Reisebericht Taiwan – eine Reise ins Ungewisse: unvergesslich und einfach schön

Reisebericht Taiwan – eine Reise ins Ungewisse: unvergesslich und einfach schön

Ein Reisebericht von unserem Leser Florian

Meine Reise nach Taiwan war auch eine Reise ins Ungewisse. Zum ersten Mal Asien, zum ersten Mal im Ausland arbeiten. Wie so oft wurden die Dinge wie sie eben werden, wenn man ihnen mit Aufgeschlossenheit und Gelassenheit gegenübertritt: Unvergesslich und einfach schön.

Im Rahmen eines Praktikums konnte ich drei Monate auf der Insel verbringen und hatte dabei reichlich Gelegenheit viele Ecken von Taiwan zu erkunden und mich während Teezeremonien zu entspannen, vom geschäftigen Treiben der vielen großen und kleinen Nachtmärke mitreißen zu lassen und in einen Teil chinesischer Kultur eintauchen zu können.

 

Die politische Lage Taiwans ist reichlich kompliziert, dafür ist die Visaerteilung denkbar einfach. Wer sich weniger als 90 Tage in Taiwan aufhalten möchte, muss bei der Einreise nichts weiter als eine Adresse seiner ersten Unterkunft vorweisen und schon kann das Abenteuer beginnen. Da ich in Taibei arbeitete, führte mich mein Weg vom Flughafen in die Innenstadt Taibeis. Der Anweisung meines Chefs folgend, hielt ich Ausschau nach dem nächsten 7/11 Convenient-Store um dort einen weiteren Mitarbeiter zu treffen. Selbst als Kind des Ruhrgebiets ist die hohe Dichte der „Kioske“ äußerst beeindruckend und ich frage mich bis heute, wie es dennoch einigermaßen unproblematisch war meinen zukünftigen Kollegen zu treffen und in das dichte Treiben der Gassen und kleinen Straßen meines Wohnblocks einzutauchen. Zwischen allerlei landestypischer Neonreklame, Garküchen mit fremden wie interessanten Köstlichkeiten und auch ein paar Tempeln wohnte ich und war definitiv mittendrin statt nur dabei.

 

 

Kleiner Tipp: Um sprachliche Hürden umgehen zu können unbedingt Apps wie Google Translate oder Pleco auf dem Smartphone installieren, inklusive Download von Schriftzeichen.

Ein typischer Charakterzug des Landes ist die Verwobenheit von Traditionellem und Moderne. Ein kleiner Tempel zwischen McDonalds und Subway? Ein Nike-Store mit überlebensgroßer Lebron James Fassade zwischen einem Teehaus und einer klassischen Apotheke? Kein Problem! In Taibei wie auch im Rest des Landes sind viele alte Substanzen erhalten, baulich wie ideologisch, die in Festlandchina im Zuge der Kulturrevolution zerstört wurden. Ebenso ist ein großer Einfluss der japanischen Besetzung zu finden, dessen Spuren bis heute zu finden sind.

Der Norden

Der Norden Taiwans bietet viele Möglichkeiten Neues zu entdecken. Die meisten Wege aus dem Ausland führen in die Hauptstadt Taibei, die einen perfekten Start in eine kulinarische Erkundungsreise bietet. Auf zahlreichen Nachtmärkten können Spezialitäten wie Austernomelett oder fermentierter Tofu, besser bekannt als Stinkytofu, probiert werden. Hierbei gilt: Am besten nicht nachfragen, was genau man da gerade konsumiert, sondern einfach die vielen Gewürze versuchen zu schmecken und genießen.

Kleiner Tipp: Ein einfaches „bu la“ bedeutet so viel wie „Nicht scharf“ und schützt empfindliche Mägen.

 

 

Neben den Nachtmärken empfehlen sich Trips zum Elephant Mountain, wo man einen wunderschönen Ausblick über die Stadt genießen kann oder ein Besuch des Chiang Kai Shek Memorials. Beide Ziele eigenen sich vor allem wenn es dunkel ist und man die Orte eher für sich hat.

Mittels kurzer Zugfahrten auf denen die Einhemischen einen gerne in Unterhaltungen verwickeln, erreicht man schnell die Orte wie Jiufen, die Shifen Wasserfälle oder Pingxi, von denen aus viele Wanderungen unternommen werden können. Als wäre das jedoch noch nicht genug, erreicht man ebenso schnell den Nationalpark Yangmingshan, dessen unzählige Wanderrouten einem zu Fuße liegen. Wie in Asien üblich, sind zentrale Verkehrspunkte häufig überlaufen. Sobald man jedoch ein paar Meter in die Natur gemacht hat, hat man die Umgebung fast für sich alleine. Zahlreiche Blogs bieten hierzu Wanderrouten an, an denen man sich ggf. grob orientieren sollte um Umwege oder ungeplant lange Routen zu vermeiden. Anders als man es aus Europa gewohnt ist, haben viele Routen keine Markierungen oder Schilder, weswegen auf eine präzise Beschreibung der Routen im Vorfeld Wert gelegt werden sollte.

