Unsere Radreise 2019: Teil 2 – Der Donauradweg von Donaueschingen bis Passau

Unsere Radreise 2019: Teil 2 – Der Donauradweg von Donaueschingen bis Passau

Nach über 800 Kilometern am Rhein und am Bodensee starteten wir den zweiten und letzten Teil unserer Reise. In acht Etappen fuhren wir von Donaueschingen nach Passau – einmal quer durch Süddeutschland. Der Donauradweg führte uns an Schlössern, imposanten Felswänden und schönen Städten vorbei und ist uns in eindrucksvoller Erinnerung geblieben. In diesem zweiten Teil unseres Reiseberichts über unsere Radreise 2019 möchten wir euch an unseren Erfahrungen und Erlebnissen teilhaben lassen.

Die Strecke im Überblick

Auch an der Donau folgten wir im Großen und Ganzen dem offiziellen Donauradweg, der über weite Teile hervorragend ausgeschildert ist. Nur die sommerliche Hitzewelle und Temperaturen weit über der 30-Grad-Grenze führten dazu, dass wir ein oder zwei ungewollte Abstecher machen mussten, da uns unsere Beine (oder eher der Kopf) nicht so weit tragen wollten wie wir an dem Tag geplant hatten. Da wir uns auf dem ersten Teil unserer Reise am Rhein und Bodensee schneller waren als gedacht, war dies aber absolut kein Problem. Insgesamt fuhren wir von Donaueschingen, durch das Donautal, über Ulm, Ingolstadt und Regensburg bis nach Passau 606 Kilometer.

Donauradweg

1. Etappe: Von Donaueschingen nach Hausen im Tal

Nach der Zugfahrt von Konstanz nach Donaueschingen gönnten wir uns noch ein großes Stück Kuchen und einen Kaffee, ehe wir uns auf den Weg zur Donauquelle machten. Wo genau die Quelle ist, ist übrigens recht umstritten. Durchgesetzt hat sich bei den meisten aber die Auffassung, dass die Donau östlich von Donaueschingen durch den Zusammenfluss der Flüsse Brigach und Breg entsteht. Diese Unklarheit führt spannender Weise dazu, dass die Donau einer der sehr wenigen Flüsse ist, bei dem die Flusskilometer von der Mündungen zur Quelle gezählt werden. So umgeht man ganz einfach der Diskussion einen Punkt als Quelle festlegen zu müssen und obwohl die Quelle der Donau sich im Südwesten Deutschlands befindet, ist der Donaukilometer Null in Bulgarien an der Mündung des Schwarzes Meeres zu finden.

Wir waren bereits mehr als zwei Wochen auf dem Rad unterwegs und hatten schon jede Menge tolle Ausblicke genießen dürfen. Wir machten uns beinahe Sorgen, dass wir mittlerweile ein wenig satt sein und unter Umständen gar nicht richtig genießen könnten, was uns an der Donau erwartete. Bereits die ersten Kilometer überzeugten uns vom absoluten Gegenteil. Auf weiten Teilen der Strecke zwischen Donaueschingen und Hausen im Tal (kurz vor Sigmaringen) kamen wir aus dem Staunen kaum heraus. Der Radweg und auch die Donau selbst schlängeln sich durch ein imposantes Tal, welches von hohen Kalksteinfelsen begrenzt wird. Der Weg bietet immer wieder tolle Ausblicke auf die Donau, die umliegenden Felsen und zahlreiche Schlösser und Burgen.

Blick vom Radweg auf die Kalksteinfelsen bei Schloß Bronnen

Besonders interessant ist auch die Donauversickerung, die wir auf dem Weg zwischen Immedingen und Möhringen bewundern konnten. An dieser Stelle verschwindet die Donau buchstäblich im Erdboden. Noch wenige Meter zuvor schlängelt sich der Fluss unaufhaltsam durch die Landschaft und plötzlich blickt man auf ein ausgetrockenes Flussbett. Das Wasser versickert hier im Boden und taucht in 12 Kilometern Entfernung im Aachtopf wieder auf. Insbesondere wenn man die Markierungen von Hochwassern direkt neben dem staubtrockenen Sand stehen sieht, wirkt dieses Naturschauspiel besonders bizarr.

