Reisebericht und Tipps für Israel – von Tel Aviv bis Betlehem

Reisebericht und Tipps für Israel – von Tel Aviv bis Betlehem

Ein Reisebericht von unserem Leser Daniel

Anreise Israel

Der große internationale Flughafen in Israel ist der Ben Gurion Airport bei Tel Aviv. Hierher bestehen Reisemöglichkeiten aus der ganzen Welt, aus Deutschland vor allem Berlin mit Direktflügen (Easyjet, Germania). Eine weitere gute Möglichkeit ist auch die Anreise via Istanbul mit Turkish Airlines oder Pegasus. Für die Direktflüge bezahlt man je nach Buchungszeitpunkt im Voraus zwischen 80-200€ one way. Eine neuere, äußerst günstige Variante wäre zudem mit Ryanair nach Eilat im Süden Israels zu fliegen. Preise (z.B. ab Bremen) starten teilweise schon bei 15€ pro Flug.

Die meistgenutzte Einreiseroute ist allerdings über Tel Aviv. Vom Flughafen kommt man sehr schnell mit Zügen oder Bussen in die Stadt. Taxis fahren natürlich auch, allerdings sind die ziemlich teuer (pauschal in die Stadt 50€).

Ich bin für meine Reise eben mit Turkish Airlines ab Berlin über Istanbul eingeflogen (ca. 150€) und mit Germania direkt nach Berlin-Schönefeld zurück (80€).

Tel Aviv – Jaffa

Tel Aviv ist eine sehr lebhafte und hippe Stadt. Durch die Strandlage bietet sich ein Besuch gerade im Sommer an, wobei die Stadt bereits ab März und bis tief in den November noch badefähiges Wetter bietet. Dementsprechend genutzt werden auch die Strandlokalitäten.

Für mich persönlich waren vor allem die vielen Beachvolleyballfelder am Gordon Beach ein Glücksfall. Hier wird jeden Tag bis in die Nacht unter Flutlocht gespielt. Die Benutzung ist umsonst, allerdings sind alle 15 Felder oft auch belegt. Um doch zu spielen, habe ich einfach ein paar Locals angesprochen. Ansonsten gibt es etwas weiter südlich den Frishman Beach, der der größte Badestrand Tel Avivs ist und ganz im Süden vor Jaffa befinden sich zwei Surfstrände. Ich habe mir vor Ort in einem der kleinen Surfshops ein Brett geliehen und mein Glück versucht.

Badestrand in Tel-Aviv

 

Abgesehen von den Stränden stellt vor allem die Altstadt von Jaffa ein touristisches Highlight dar. Wir sind vom Clocktower aus in die alten Straßen und Gassen hochgelaufen. Der Charme dieses historischen Ortes mit vielen Künstlerateliers, Ausstellungen und kulturellen Angeboten lädt zum entspannten Bummeln ein. Wir sind dann anschließend runter gegangen zum alten Hafen und haben uns im „Old man and the sea“ unser Abendessen genehmigt. Hier gibt es traditionelle Fischgerichte zu akzeptablen Preisen. Wer Lust auf etwas Schnelles zu essen hat, kommt in einem der Shawarma und Falafelläden in Jaffa ebenfalls auf seine Kosten. Ich empfehle vor allem den libanesischen Falafel direkt am Clocktower. Abends erwacht das Leben in Jaffa, wenn die einheimischen in einer der vielen guten Bars bei einem Bier, Wein oder Cocktail zusammensitzen. Wir haben uns einfach vom Vibe treiben lassen und haben uns dazu gesetzt. Absolute Empfehlung!

Wer es wiederum außerhalb Jaffas belebter mag, ist am Rothschild Boulevard oder im Florentin Viertel gut aufgehoben. Am Rothschild Boulevard sind wir durch einige der eher hochklassigen und hochpreisigen Bars gezogen. Hier ist eigentlich jeden Tag, vor allem aber am Donnerstag viel los. In Florentin befinden sich eher kleinere, alternativere Bars, die dem Viertel ihren ganz eigenen Charme verleihen. Besonders gerne bin ich in die „Beer Station“ mit seinem lebenslustigen Manager und Barkeeper Alex gegangen. Die Preise sind hier sehr annehmbar für Tel Avivs Verhältnisse und es gibt dazu noch günstiges und gutes Essen, vor allem die Burger sind super! Wer danach noch Lust hat, kann noch weiter ins Florentin 10 ziehen. Hier geht meistens als letztes das Licht aus!

