Reisebericht Norwegen – Mit dem VW-Bus durch den verwunschenen Norden Europas

Reisebericht Norwegen – Mit dem VW-Bus durch den verwunschenen Norden Europas

Ein Reisebericht unserer Leserin Chiara

Für zwei Wochen machten wir uns auf ins schöne Norwegen, die Westküste entlang bis Bergen. Über Dänemark und Schweden ging es mit unserem alten VW-Bulli durch eine der schönsten Landschaften Europas. Vorbei an verwunschenen Wäldern, weiten Fjorden und einsamen Gegenden.

Bei Nieselregen machen wir uns auf den Weg Richtung Norden, unser erstes Ziel ist St. Peter-Ording. Nach einer Nacht wollen wir am nächsten Tag die Fähre nehmen. Nach einer entspannten Fahrt kommen wir am frühen Abend an und stellen uns direkt am Meer an den Strand. Wir genießen noch den schönen Sonnenuntergang und spazieren den Strand entlang.

 

 

Am nächsten Morgen geht es weiter Richtung Dänemark. Da wir mit unserem alten T3 nicht so schnell vorwärts kommen planen wir einen guten Zeitpuffer ein. Die Fähre fährt zwar erst am Abend, aber sicher ist sicher. Nach einem kurzen Stück in Deutschland geht es einmal quer durch Dänemark bis fast an die Spitze. Die Fähre von Hirtshals nach Kristiansand haben wir vorab im Internet gebucht. Es gibt zwei Fähranbieter für die Verbindung: Fjordline und Colorline. Beide Anbieter fahren mehrmals täglich und sind preislich ähnlich aufgestellt. Wir entscheiden uns für Fjordline da die Fähre um 23:30 Uhr im Verhältnis günstig ist und mit 2 Stunden 15 kürzer fahren soll als die von Colorline.

Der Weg ist gut ausgeschildert, sodass wir keine Probleme haben die richtige Fähre zu finden. Wegen des Wetters haben wir leider Pech mit der Überfahrt. Der Wellengang ist so stark, dass das Boot eine andere Strecke fahren muss. Somit dauert auch die Überfahrt länger und ist sehr schaukelig. Schon nach 10 Minuten ist uns beiden schlecht, sodass wir die gesamte Fahrt liegend verbringen um nicht komplett seekrank zu werden. An Schlaf ist leider auch nicht zu denken.

 

 

Wir haben uns vorher einen Campingplatz in der Nähe ausgesucht. Dieser hat nun aber leider schon zu, sodass wir uns auf den Parkplatz davorstellen. Er liegt ca. 16 km entfernt von Kristiansand direkt am Meer. Schon auf dem Weg zum Campingplatz merken wir, dass die Straßenführung der Verkehr hier anders sind als in Deutschland. Es gibt viel weniger Ampeln dafür aber viele Kreisverkehre. In den folgenden Tagen merken wir außerdem, dass es keine Autobahnen gibt, sondern nur Landstraßen. Das Fahren ist dadurch wesentlich entspannter für uns, da der Bus natürlich nicht so schnell ist. Es gibt unendlich viele Tunnel, auch sehr lange. Mal ist der Tunnel nur 500 m lang, dann wieder 11 km und nach ein paar Kilometern folgt schon wieder der nächste. Es ist das erste Mal für uns beide, dass wir sogar einen Kreisverkehr im Tunnel sehen.

 

 

Nach dem bergigen, aber gut ausgeschilderten Weg zum Campingplatz sind wir froh endlich da zu sein und stellen uns erstmal auf den Parkplatz vor dem Kristiansand Feriecenter, um ein wenig Schlaf zu bekommen. Das letzte Stück ist sehr abenteuerlich auf einer schmalen Straße mit einem See links neben uns Wald rechts.

Den nächsten Tag verbringen wir auf dem Campingplatz, um erstmal anzukommen und die Zeit zu genießen. Wir zahlen 430 NOK für eine Nacht mit unserem Bus. Das Duschen muss in Norwegen fast überall extra gezahlt werden, für 4 Minuten heißes Wasser zahlen wir hier 20 NOK.

Hier ist es bereits sehr schön und wir fühlen uns direkt wohl. Wir stehen direkt am Wasser und können die kleinen roten Häuschen und Felsküste sehen, die so typisch für die norwegische Landschaft sind. Genauso habe ich es mir vorgestellt, ein bisschen Klischee und kitschig, aber unglaublich schön. Ich habe mir schon hier vorgenommen, den Ort als das Highlight in meinem Norwegen-Reisebericht mit aufzunehmen.

 

 

Am nächsten Morgen geht es weiter an der Küste entlang, wir haben keinen genauen Plan und fahren einfach drauf los. Unser erster Zwischenstopp ist Flekkejford, eine kleine süße Stadt.