 

Der Süden

In Taiwans Süden sind nicht minder schöne Reisemöglichkeiten zu finden, die sich vom Norden nochmal deutlich unterscheiden. So ist im südlichsten Zipfel des Landes das Schnorchel-Paradies Kenting zu finden. An den zahlreichen Stränden gibt es viele Möglichkeiten einzutauchen und die Unterwasserwelt Taiwans zu erkunden. Mit der Bereitschaft ein wenig zu suchen, findet man schnell Anbieter die sich nicht auf Massenabfertigung spezialisiert haben und so ein unvergessliches Erlebnis mit persönlicher Atmosphäre bieten. Ich fand es auch sehr schön die Küstenabschnitte anders als die meisten Touristen nicht per Scooter zu erkunden, sondern per Fahrrad auf Entdeckungsreise zu gehen.

 

 

Sobald man ein wenig aus dem Zentrum Kentings herausgekommen ist, bieten gelegentlich kleine, leicht unwegsame Pfade die Möglichkeit, verlassene Strandzüge zu erschließen. Mit ein bisschen Glück kann man so gemeinsam mit seinen Mitreisenden einen privaten Sonnenuntergang genießen. Bei einer dieser Touren wurden wir auf dem Rückweg auf ein kleines Dorffest eingeladen und mussten unsere Trinkfestigkeit unter Beweis stellen, da sämtliche Teilnehmer mit den Gästen aus Deutschland anstoßen wollten.

 

 

Neben den Strandzügen bietet auch der nahegelegene Nationalpark die Möglichkeit, in die Natur einzutauchen. Wer sucht, der findet ein paar Exemplare des Formosa-Makak, einer heimischen Affenart. Neben Faszination ist jedoch auch Vorsicht geboten, da manche Affen ihre Scheu vor Menschen abgelegt haben und sehr nahe an die Besucher der Nationalparks herantreten.

Weitaus städtischer als Kenting ist die alte Hauptstadt Tainan. Hier bieten sich kleine Streifzüge durch die Altstadt an, das eigentliche Highlight sind jedoch die Nachtmärke, die nicht nur in meinen Augen das beste Essen Taiwans bieten. Geschmacklich bis heute für mich unerreicht sind die zahllosen Köstlichkeiten, die große Anzahl an Snacks jeglicher Couleur durch die man sich auch nach vielen Besuchen nicht endgültig durchprobieren konnte.

Kleiner Tipp: Dem Essen von Taiwan widmen sich unzählige Blogs und Reiseführer. Am besten vorab gezielt informieren!

Der Osten

Im Rahmen einer Rundreise darf der felsige und gebirgige Osten rund um die Gegend Hualien nicht fehlen. Von hier aus bietet sich ebenso die Möglichkeit das Hochgebirge Taiwans zu erkunden, jedoch benötigt man hierfür professionelle Ausrüstung sowie einen offiziellen Begleiter, da es in Höhenlagen von bis zu 3952 Metern recht unwirtlich werden kann. Diese Gebirge fallen steil Richtung Meer ab und bieten so bei den Qingshui-Klippen ein einzigartiges Panorama. Während man von der durch die Klippen verlaufenden Straße die Aussicht genießen kann, bietet eine Wanderung entlang der Küste die Möglichkeit, die Dimensionen der Klippen vollends zu erfassen, falls dies überhaupt möglich ist.

 

 

Neben den Qingshui-Klippen ist die Taroko-Schlucht eine bekannte Sehenswürdigkeit der Region. In unzähligen Abzweigungen kann man Felsen entlang klettern und die Flussläufe erkunden. Je nach Wasserstand bieten sich zu verschiedenen Jahreszeiten die verschiedensten Möglichkeiten. Auch hier ist jedoch Vorsicht geboten, da es mitunter zu Steinschlägen kommen kann. Wer lieber auf Nummer sich gehen möchte, kann auch von den Hauptpfaden aus die Natur genießen. Doch auch abseits der beiden großen Sehenswürdigkeiten bietet die Region viele Möglichkeiten, durch die Natur zu wandern. Etas höher gelegen findet man häufig Dörfer austronesischer Ureinwohnerstämme, die von der Regierung in Taiwan anerkannt und gefördert werden. Diese Gemeinschaften haben ihre Kultur bis heute erhalten und laden Reisende ein, sie kennen zu lernen.

 

 

Fazit

Wer sich von sprachlichen Barrieren nicht aufhalten lässt, hat in Taiwan die Möglichkeit ursprüngliche chinesische Kultur zu erfahren und in Kontakt mit den indigenen Urvölkern Taiwans in Kontakt zu kommen. Das äußerst freundliche und zurückhaltende Wesen der Bevölkerung öffnet einen schnell für Neues und ermöglicht angenehmes und sicheres Reisen durch traumhafte Landschaften. Die Infrastruktur ist sehr gut ausgebaut, da Busse oder auch der Hochgeschwindigkeitszug die Orte sehr gut miteinander vernetzen. Neben den von mir thematisierten Zielen bietet Taiwan noch viele weitere Reiseziele, die unmöglich in nur einem Aufenthalt besucht werden können. Das ist jedoch kein Problem, da es einen eher heute als morgen wieder zurückzieht.

 

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