Für Feierwütige hat Tel Aviv eine Vielzahl an sehr guten und renommierten Clubs zu bieten. Die bekanntesten sind das „The Block“, der „Breakfast Club“ und „Alphabet“, die nach Berliner Vorbild Technomusik auflegen und mit vielen DJ-Größen aufwarten können. Leider war der Eintritt mit umgerechnet 15-20€ für mich etwas teuer, wer die Technomusik im Berliner Stil allerdings mag, der wird hier schnell fündig und glücklich. Im Breakfast Club gibt es, wie der Name verrät, ab 7h morgens auch Frühstück. Die Musik spielt hier am Donnerstag auf Freitag bis mittags durch. Neben diesen Clubs, lohnt sich auch ein Ausflug zur Dizengoff Street. Hier findet man alles an Bars und Clubs, was man möchte. Meine Lieblingsbar hier war der „Voodoo Club“, der unten im Keller auch einen Club besitzt, in dem auch andere Musik gespielt wird.

Jerusalem

Jerusalem ist von Tel Aviv sehr gut per Bus angebunden. Ich bin mit dem öffentlichen Egged-Bus von der Central Bus Station für umgerechnet 4€ gefahren. Die Fahrt dauert ca. eine Stunde (je nach Verkehr) und ist ziemlich bequem. Man kann sich direkt im Bus ein Ticket kaufen und fährt dann von der Central Bus Station in Jerusalem mit der Straßenbahn weiter Richtung Altstadt und Zentrum. Obwohl Israel insgesamt in den Straßen sehr sicher ist, tut man doch gut daran in der Central Bus Station etwas achtsamer zu sein und auf seine Dinge zu schauen. Außerdem sind die Busstationen oft verwirrend aufgebaut und gleichen eher einem Basar, daher nicht die Orientierung verlieren!

Arabisches Viertel in Jerusalem

 

In Jerusalem selbst gibt es einiges zu sehen. Durch die Geschichte der Stadt bietet sich vor allem die Altstadt an. Durch die verschiedenen Tore kann man in den inneren Kreis kommen. Am schönsten finde ich persönlich das Damaskustor, das in das arabische Viertel der Altstadt führt. Die Altstadt insgesamt ist in das erwähnte arabische, das jüdische, das christliche und das armenische Viertel aufgeteilt. Es lohnt sich einfach mal durch die Gassen zu schlendern und die unterschiedlichen Kulturen auf sich wirken zu lassen.

Als wir dort unterwegs waren, haben wir natürlich auch die allseits bekannten Orte besucht. Vom Damaskustor führt ein Weg direkt zur Klagemauer und zum Tempelberg, den ich sehr empfehlen kann. Gerade beim Tempelberg ist der Zugang allerdings nicht immer gegeben, je nach Sicherheitslage und Wochentag, daher am besten vorher informieren. Normalerweise ist der Berg freitags für Muslime reserviert und dann nicht für Touristen zugänglich.

Tempelberg

Vom Tempelberg aus sind wir durch das Lions Gate aus der Altstadt raus und auf den Ölberg mit dem Garten Gethsemane gestiegen. Der ist gut ebenfalls zu Fuß zu erreichen und bietet einen tollen Blick auf Jerusalem. Hier befinden sich auch einige weitere Grotten, und heutzutage auch Kirchen, zu vielen biblischen Orten. Für religiös interessierte Menschen, bietet Jerusalem eine Überfülle an Möglichkeiten.

Wir sind auf jeden Fall vom Ölberg wieder zurück in die Altstadt gelaufen und haben uns zur Grabeskirche aufgemacht, die sich mitten im Zentrum der Altstadt befindet. Sie ist definitiv sehenswert, vor allem auch wenn man die Geschichte beachtet. Nicht irritieren lassen sollte man sich allerdings von vielen streng christlichen Menschen, die dem Grabstein Opfer bringen und ihn anflehen. Teilweise bieten sich kuriose und eher ungewohnte Szenen, aber man spürt die Geschichte und Bedeutung des Ortes.

Jerusalem vom Ölberg

 

Neben der Altstadt hat das „neue“ Jerusalem auch ein lebendiges Nachtleben zu bieten. Gerade donnerstags ist um den Markt im Zentrum sehr viel los und die Marktstände verwandeln sich in Bars mit teilweise auch Livemusik. Wir konnten das Treiben ebenfalls miterleben und ich kann nur empfehlen sich einfach mittreiben zu lassen und die Atmosphäre aufzunehmen.

