrlichen Baggersee, in dem wir uns vor dem Abendessen noch kurz abkühlten.

Ein Rhein-Nebenarm bei Munchhausen

5. Etappe: Von Rastatt nach Kehl

Auf der linken Seite: Grüne Wiesen, blau schimmernde Baggerseen und die ersten Ausläufer des Schwarzwaldes. Auf der rechten Seite: Der Rhein mit seiner tollen Farbe und abermals grünen Wiesen, die zum Nachbarland Frankreich gehören. Der Radweg zwischen Rastatt und Kehl ist zwar nicht hochgradig abwechslungsreich, aber gehört zu den schönsten Abschnitten, die wir am Rhein gefahren sind.

Über etliche Kilometer fahren wir über den Deich nach Kehl und genießen den herrlichen Ausblick auf die Landschaft. Besonders toll fanden wir die Tierwelt, die wir während der Fahrt beobachten konnten. Unzählige Schwäne, Storche und sogar Schildkröten begleiten uns auf unserem Weg. Der Radweg selbst ist in diesem Teil einmal mehr nur ein Schotterweg. Zwar könnte man auch unten auf einer befestigen Straße fahren, aber niemals wären wir auf die Idee gekommen, diesen Ausblick gegen einen komfortableren Untergrund zu tauschen.

Der Rheinradweg bei Rheinkilometer 329

In Kehl angekommen schlugen wir unser Lager auf einem Campingplatz direkt an der Rheinpromenade auf und machten uns frisch für unseren nächsten Ausflug. Das besondere an Kehl ist nämlich, dass die Kleinstadt direkt auf der anderen Rheinseite von Straßburg liegt. Man erreicht die französische Stadt mit dem Fahrrad über eine kleine Fußgängerbrücke in etwa 15 Minuten. Wir verbrachten den Nachmittag und den Abend in Straßburg, schlenderten durch die schöne Altstadt und tranken Bier und Kaffee in den unzähligen Cafés. Straßburg ist wirklich wunderschön, sodass ein Halt unbedingt Pflicht ist. Da die Unterkünfte direkt in der Stadt natürlich recht teuer sind, ist der Campingplatz eine klasse Alternative, wenn man mit dem Rad unterwegs ist. Beim nächsten Mal würden wir vielleicht sogar eine Nacht länger bleiben, da es in Straßburg wirklich viel zu sehen gibt.

6. Etappe: Von Kehl nach Neuenburg am Rhein

Auch ab Kehl wartete ein wunderschöner Abschnitt des Rheinradwegs auf uns, der dazu sogar noch etwas vielfältiger war als die Tage zuvor. Wir sahen schöne Auenlandschaften, langsam fließende Abschnitte des großen Stroms und viel Wald am Rande des Wegs. Insbesondere die ersten Kilometer nach Kehl haben wir in sehr schöner Erinnerung behalten. Immer wieder fährt man über kleine Brücken und kann die Tierwelt in den Nebenarmen des Rheins beobachten. Auch auf dieser Etappe war uns die Sonne ein treuer Begleiter. Seit dem Beginn unserer Radreise hatte es nur sehr wenig geregnet und wir hatten beinahe durchgängig Temperaturen über 25 Grad.

Nach knapp 115 Kilometern erreichten wir Neuenburg am Rhein. Dort nächtigen wir im Campingpark Gugel und gönnten uns eine Erfrischung im hoteleigenen Schwimmbad. Da der Campingplatz insgesamt einiges an Freizeitmöglichkeiten zu bieten hatte und wir unserem Zeitplan etwas voraus waren, entschieden wir uns direkt zwei Nächte zu bleiben. Wir freuten uns darauf einen Tag mal nicht im Sattel zu sitzen und waren umso überraschter, dass uns eher langweilig wurde als dass wir die Pause für Erholung nutzen konnten. Wir waren schon ein paar Tage unterwegs und gewannen täglich so viele Eindrücke, dass uns das Tischtennis- und Boulspielen beinahe langweilte. Nachdem wir unsere abendliche Pasta-Ration beim Abgießen im Sand der Campingwiese verteilt hatten, gönnten wir uns noch einen Burger (der leider nicht besonders gut war) und freuten uns am nächsten Tag wieder aufbrechen zu können.