Donauversickerung

Die Donauversickerung zwischen Immedingen und Möhringen

Am Abend hatten wir noch einen persönlichen Preis zu vergeben: Gewinner war der Campingplatz Wagenburg in Hausen im Tal in der Kategorie Schönster Campingplatz auf unserer gesamten Radreise. Sicher hatten wir auf der Reise Plätze mit moderneren Sanitäranlagen gesehen, aber die Lage und das liebevoll angelegte Gelände haben uns mehr als überzeugt. Die Zeltwiese liegt direkt an der Donau und bietet einen herrlichen Blick auf die umliegende Landschaft und mitten über den Campingplatz schlängelt sich ein kleiner knöcheltiefer Bach, in dem Kinder spielen konnten. An der sympathisch eingerichteten Rezeption (zu der man über eine kleine Mini-Brücke über den Bach gelangt) gab es hervorragenden Rosé und leckeres Bier und nebenan wurde klassischer Flammkuchen direkt aus dem Steinofen verkauft. Besser kann man es nach ein paar Kilometern auf dem Rad kaum haben! Auch die anderen Gäste waren sehr angenehm, sodass auf dem ganzen Platz eine freundliche und ausgelassene Stimmung herrschte – vom Dauercamping-Flair keine Spur. Nachdem wir selbst auch vom Wein, Bier und Flammkuchen probiert hatten, ging es für uns relativ zeitig ins Bett. Noch am Morgen waren wir kurz hinter Friedrichshafen am Bodensee aufgewacht, sodass wir nun doch reichlich müde waren…

2. Etappe: Von Hausen im Tal nach Ersingen

Nach einem kleinen Frühstück verließen wir unseren Lieblingscampingplatz nach bereits einer Nacht und machten uns auf den Weg Richtung Ulm. Eigentlich hätte man hier mehr als eine Nacht verbringen müssen. Aber auch so warteten natürlich noch sehr viele schöne Erlebnisse auf uns. Auf den ersten Kilometern nach Hausen im Tal zeigte sich der Donauradweg abermals von seiner schönsten Seite. Immer wieder konnten wir traumhafte Ausblicke auf die felsige Landschaft genießen.

Kalksteinfelsen bei Thiergarten

Ab Sigmaringen wurde es landschaftlich etwas weniger aufregend. Wir fuhren an vielen Feldern vorbei, die beinahe an den hohen Norden erinnerten. Ich habe diese Etappe als sehr anstrengend in Erinnerung behalten, da es unheimlich schwül war. Die gesamte Zeit lagen Regen und Gewitter in der Luft. Ein kleines Highlight wartete bei Datthausen auf uns. Ehe man das Ortszentrum erreicht muss man ein sehr steiles Stück mit bis zu 20 Prozent Steigung hinter sich bringen. Wenn man viel Gepäck dabei hat, ist Absteigen eine gute Idee – weniger anstrengend ist dies aber nicht. Oben angekommen wartete allerdings eine kleine Belohnung auf uns. Unter einem kleinen Unterstand hat die Gemeinde einen Rastplatz für Radreisende eingerichtet. Es gibt Bänke, Tische, frisches Trinkwasser (!) und ein Gästebuch, in dem wir uns natürlich verewigten und uns für die nette Idee bedankten. Da es immer schwüler wurde und der Wetterbericht für die nächsten Tage Gewitter ankündigte, kamen wir zu dem Schluss, dass ein Dach über dem Kopf eine gute Idee wäre. Wir nächtigtem in einer kleinen Pension mit Landgasthaus und eigener Schnapsbrennerei in Ersingen. Unser modernes Zimmer verfügte über ein riesiges Bett, einen Fernseher, eine kleine Küchennische und ein eigenes Badezimmer. Wir fühlten uns nach unzähligen Nächten im Zelt wie Könige an der Donau 🙂

3. Etappe: Von Ersingen nach Mörslingen

Nach unserer zweitägigen Pause in Ersingen nahmen wir uns vor nach Donauwörth zu fahren. Bereits am frühen Morgen war es warm – sehr warm -und wie sich später herausstellen sollte: zu warm. Die sommerliche Hitzewelle, die zurzeit in Europa und Deutschland ihr Unwesen treib, hatte uns nun endgültig erreicht. Im Laufe des Tages warteten Temperaturen bis zu 37 Grad im Schatten auf uns. Zunächst lernten wir in Ulm noch einen netten älteren Radler kennen mit dem wir mehrere Kilometer gemeinsam fuhren und uns spannende Geschichten über seine Radreisen in den letzten Jahrzehnten anhörten. In dieser netten Gesellschaft waren wir sehr flott unterwegs. Am Ende stellte sich heraus, dass wir dachten wir würden uns dem Tempo unsere Begleiters anpassen und er der Meinung war, er würde sich uns anpassen. So spornten wir uns unbewusst gegenseitig und ließen Ulm sehr schnell hinter uns.