Etwas im Gegensatz zum lebendigen Treiben auf den Straßen steht die Holocaust Gedenkstätte Yad Vashem. Sie ist leicht mit der Straßenbahn zu erreichen und ich kann sie sehr empfehlen. Man sollte sich mindestens einen halben Tag Zeit dafür nehmen. Die Gedenkstätte ist sehr persönlich gestaltet und gerade als Deutscher auch sehr bedrückend in vielen Teilen. Nichtsdestotrotz möchte ich Sie sehr empfehlen, spiegelt sie doch einen wichtigen Teil der deutsch-israelischen Geschichte wider. Ist man allerdings eher zum Spaß unterwegs, ist die Gedenkstätte sicherlich nicht die beste Anlaufstelle.

Die Klagemauer

 

Betlehem

Betlehem ist sehr nah an Jerusalem gelegen, allerdings in Palästina gelegen, man braucht deswegen, besonders für die Wiedereinreise seinen Reisepass. Man kann bis zur Grenze mit dem öffentlichen Bus fahren, diese fahren nahe dem Yaffa-Gate bei der Altstadt ab. Die Fahrt ist ebenfalls relativ günstig und wer sich für biblische Orte interessiert, sollte sich Betlehem nicht entgehen lassen. Wir sind direkt hinter der Grenzmauer von einer Masse an Taxifahrern empfangen worden, die einen zu den verschiedenen biblischen Orten fahren. Da diese tatsächlich relativ weit auseinander liegen, macht diese Art der Fortbewegung durchaus Sinn. Man sollte allerdings nicht mehr als ca. 60 Schekel pro Person bezahlen. Innerhalb von ca. 1,5 h wird man dann zu allen „wichtigen“ Orten gefahren. Neben den biblischen Orten, sind das vor allem auch Banksy Graffitis. Der international bekannte Graffitikünstler hat direkt an der Mauer auch ein eigenes Hotel eröffnet und Betlehem lebt auch vom Banksy-Tourismus. Abgesehen von den biblischen Orten und den Banksy-Graffitis ist die Stadt allerdings leider nicht sehr sehenswert, weshalb viele, so wie wir, auf die Kurztour per Taxi setzen. Generell bietet sich Betlehem aber auch an, um einen ersten Eindruck der palästinensischen Seite zu bekommen.

Dead Sea – Massada

Ein weiteres Highlight unserer Israelreise war das Tote Meer (mehr erfahren). Wir haben uns dafür einen Mietwagen geliehen (einfach auf deutschen Vergleichsseiten die billigsten Tarife raussuchen und buchen). Von Jerusalem fährt man noch ca. 45 min bis zum nördlichen Ende des Toten Meers. Hier befinden sich touristische Badestellen. Die größte ist der sogenannte Kalia-Beach, der von einem ansässigen Kibbuz betrieben wird. Er ist leider nicht ganz billig (ca. 10-15€ Euro pro Person) aber bietet u.a. Duschen, die nach einem Bad im Toten Meer unabdingbar sind. Wir waren ebenfalls dort und ich kann das Erlebnis im Meer zu „floaten“, sich also einfach treiben zu lassen, nur empfehlen. Auch die Wirkung der vielen Mineralien im Meer auf die Haut sind super angenehm. Eine gute Dusche danach allerdings ebenso 😉 Neben den offiziellen Badestränden, gibt es auch viele einfache und unbewachte Badestellen, wo allerdings keine Duschen etc. gibt, dafür sind sie natürlich kostenlos.

Floaten im Totel Meer

 

Wenn man weiter gen Süden an der Küste des Toten Meeres hinunter fährt, kommt man an Ein Gedi vorbei. Ein wunderschöner Nationalpark, den wir leider nicht besucht haben, der sich laut Reiseführern aber vor allem wegen seiner tollen Natur mitten in der Wüste Israels lohnen soll. Laut Erzählungen also auch ein guter Tipp, allerdings sollte man dafür, je nach geplanter Wanderung, auch einen ganzen Tag einplanen.

Noch weiter südlich an der Küste gelegen, kommt man nach Massada, die Stadt Herodes‘, gebaut oben auf einem mehrere Hundert Meter hohen Felsen. Wir haben uns damals für die abenteuerliche Besteigung im Morgengrauen entschieden und vorher am Fuße gecampt. Ca. eine Stunde vor Sonnenaufgang öffnen sich die Tore zum Fußpfad, für alle Frühsaufsteher, die den Sonnenaufgang von dort oben bestaunen wollen (der einzige über dem „Meer“ in ganz Israel). Meiner Meinung nach ein toller Moment und es lohnt sich den Aufstieg auf sich zu nehmen, allerdings erfordert der doch eine gewisse Fitness. Für alle anderen steht auch zu normalen Öffnungszeiten eine Seilbahn zur Verfügung, die einen bequem hoch- und wieder runterfährt, allerdings erst weit nach Sonnenaufgang. Massada selbst war super beeindruckend. Die Stadt verfügte trotz ihres Alters bereits über eine extrem gute Infrastruktur, gerade was die Wasserversorgung angeht. Sonnenschutz ist hier allerdings sehr wichtig, da Schatten wenig vorhanden ist.