Ein Stück dichter Wald auf Höhe des Kaiserstuhls

7. Etappe: Von Neuenburg am Rhein nach Möhlin

Nach unserer eintägigen Pause machten wir uns am Tag der 7. Etappe hochmotiviert auf den Weg nach Basel. Der Weg war weniger spektakulär als die Tage zuvor, aber dennoch konnten wir immer wieder tolle Aussichten auf den immer türkiser werdenden Rhein genießen. Nach einigen Kilometern folgte eine weitere Landesgrenze und wir betraten mit unseren Rädern das erste mal die Schweiz. Leider war Basel nur eine kurze Zwischenstation für uns. Aber auch bei der Durchfahrt zeigte sich die Altstadt von ihrer besten Seite. Allein die Einfahrt über die Rheinbrücke in Richtung Stadtmitte ist schon wunderschön. Nächstes Mal würden wir hier wohl etwas mehr Zeit einplanen. Aber man kann eben auch nicht alles sehen. Für mich ist das das A und O einer Radreise: Nicht zu viel vornehmen, in den Tag hinein leben und das erleben, was ganz automatisch auf einen zukommt.

Nachdem wir Basel hinter uns gelassen hatten, entschieden wir uns den Rhein auf der Schweizer Seite entlang zu fahren und machten uns auf den Weg Richtung Bodensee. Wir übernachteten auf einem Campingplatz in Möhlin. Hier kamen wir mit einem jungen Franzosen aus der Normandie ins Gespräch, der mit dem Rad auf dem Weg nach Thailand (!) war. Da kamen wir uns mit unseren Plänen beinahe etwas klein und langeweilig vor. Mich würde sehr interessieren, wie weit er mittlerweile gekommen ist. Spät am Abend entschieden wir uns einmal mehr unsere Pläne spontan zu ändern. Es ging für uns zwar nicht bis nach Bangkok, aber wir folgten einer Einladung zu einem Sommerfest und machten immerhin einen Umweg über Zürich.

8. Etappe: Von Möhlin nach Zürich

In der Nacht hatte uns zum ersten Mal auf unserer Reise ein Regenschauer überrascht, sodass wir am Morgen erst einmal unsere Kleider und Handtücher trocknen mussten, die wir über Nacht draußen gelassen hatten. Auch das Zelt brauchte ein wenig bis wir es mit gutem Gewissen verstauen konnten. Nachdem alles gepackt war und wir uns gestärkt hatten, starteten wir unsere Tour nach Zürich. Es sollte die bisher anstregendste Tour werden: Auf uns warteten 700 Höhenmeter, die wir mit unseren schwer bepackten Rädern erzwingen mussten. Teilweise ging es über mehrere Hundert Meter bei bis zu 15 Prozent Steigung in die Höhe – das Ganze dann teilweise zudem noch auf Passstraßen ohne Fahrradweg, auf denen Autos mit vielfacher Geschwindigkeit an einem vorbei brausten. Angenehm ist wirklich anders. Aber dennoch war es ein toller Trip. Immer wieder hatten wir tolle Ausblicke auf die umliegende Berglandschaft und konnten in der Ferne die Schweizer Alpen immer näher kommen sehen. Wir waren dennoch sehr glücklich als wir die letzten Berge vor Zürich erklommen hatten und uns in die Stadt rollen lassen konnten. Dies war im übrigen auch die erste Tour, bei der wir wirklich froh waren, dass wir zuvor in ein Fahrrad-Navi investiert hatten. Auf gut ausgeschilderten Fernradwegen wie dem Rheinradweg hatte sich das Gerät zum Navigieren fast als überflüssig erwiesen, aber bei unserer individuellen Tour abseits der großen Wege war das gute Stück Gold wert. Ich möchte gar nicht wissen wie nervenaufreibend die Tour gewesen wäre, wenn wir versucht hätten uns analog mit einer Karte oder mit dem Smartphone in der Hosentasche zu navigieren.