Das Ulmer Rathaus

Der Radweg war auf dieser Strecke wenig spektakulär, was aber nicht bedeutet, dass nicht sehr schöne Abschnitte entlang der Donau auf uns warteten. Obwohl wir darauf achteten sehr viel zu trinken, sollte sich die Sonne und das hohe Tempo auf den ersten 70 Kilometern sehr bald bemerkbar machen. In der Nähe von Höchststadt war ich mit meinen Energiereserven am Ende. Mein Kopf dröhnte und ich hatte das Gefühl einen leichten Sonnenstich zu haben. Wir hielten an einem Supermarkt und versuchten mich mit Wasser, Zucker und Schatten aufzupäppeln. Aber nach wenigen Minuten war mir klar, dass ich die restlichen 30 Kilometer bis nach Donauwörth in diesem Zustand nicht mehr fahren möchte. Kleiner Tipp am Rande: Bei langen Touren immer darauf achten, dass ihr genug trinkt und esst. Sobald ihr merkt, dass die Energie nachlässt, ihr dehydriert oder unterzuckert seid, ist es eigentlich schon zu spät. Den Körper aus so einem Loch zu holen, während man weiterfährt ist nahezu unmöglich – erst Recht bei hochsommerlichen Temperaturen. Glücklicherweise fanden wir heraus, dass es im Ort um die Ecke einen Campingplatz gibt und machten uns auf den Weg nach Mörslingen. Der Ort liegt etwas abseits des Donauradwegs, ist aber innerhalb von etwa 15 Minuten zu erreichen. Auf dem Campingplatz stellten wir erneut fest, dass die Google-Bewertungen nicht immer unserer Meinung entsprechen. Dies funktioniert in beide Richtungen: Wir waren auf 5-Sterne-Campingplätzen, die uns gar nicht gefielen und nächtigten auf schlecht bewerteten Plätze, die völlig okay waren. Ich lasse mal offen, in welche Richtung wir in Mörslingen überrascht wurden. Am Abend gönnten wir uns ein Abendessen beim Griechen direkt neben dem Campingplatz und gingen früh ins Bett, um am nächsten Tag wieder erholt und früh startklar zu sein.

4. Etappe: Von Mörslingen nach Neuburg an der Donau

Auch am Tag unser vierten Etappe an der Donau warteten Temperaturen auf uns, die nicht unbedingt wünschenswert sind, wenn man sich viel bewegen möchte. Ich lernte jedoch aus meinen Fehlern am Vortag und trank noch mehr Wasser. (Ich vermute, das ich auf den etwa 70 Kilometern um die 7-8 Liter Wasser getrunken habe.) Vorbei an etlichen Kornfeldern fuhren wir zunächst bis nach Donauwörth und gönnten uns in der netten kleinen Altstadt einen Eiskaffee. Insbesondere in der Region um Marxheim fährt man tolle Abschnitte direkt an der Donau. Absolutes Highlight der heutigen Etappe war eine nette Abkühlung in einem kleinen Bach bei Bertoldsheim. Hier verbrachten wir beinahe eine Stunde, ruhten uns im Schatten aus und wateten durch das knietiefe Wasser, während um uns herum unendlich viele kleine Flusskrebse durch das kühle Nass flitzten.