 

 

Nach einem kurzen Spaziergang durch die Stadt fahren wir weiter. Wir wollen die E44, die Küstenstraße, entlang fahren die laut Reiseführer sehr schön sein soll und viele interessante Stopps hat. Die ganze Strecke ist sehr kurvig und bergig, sodass unser alter T3 manchmal ganz schön zu kämpfen hat. Aber wir bekommen nie Probleme und uns fällt erneut auf wie viel angenehmer die Autofahrer hier sind als in Deutschland. Es gibt nur Landstraßen und man darf meistens ca. 100 km/h fahren. Da unser Bus das nicht schafft ziehen wir manchmal eine Schlange von Autos hinter uns her, aber niemand drängelt. Alle warten geduldig bis wir zur Seite fahren und Platz machen oder sich eine Gelegenheit zum Überholen bietet.

Unser nächster Halt an diesem Tag sind die Haleren. Diese Häuser stehen seit ca. 200 Jahren am Jossingfjord unter einem Felsvorsprung, dadurch sind sie so gut vor Wind und Regen geschützt, dass sie nie kaputt gegangen sind. Heute wohnt niemand mehr hier, aber man kann die Häuser gratis besichtigen.

 

 

Die Küstenstraße ist wirklich wunderschön, überall ist Wald, Berge, kleine Häuser und am allerschönsten: Immer Wasser. Entweder das Meer, Fjorde oder Seen. Wir halten immer wieder an, um die Aussicht zu genießen.

Abends stehen wir wieder direkt am Meer irgendwo zwischen Egersund und dem Eigeroy Fyr, ein Leuchtturm in der Nähe. Hier ist ein kleiner Kasten, in den man Geld werfen kann, um die Nacht dort zu verbringen. Es gibt keine Sanitäranlagen oder andere Menschen, nur uns, den Bus und das Meer. In Norwegen ist das Angeln auch ohne Schein erlaubt, sodass wir unser Glück versuchen. Wir fangen zwar nichts, aber darum geht es auch gar nicht, sondern um die Entspannung dabei.

 

 

Den nächsten Morgen genießen wir die Sonne und fahren erst gegen Mittag weiter. Auf dem Weg halten wir in Joerden und gehen an den Strand.

 

 

In Lauvvik nehmen wir die Fähre nach Oanes. Fähre fahren ist für die Norweger so alltäglich wie für uns Bus fahren. Einfach, weil man für viele Strecken die Fähre nehmen muss. Der Blick auf den Lysefjord ist wirklich schön.

 

 

Am nächsten Tag machen wir eine Wanderung zum Preikestolen. Er gilt wohl als eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten Norwegens und ist immer gut besucht. Gegen 8 Uhr stellen wir den Bus für 250 NOK auf den Parkplatz direkt am Preikestolen, der bereits sehr gut gefüllt ist und machen uns auf den Weg. Schon das erste Stück ist sehr steil, sodass ich schnell kurzatmig werde. Der Weg ist am Anfang geschottert und geht dann in Treppenstufen über, welche in den Felsen gehauen sind. Die Stufen sind relativ hoch, sodass man mit langen Beinen definitiv einen Vorteil hat. Obwohl wir so früh losgelaufen sind, ist es schon relativ voll, aber noch verteilen sich die Massen gut. Auf dem letzten Stück läuft man nur noch über große Felsen und muss aufpassen nicht auszurutschen. Nach ca. zwei Stunden kommen wir oben an und werden mit einem großartigen Ausblick belohnt. Der Blick den steilen Fels hinunter auf den Lysefjord ist wirklich atemberaubend. Es gibt keine Sicherung, sodass man aufpassen muss sich nicht zu vertreten und in eine Felsspalte zu geraten.

 

 

Hier oben stauen sich die Menschen, sodass es ein wenig überfüllt ist, aber das hält uns nicht davon ab den Ausblick zu genießen und ein paar Fotos zu machen. Es gibt sogar eine Fotoschlange für den vordersten Punkt, aber die umgehen wir indem wir uns ein paar Meter weiter rechts an die Kante setzen.

 

 

Auf dem Weg nach unten kommen uns gefühlt tausende Menschen entgegen, die alle nur in einer Schlange hintereinander herlaufen. Wir sind sehr froh, dass wir so früh losgelaufen sind und brauchen für den Rückweg etwas kürzer. Beim nächsten Mal würde ich eventuell noch früher los, um auch oben ein wenig mehr Ruhe zu haben. Auch wenn dies eine der touristischsten Unternehmungen unserer Reise war würde ich es auf jeden Fall wieder machen. Diese Wanderung ist gerade auch für Einsteiger geeignet, die normalerweise nicht so viel wandern.