Auf dem Radweg nach Zürich

Nach einer ausführlichen Dusche in einem „echten Badezimmer“ (ich will mich aber gar nicht beschweren: der Standard der Sanitäranlagen auf Campingplätzen in Deutschland ist wirklich sehr hoch), genossen wir das gute Essen und den leckeren Wein auf dem Sommerfest im Garten unserer Freunde. Je später der Abend wurde und je mehr Wein wir tranken, desto klarer wurde uns, dass wir defnitiv nicht nur eine Nacht bleiben würden. Da wir Zürich als Stadt beide schon kannten, verzichteten wir auf eine Sightseeing-Tour durch die Innenstadt. So unternahmen wir nur einen kleinen Spaziergang auf dem Zürichberg und schauten im Anschluss das Wimbledon-Finale, bei dem ja traditionell auch ein Schweizer beteiligt ist. Nachdem wir die erste Nacht in Zürich noch im Zelt im Garten geschlafen hatten, verbrachten wir die zweite Nacht erstmals wieder unter einem richtigen Dach – und schliefen deutlich schlechter als in den Nächten zuvor. Schon erstaunlich wie schnell wir uns an das Zelt, die Iso-Matten und natürlich auch an die frische Luft und das Draußensein gewöhnt hatten.

Der Blick vom Zürichberg

9. Etappe: Von Zürich nach Mammern

Nach einem kleinen Abschiedsfrühstück machten wir uns auf den Weg von Zürch zurück an den Rhein. Ziel war, dass wir bis zum Bodensee fahren würden. Aber natürlich nicht auf dem direkten Weg! Schließlich wollten wir nicht zu große Teile des Rheinradwegs überspringen – erst recht nicht, wenn dort Highlights wie der Rheinfall auf uns warten würden.

Der Rheinfall

Wie ihr auf den Bildern sehen könnt, hat sich der Umweg über Schaffhausen und Neuhausen zum Bodensee mehr als gelohnt. Der Rheinfall ist ein absolutes Highlight und insgesamt gehört die Strecke zwischen dem Rheinfall, Schaffhausen und dem Bodensee zu den schönsten Radwegen, die wir auf unserer Reise gesehen haben. Für Radfahrer ist vielleicht noch folgender Tipp wichtig: Der Rheinfall lässt sich von beiden Seiten des Rheins besichtigen. Vom Schloss Laufen (erste Bild unten) oder vom Park am Rheinfall auf der Seite vom Neuhausener Bahnhof (Bild 2 und 3). Der Blick vom Schloss ist zwar schön, aber mehr als auf dem Foto werdet ihr nicht zu Gesicht bekommen – Außer ihr zahlt 5 Euro Eintritt, um die Wanderwege rund um das Schloss betreten zu dürfen. Dies ist natürlich gerade, wenn man Räder und sein ganzes Hab und Gut dabei hat, wenig praktikabel. Daher meine Empfehlung: Fahrt direkt zum Park. Dort kann man gemütlich eine Mittagspause machen und den Blick auf den Rheinfall genießen! Als wir vor Ort waren, war die Streckenführung aufgrund einiger Umleitungen und Bauarbeiten etwas undurchsichtig. Wenn ihr aus Jestetten kommend bis Neuhausen am Rheinfall auf der gleichen Rheinseite bleibt, könnt ihr aber eigentlich nichts falsch machen.