Besonders schön sind auch die letzten Kilometer vor Neuburg an der Donau. Zwar warteten hier noch einmal ordentlich Höhenmeter auf uns, aber der Anstieg durch den dichten Wald macht wirklich sehr viel Spaß. In Neuburg angekommen suchten wir den Campingplatz des örtlichen Ruder-Clubs auf. Entgegen der Google-Bewertungen hat es uns hier sehr gut gefallen. Wieder einmal konnten wir direkt an der Donau nächtigen und bis in Zentrum der Kleinstadt sind es nur wenige Minuten zu Fuß. Am Abend lernten wir ein nettes belgische Paar aus Brüssel kennen, mit denen wir in den nächsten Tagen noch den ein oder anderen Abend verbringen sollten…

Das Waldstück kurz vor Neuburg an der Donau

5. Etappe: Von Neuburg nach Neustadt an der Donau

Obwohl wir die wohl wärmste Nacht auf der gesamten Reise hinter uns hatten, starten wir am nächsten Morgen nach einem ausgiebigen Knäckebrot-Frühstück und einem kleinen Abstecher zum Supermarkt in die nächsten Kilometer. Unser nächster Halt war Ingolstadt. Hier machten wir einen kleinen Zwischenstopp bei Decathlon, um neues Gas für unseren Campingkocher und ein paar weitere Utensilien einzukaufen. Aus diesem Grund hielten wir uns im Ingolstädter Raum nicht an den offiziellen Radweg und fuhren durch weniger schöne Industriegebiete. Immerhin liegt der Decathlon recht praktisch, sodass man durch einen kleinen Stichweg wieder recht schnell ins Grüne kommt. Bis Irsching fuhren wir auf der „falschen“ Seite der Donau – schön war der Radweg hier allerdings trotzdem.

Auch an diesem Tag hatte es sich im Laufe des Tages wieder sehr aufgeheizt, sodass wir nach knapp 60 Kilometern entschieden, dass es das für heute gewesen sein soll. Wir fuhren einen kleinen Campingplatz in der Nähe von Neustadt an der Donau an. Leider gab es auf der Zeltwiese keinen Platz mit Schatten, sodass wir nach dem Aufbauen so schnell wie möglich die abkühlende Dusche aufsuchten. Diese entschädigte für alle Anstrengungen des Tages: Die sanitären Anlagen glichen eher einem Wellnessbereich als einer Campingplatz-Anlage. Für alle die sagen: „Camping ist nichts für mich. Da ist alles so drecking“. Also: Bei mir zu Hause ist es im Bad sicher nicht so sauber wie auf diesem Campingplatz. Am Abend tranken wir noch ein kühles Helles mit unseren belgischen Bekannten. Das Helle gibt es hier zum Rekordpreis von 1,50€ – auf den Campingplätzen in der Schweiz haben wir fast das 4-fache bezahlt 🙂

6. Etappe: Von Neustadt nach Regensburg

Neben dem ersten Teil des Donauradwegs, wartete an diesem Tag die wohl schönste Etappe an der Donau auf uns. Dies hatte mehrere Gründe: Direkt nach Neustadt fuhren wir an hohen Hopfenfeldern vorbei, was für uns als norddeutsche Landeier sehr interessant war – die wachsen im hohen Norden nämlich nicht und sind wirklich deutlich größer als ich sie mir bisher vorgestellt hatte. Die gesamte Etappe bis zum Kloster Weltenburg hat una wunderbar gefallen. Immer wieder fährt man durch kleine Waldstücke und kann tolle Ausblicke auf die umliegende Landschaft genießen.

Das absolute Highlight erwartete uns allerdings bei Weltenburg. Bis zum Vortag hatten wir mal wieder keine Ahnung, was uns auf der Etappe erwarten wird. Glücklicher Weise hatten uns unsere belgischen Freunde darauf hingewiesen, dass auf der Strecke eine ganz nette Fährfahrt liegen soll. Zur Erklärung: Am Donaudurchbruch bei Weltenburg wird das Tal so schmal, dass links und rechts definitiv kein Platz für einen Radweg ist. Dies bedeutet, man kann entweder ein paar Kilometer Umweg und vor Allem einige Höhenmeter in Kauf nehmen oder man fährt mit einer kleinen Fähre von Weltenburg nach Kelheim und genießt die beeindruckenden Felsen vom Wasser aus, während man an seinem frisch gezapften alkholfreien Weizen nippt. Ihr dürft raten, wofür uns entschieden haben…