Nach einer weiteren Fährfahrt von Hjelmland nach Nesvik für 119 NOK fahren wir bis nach Sandeid. Die Fähren braucht man vorab nicht zu buchen, man kommt immer mit und auch der Preis ist der gleiche. Nur nach den Abfahrtszeiten sollte man eventuell schauen, da manche Fähren nur stündlich fahren. In Sandeid stellen wir uns auf einen Campingplatz direkt an einen See wo wir außer einem älteren Ehepaar die einzigen Gäste sind.

 

 

Am nächsten Tag geht es weiter Richtung Jondal. Auf dem Weg halten wir noch bei einem Supermarkt, um zu stöbern was es hier alles Leckeres zu entdecken gibt. Wir haben viele Lebensmittel aus Deutschland mitgebracht, da die Preise hier höher sind. Es gibt sehr viele neue Sachen zum Ausprobieren: Bacon und Shrimp Frischkäse aus der Tube, verschiedene Knäckebrotsorten wie z.B. mit Zimt, eine ganz andere Auswahl an Trinkjoghurt, anderen Milchprodukten sowie Süßigkeiten. Außerdem gibt es in jedem Supermarkt eine frische Fischtheke mit verschiedenen Schalentieren und Fischsorten.

Es geht weiter mit der Fähre von Utne bis Kvanndal für 150 NOK, da die Fahrt ein bisschen länger dauert als die vorherigen. Der Hardangerfjord ist gesäumt von Obstbäumen und ist eine der wichtigsten Anbauregionen Norwegens. Wir fahren durch Apfel-, Pflaumen-, Birnen- und Kirschplantagen, überall gibt es Straßenstände, an denen man das leckere Obst kaufen kann. Die Früchte werden auch zu Cider, Likör und Marmelade verarbeitet.

 

 

Am nächsten Tag geht es weiter Richtung Bergen. Es gibt einen Campingplatz in der Nähe der „Lone“ heißt. Wir zahlen 335 NOK für eine Nacht, man zahlt wohl für die Nähe zu Bergen. Wir parken das Auto an der Bahnstation Arna wo man für 24 Stunden 40 NOK zahlt. Mit dem vorab gebuchten Zug für 168 NOK für Hin- und Rückweg fahren wir nach Bergen. Die Fahrt dauert nur 8 Minuten und schon sind wir in Bergen.
Es regnet leider wie aus Eimern, aber wir gucken uns trotzdem das schöne alte Viertel Bryggen an. Hier haben früher die Handelsleute gewohnt bis die Häuser vor mehreren Jahren abgerissen werden sollten. Zum Glück konnte dies damals verhindert werden, denn die vielen kleinen Gassen mit den kleinen Läden sind wirklich schön. Wir machen noch einen Abstecher ins Bryggenmuseum was wirklich sehr interessant die Geschichte des Viertels erzählt.

 

 

Im Lonelyplanet wird die Bar „Pingvinen“ empfohlen wo wir uns ein spätes Mittagessen gönnen. Die Preise in den Restaurants sind wesentlich höher als in Deutschland und vor allem der Alkohol ist sehr teuer. Mittags sind die Preise aber in Ordnung, sodass wir typische norwegische Hausmannskost genießen. Plukkfisk, eine Art Kartoffelbrei mit Fisch, Bacon und dazu Knäckebrot. Außerdem Frikadellen mit Kartoffeln, brauner Soße, Cranberrys, Karotten und Erbsenmuß. Ja Muß, die Norweger sind soviel schlauer, so fällt nämlich nicht andauernd eine Erbse von der Gabel.

Danach fahren wir noch mit der Fliobanen den Floyen hinauf. Die Fahrt den steilen Hang hinauf ist schon sehr beeindruckend und oben haben wir einen schönen Blick auf die Stadt denn inzwischen ist es etwas aufgeklart. Man kann die Strecke auch laufen aber aufgrund der Zeit zahlen wir lieber die 125 NOK für Hin- und Rückweg.

 

 

Nach der Rückfahrt mit dem Zug zurück zum Bus geht es noch zwei Stunden weiter Richtung Eidfjord. Kurz hinter dem Ort stellen wir uns direkt an den Fjord und genießen den wunderschönen Sonnenuntergang. Im Ort selbst stehen viele Touristenbusse mit Kreuzfahrtgästen da dies einer der Ausgangspunkte für einen Ausflug zum bekannten Voringsfossen ist.