Auch die Strecke nach dem Rheinfall hat es in sich: Der Rhein ist wunderbar türkis, die Wege sind perfekt ausgebaut und alle paar Kilometer laden kleine Flussbäder oder Parks zum Verweilen ein. Am liebsten würde man nur noch 10 km/h fahren, um die Landschaft noch mehr genießen zu können. Spannend ist übrigens auch die Fahrt durch Büsingen am Hochrhein – allerdings nicht wegen der Landschaft, sondern eher aufgrund der politischen und wirtschaftlichen Hintergründe. Zur Erinnerung: Wir befinden uns auf der Schweizer Seite des Rheins, doch ganz plötzlich sieht man wieder deutsche Straßenschilder und Autokennzeichen. Büsingen ist eine deutsche Exklave und rundherum komplett von der Schweiz umgeben – quasi eine deutsche Insel mitten im Ausland. Politisch gehört die Gemeinde zu Deutschland, wirtschaftlich allerdings zur Schweiz. Sehr interessant – wir hatten zuvor noch nie von Büsingen gehört. Besonders schön und eindrucksvoll fanden wir noch die Orte Diessenhofen und Stein am Rhein, obwohl wir beide nur bei der Durchfahrt bewundern konnten. Bei Diessenhofen habt ihr direkt an der Steinbrücke, die in den Ort führt einen herrlichen Blick auf die Altstadt. Stein am Rhein hat ebenfalls eine wunderschöne Altstadt und liegt direkt an der Stelle, an dem der Rhein aus dem Bodensee (genauer gesagt: dem Untersee) fließt.

Der Blick auf Diessenhofen

Am Bodensee (bzw. Untersee) angekommen, schlugen wir unser Lage auf dem Campingplatz Seewiese auf, der seinen Namen durchaus zurecht trägt. Der Campingplatz bietet einen direkten Zugang zum See, in dem man sich herrlich abkühlen oder am Abend den Sonnenuntergang genießen kann.

10. Etappe: Von Mammern nach Bregenz

Unsere 10. Etappe führte uns von Mammern, entlang an der südlichen Küste des Bodensees bis nach Bregenz. Hierbei passierten wir erneut eine Grenze zwischen zwei Staaten und fuhren erstmals auf österreichischen Radwegen. Über weite Teile führen die Radwege direkt am Bodensee entlang und liegen zudem etwas höher als der See, sodass wir wunderschöne Aussichten auf das Wasser genießen konnten. Je weiter wir Richtung Osten fuhren, desto besser konnten wir die Alpen erblicken. Häufig konnte man sich kaum entscheiden, ob man den Bodensee oder die Berge anschauen soll. Uns hat die Fahrt auf der Südseite deutlich besser gefallen als auf der Nordseite, da man auf der deutschen Seite den See deutlich seltener zu Gesicht bekommt. Wir folgten nun neben den Schildern des Rheinradwegs auch der Bodenseeroute. Erst beim Rheindelta kurz vor Bregenz trennen sich die beiden Radwege. Im Vergleich zur bisherigen Tour waren die Wege am Bodensee sehr gut besucht. Neben einigen Radreisenden waren auch jede Menge Fußgänger, Radfahrer und Inlineskater auf Tagestouren unterwegs. Es war voll, aber zu keinem Zeitpunkt unangenehm. Insgesamt hat der Bodensee einen tollen Eindruck bei uns hinterlassen. Wie waren beide noch nicht dort gewesen und das klare Wasser und die umliegende Landschaft, geprägt durch die Alpen, hat uns schwer begeistert. Ich glaube sehr stark, dass wir in den nächsten Jahren gerne noch einmal wiederkommen werden, um hier Urlaub zu machen.

Der Bodensee bei Uttwil

Wir übernachteten auf dem Campingplatz Weiss in Bregenz. Von dort brauchten wir keine 5 Minuten bis zum Ufer des Bodensees und keine 10 Minuten bis in die Innenstadt. Die Stadt stand zu dieser Zeit ganz im Zeichen der Bregenzer Festspiele, die am nächsten Tag eröffnet werden sollten. Überall am Seeufer wurden Buden und Bühnen aufgebaut. Sehr eindrucksvoll war die riesige Seebühne, die in den nächsten Wochen Schauplatz verschiedener Theaterstücke und Opern werden sollte. Am Abend trafen wir uns noch mit einem alten Freund, der mittlerweile in Österreich lebt, tranken ein leckeres Bier und aßen eine riesige Portion Knöpfle, die gefühlt in einem Saunakübel serviert wurde.