Der Donaudurchbruch bei Weltenburg

Mit dem Schiff in Kelheim angekommen (ja – richtig geraten), machten wir uns auf den Weg nach Regensburg. Lasst euch nicht von den Kilometerangaben auf den Wegweisern verwirren. Gefühlt wurde auf diesem Stück eher gewürfelt als gemessen, um die Entfernung nach Regensburg anzugeben. Schaut im Zweifel doch mal lieber auf dem Smartphone nach, wenn bei euch die Kräfte schwinden sollten. Die letzten Kilometer vor Regensburg führen beinahe ausschließlich direkt an der breiten Donau entlang. Ebenfalls sehr nett! In Regensburg buchten wir zwei Nächte auf einem Campingplatz einer großen Kette (bewusst kein Link) direkt an der Donau. Die Lage war top, aber der Preis war für das, was geboten wurde, doch deutlich zu hoch. Dennoch blieben wir zwei Nächte, um uns Regensburg etwas genauer anzuschauen. Ein Aufenthalt in Regensburg eignet sich hervorragend, um mal einen Rad-freien Tag einzulegen. Wir schlenderten durch die Innenstadt, in deren schmalen Gassen viele individuelle Läden und gemütliche Cafés auf uns warteten und genossen super-leckeres Eis von „Stenz“. Regensburg hat uns bis auf eine Kleinigkeit sehr gut gefallen. Immer wieder vernahmen wir an unterschiedlichen Ecken in der Stadt einen merkwürdigen Geruch – und wir wissen bis heute nicht, was die Ursache war. Wer mehr weiß, gerne kommentieren 🙂

Auf der Steinernen Brücke in Regensburg

7. Etappe: Von Regensburg nach Deggendorf

Gegen Abend hatte es sich auf der kleinen Zeltwiese doch ordentlich gefüllt, sodass man am Morgen das Gefühl hatte in einem römischen Feldlager aufzuwachen. Wir beschlossen deshalb recht zeitig los zu fahren. Nach den vielen heißen Tagen, stand nun ein kühler und nasser Tag bevor. Besonders am Morgen sind wir doch ordentlich nass geworden. Wir fuhren zunächst nach Straubingen und diskutierten bei Brötchen und Kafee, ob wir für die heutige Nacht nicht doch ein Hotel buchen sollten. Eine kurze Recherche führte zu der Erkenntnis, dass wir nicht bereit waren dreistellige Beträge für ein mittelmäßiges Hotel zu zahlen. Dies war zum Glück auch die richtige Entscheidung. Gegen Nachmittag klarte es immer weiter auf und als wir nach 95 Kilometern in Deggendorf ankamen, schien bereits wieder die Sonne.

In Deggendorf nächtigten wir auf dem kleinsten Campingplatz unserer Reise. Unser Schlafplatz befand sich auf einem kleinen Rasenstück zwischen Donau und einem Restaurant, sodass wir ein wenig das Gefühl hatten in einem Biergarten zu zelten. Aber der Aufenthalt war klasse: Der direkte Donaublick war besonders am Abend wunderschön, die Besitzer freundlich und die anderen Gäste sehr nett. Am Abend (es war Samstag) fand in unmittelbarer Nähe ein kleines Volksfest statt, sodass wir bis spät in die Nacht mit Nr.-1-Hits aus allen erdenklichen Jahrzehnten versorgt wurden. Die letzte Nacht in unserem Zelt auf unseren gesamten Reise war dementsprechend nicht ganz so erholsam wie gewünscht, aber im Vordergrund stand trotzdem, dass dies vorerst die letzte Nacht sein sollte. Im Gegensatz zur Party-Musik war unsere Stimmung eher etwas melancholisch. Nicht, dass wir uns nicht auf zu Hause freuten, aber so langsam wurde uns bewusst, dass die Freiheit und Ungebundenheit, die wir in den letzten Wochen so sehr genossen hatten, bald vorbei sein werden. Aber noch warteten ja eine letzte Etappe und zwei weitere Nächte in Passau auf uns, ehe wir den Zug zurück nach Bremen nahmen.