 

 

Wir wollen uns aber nicht den Voringsfossen angucken, sondern den Skyljefossen, welcher vom Lonely Planet empfohlen wird, da er nicht so touristisch ist und man eine kleine Wanderung bis dahin machen kann. Lange Rede kurzer Sinn: Trotz der Beschreibung im Lonely Planet, googeln und fragen der Anwohner finden wir den Wasserfall nicht. Daher schauen wir uns doch den Voringfossen an, allerdings nicht von dem Parkplatz wo die meisten Touristen sind und für den man Geld bezahlen muss.

 

 

Nun geht es weiter Richtung Schweden. Wir fahren einmal quer durch Norwegen und die Landschaft verändert sich. Anstatt Wald und Bergen sind wir nun umgeben von weiter Fläche und karger Landschaft. Es wird auch zunehmend kälter obwohl wir August haben. Im Winter sind hier beliebte Skigebiete wie Geilo. Bei der Fahrt auf bis zu 1.400 Höhenmeter fahren wir sogar an mehreren Gletschern vorbei.

 

 

Am nächsten Morgen fahren wir über die schwedische Grenze bis zum Vasansee auf den Bomstadbaden Campingplatz in der Nähe von Karlstad. Es ist der bisher günstigste und schönste Campingplatz. Mit Blick direkt auf das Wasser stehen wir neben einem anderen Bulli. Es ist sogar warm genug, um einmal in den See zu springen.

 

 

Für den nächsten Tag steht Göteborg auf der Liste, nach all der Einsamkeit mal wieder eine größere Stadt. Wir fahren noch ca. 3 Stunden vom Vasansee bis in die Stadt. Vorab haben wir einen Parkplatz an einem Sportplatz herausgesucht, da wir aufgrund unserer Höhe nicht in ein Parkhaus fahren können. Wir zahlen 128 SKK für 7 Stunden, was ca.12€ sind. Da der Parkplatz ein bisschen außerhalb liegt nehmen wir jeden einen VOI Roller. Unser erster Stopp ist Haga, die Altstadt bzw. das älteste Viertel Göteborgs. Hier gibt es viele kleine Cafés und Läden.

 

 

Wir machen eine typische schwedische „Fika“ mit Kaffee und Kanelbullen. Die Schweden lieben ihre Kaffeepausen zum Quatschen mit Freunden und dazu eine leckere Zimtschnecke. Sogar in den Supermärkten gibt es eine extra „Fika“ Ecke, in der es nur Gebäck zu kaufen gibt. Zu Fuß geht es weiter zu Feskekorka, dem Fischmarkt, welcher von außen aussieht wie eine Kirche.

 

 

Danach bummeln wir noch ein bisschen durch die Innenstadt, in der es auch viele schöne Läden gibt.

Weiter geht es Richtung Malmö. Da wir auf einer bucket list für Schweden gelesen haben, dass man unbedingt einen Hot Dog an einer Tankstelle essen sollte holen wir uns einen mit Fransk Soße. Lecker, den sollte man tatsächlich gegessen haben!

Ca. eine halbe Stunde vor Malmö stellen wir uns auf den Barsebäckstrand Campingplatz wo wir einen herrlichen Sonnenuntergang genießen.

 

 

In Malmö stellen wir uns auf einen Parkplatz direkt hinter den Bahnhof. Die Innenstadt ist sehr schön. Außerdem machen wir noch einen Abstecher in die Markthalle. Hier gibt es viel zu entdecken, viele Geschäftsleute machen hier ihre Mittagspause.

 

 

Danach geht es über die Oresundbrücke nach Dänemark und anschließend mit der Fähre nach Fehmarn. Das Kombiticket haben wir vorab im Internet gebucht. Die Fahrt über die Brücke ist wirklich beeindruckend.

 

 

Das ist leider schon das Ende unserer Reise.

Fazit und Tipps für die nächste Reise: Norwegen ist ein wunderschönes und abwechslungsreiches Land, welches wir jedem ans Herz legen können. Wir würden uns nächstes Mal nur auf ein Land konzentrieren, der Rückweg über Schweden war zwar schön, aber wir hätten lieber noch mehr von Norwegen gesehen.

Plant auf jeden Fall mindestens zwei Wochen Reisezeit ein. Norwegen ist viel größer als man denkt und man kommt eben nicht so schnell voran wie in Deutschland. Wir werden auf jeden Fall nochmal wiederkommen, um uns alles über Bergen anzuschauen wie z.B. die Lofoten, dafür war es uns dieses Mal zu kalt. Auch die bekannte Trolltunga Wanderung wollen wir unbedingt noch machen. Wenn ihr mit dem Auto unterwegs seid haltet unbedingt immer wieder an und guckt euch die ausgeschilderten Sehenswürdigkeiten an. Packt eure Wanderschuhe, Regenjacke und Sonnenbrille genießt die Natur sowie Einsamkeit und seid spontan!

 

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