11. Etappe: Von Bregenz nach nach Fischbach

Die letzte große Etappe am Bodensee. Die deutsche Seite im Norden hat uns im Vergleich zur Südseite, wie gesagt, etwas weniger gefallen. Aber versteht mich nicht falsch: Es macht trotzdem sehr großen Spaß hier zu fahren. Den See bekommt man deutlich seltener zu Gesicht, aber wenn, dann hat es das Panorama in sich: Der Vorteil gegenüber der Südseite ist, dass man von hier den Bodensee und die Alpen gleichzeitig im Auge behalten kann. Bei klarem Wetter lassen sich hier einige Bergspitzen sehr deutlich erkennen.

Ein toller Rastplatz bei Wasserburg

Wir entschieden uns kurz hinter Friedrichshafen Halt zu machen und nächtigten auf dem Campingplatz Fischbach. Da wir noch nicht bereit waren den Bodensee zu verlassen, entschieden wir uns noch einen gesamten Tag zu bleiben und buchten direkt zwei Nächte. Der Campingplatz bietet eine herrliche Zeltwiese direkt am Seeufer, sodass wir direkt aus dem Zelt auf den See und die Alpen schauen konnte. Nur selten hatte ich auf meinen Reisen einen derart tollen Panoramablick direkt aus meinem Bett. Wir verbrachten unseren radfreien Tag mit Lesen und Faulenzen und erholten uns für den zweiten Teil unserer Reise an der Donau, die nach einer kurzen weiteren Etappe am Bodensee am nächsten Morgen beginnen sollte.

12. Etappe: Von Fischbach nach Konstanz

Nach etwa 800 Kilometern auf dem ersten Teil unserer Reise entlang des Rheins, standen nun die letzten Kilometer am Bodensee an. Zum Glück bedeutete der morgendliche Aufbruch noch nicht das Ende unserer Reise. Zwar waren wir auch so etwas wehmütig gelaunt, da es uns am Bodensee sehr gut gefallen hatte, aber immerhin wussten wir, dass uns auf dem zweiten Teil unserer Reise noch etliche Kilometer Radweg erwarteten. So fuhren wir die etwa 12 Kilometer von Fischbach nach Meersburg und setzten dort mit der Fähre über den Bodensee nach Konstanz über. In Konstanz stiegen wir in den Zug und fuhren nach Donaueschingen, um unsere Tour entlang der Donau bis nach Passau zu beginnen. Im Nachhinein bereuen wir diese kurze Zugfahrt übrigens ein bisschen. Irgendwie wäre es doch schöner gewesen die gesamte Strecke (und von Konstanz bis nach Donaueschingen sind es nur etwa 90 Kilometer) mit dem Rad zurückgelegt zu haben. Leider waren wir uns zu diesem Zeitpunkt nicht sicher, ob wir genug Zeit haben. Am Ende wussten wir, dass wir es relativ locker geschafft hätten. Mein Tipp an alle Radreisenden: Überlegt euch zweimal, ob ihr eine bestimmte Strecke auslasst und auf ein anderes Verkehrsmittel umsteigt. Es fühlt sich doch immer etwas wie Schummeln an…

Eine Reisebericht zu unserer Fahrt auf dem Donauradweg folgt 🙂

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  2 Kommentare

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  1. Mattes sagt:

    … macht total Lust auf‘s „Nachradeln“. Bin gespannt auf Teil 2. 😎

  2. Ulrike sagt:

    Vielen Dank für Deinen schönen und ausführlichen Reisebericht. Man hätte direkt Lust auf’s Rad zu steigen, um alle diese wunderschönen Eindrücke selber genießen zu können.

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