8. Etappe: Von Deggendorf nach Passau

Nach der etwas zu kurzen Nacht, gab es am Morgen etwa eine Tonne Porridge – die Vorräte mussten ja schließlich aufgebraucht werden. So starteten wir gut genährt ins unsere letzte Etappe. Auf Rund 60 Kilometern passierte nicht so wirklich viel, außer dass wir am Flugplatz in Vilshofen den wohl schlechtesten Kaffee unserer Reise tranken – serviert von der wohl miesgelauntesten Kellnerin Süddeutschlands. Das Wetter war bescheiden, wir wussten nicht so recht ob wir lachen oder weinen sollten – kurz gesagt: Die Stimmung war lange nicht so schlecht. Schon merkwürdig, dass Kopf und Geist über Wochen und Hunderte Kilometer alles entspannt mitmachen und sich dann auf den letzten Kilometern ein bisschen zimperlich zeigen. Letztendlich kommt es wohl nicht darauf an, ob man 100, 1500 oder 10000 Kilometer fährt – die letzten Meter sind immer etwas schwerer. Nach knapp vier Stunden Fahrt erreicht wir Passau – das Ziel unser fast vierwöchigen Radreise. Wir fuhren direkt zum Drei-Flüsse-Eck und bestellten uns unser Sieger-Bier (nicht, dass es das nicht fast jeden Abend gab, aber das hier schmeckte besonders gut!). Der Zusammenfluss von Ilz, Inn und Donau ist schon wirklich einen Besuch wert. Während die Ilz noch recht unscheinbar dazu stößt, ist der Zusammenfluss von Inn und Donau deutlich spektakulärer. Das kalkweiße Wasser des Sinns vermischt sich langsam aber sicher mit dem dunkelblauen Wasser der Donau.

Das Drei-Flüsse-Eck

Vom Drei-Flüsse-Eck machten wir uns auf den Weg zu unserem Hotel. Es stellte sich heraus, dass wir einmal mehr nicht besonders gut recherchiert hatten. Zunächst mussten wir eine Straße mit bis zu 20 Prozent Steigung empor fahren bzw. schieben bis wir an der Unterkunft ankamen. Noch einmal ein richtiger Kraftakt zum Abschluss! Zudem stellte sich heraus, dass sich unser Hotel mitten in einem Industriegebiet am Parkplatz eines riesigen Shopping-Centers befand. Nach 4 Wochen in der Natur war das sehr absurd und wurde der Reise nicht so wirklich gerecht. Beim nächsten Mal würden wir wohl etwas mehr Zeit in die Recherche der Unterkünfte stecken. Am nächsten Tag machten wir noch einmal einen ausgiebigen Stadtbummel, aßen Sauerbraten mit Knödeln und gönnten uns ein paar Wein – wir machten also das Beste draus. Am darauffolgenden Morgen ging es bereits um 7 Uhr morgens mit dem IC zurück nach Bremen. Die Fahrt dauerte über 10 Stunden – dafür mussten wir allerdings nicht einmal umsteigen. Gegen frühen Abend erreichten wir glücklich, erschöpft und auch ein bisschen stolz unsere Wohnung!

Am Inn

Ein kleines Fazit

Ich neige ja dazu mich auch über die Dinge auszulassen, die nicht so gut gelaufen sind. Egal, ob selbst oder fremd verursacht. Aber lasst euch von meiner teilweise etwas zynischen Art nicht beirren. Diese knapp vier Wochen gehören zu den schönsten in meinem Leben. Selten habe ich mich so unbeschwert und frei gefühlt. Ich habe es mehr als genossen einfach so in den Tag zu leben, flexibel zu sein und vor Allem beinahe den ganzen Tag in der Natur und in Bewegung verbringen zu können. Der perfekte Kontrast zu den Wochen und Monaten zuvor, die ich zum Großteil am Schreibtisch verbracht habe. Natürlich hat auch meine Reisegefährtin dazu beigetragen, dass diese Reise etwas ganz Besonderes war und mir immer in bester Erinnerung bleiben wird. Und das ist nicht zu unterschätzen – man verbringt wirklich sehr sehr viel Zeit miteinander – also Augen auf bei der Radreisen-Partnerwahl 🙂 Allein beim Schreiben dieser Sätze und dieses Berichts, bekomme ich schon wieder Fernweh und würde am liebsten meine Radtaschen packen und mich auf’s Rad schwingen – wir werden also ganz sicher sehr bald wieder im Sattel sitzen!

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  2 Kommentare

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  1. Mattes sagt:

    Auch der zweite Teil war wieder unterhaltsam geschrieben. Gerne mehr davon.

  2. Mattes sagt:

    Super Reisebericht mit allem was man braucht um dieses mit dem Fahrrad selbst zu er(fahren).
    Gerne mehr davon. Ich freu mich auf den nächsten Tourenbericht.

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