Massada

 

Palästina

Generell gilt es in Palästina, sich immer sehr bewusst zu sein, dass der Konflikt mit Israel in vielen Menschen sehr akut bei vielen Menschen wirkt. Für mich gehört zu einer Israelreise allerdings bzw. gerade deswegen auch ein Besuch in den palästinensischen Gebieten dazu. Dazu sei gesagt: Man sollte sich in Israel als auch in den palästinensischen Gebieten zwar immer über die tagesaktuelle politische und Sicherheitslage informieren, allerdings habe ich mich nie unsicher gefühlt. Gerade Ramallah hat mich sehr positiv überrascht. Zwar hat die Stadt nicht viele touristische Highlights zu bieten, aber  man taucht direkt nach Grenzübergang in Ost-Jerusalem in eine andere, arabische Welt ein.

Wir waren im „Area D“-Hostel untergebracht, das etwas versteckt in der obersten Etage eines Parkhauses liegt. Das Hostel befindet aber sehr zentral und man fällt quasi direkt in den örtlichen Wochenmarkt und damit direkt in das Geschehen, wenn man aus dem Hostel kommt. Auch hier sind wir einfach durch die Straßen geschlendert und haben in einem lokalen Restaurant gegessen. Generell sind Touristen dort weniger normal, als in den israelischen Städten. Dementsprechend haben wir uns aber umso mehr willkommen und gern gesehen gefühlt. Gerade im Hostel selbst fiel uns die Präsenz des Konflikts mit Israel auf. Überall finden sich Anekdoten eben dieses und Mohammed, einer der Angestellten und mittlerweile ein guter Freund, hat uns viel aus der palästinensischen Sicht berichtet.

Ramallah hat aber ebenso gute Bars zu bieten. Wir haben unseren Abend vor allem in der Berlin-Bar verbracht. Fragt am besten einfach im Hostel was gerade so abgeht. Gleiches gilt auch für Fahrradtouren mit Mohammed. Dieser bietet Touren zu verschiedenen Orten im Umland oder durch Ramallah selbst an. Wir durften selbst in den Genuss einer Stadtführung per Rad mit ihm kommen. Man sollte dabei immer gut auf den Verkehr achten, aber für abenteuerlustige Menschen bereiten die Touren eine Menge Spaß und bescheren einem tolle Eindrücke in das palästinensische Leben!

Sonnenaufgang in Massada

 

Um noch mehr Eindrücke vom Leben in Palästina zu bekommen bieten sich auch Besuche in Hebron und Nablus an, die wir leider aus zeitlichen Gründen nicht mehr wahrnehmen konnten. Vom Area D Hostel gibt es allerdings auch Tagestouren dorthin, die sich anbieten um einen Eindruck zu bekommen. Generell muss man in Palästina auf die öffentlichen Verkehrsmittel setzen, da die israelischen Mietwagen dort nicht zugelassen sind.

Generelles

Von Freitagnachmittag bis Samstagabend ist in Israel Sabbat. Zu der Zeit haben zum einen viele Geschäfte geschlossen, zum anderen verkehrt aber auch kein öffentlicher Nahverkehr, was bei Reiseplanungen unbedingt mit eingeplant werden sollte. In den palästinensischen Gebieten ist wiederum der Freitag der heilige Tag an dem viele Services nicht zur Verfügung stehen.

Israel und Palästina bieten vielseitigste Möglichkeiten für Urlaub. Auch der Norden um Nazareth und die Golanhöhen bieten biblische Geschichte bzw. einzigartige Natur und sind eine Reise wert, allerdings konnte ich diese persönlich nicht ausführlich genug für einen Bericht wahrnehmen. Man sollte sich generell immer des Konflikts bewusst sein, allerdings nicht davon einschüchtern lassen. In vielen Orten ist dieser überhaupt nicht präsent, in anderen mehr. Ich fand es wichtig und eindrucksvoll, das Israel und Palästina auch abseits des Konflikts vieles anderes schönes zu bieten hat und kann nur einladen, sich diese Orte selbst einmal anzuschauen.

  0 Kommentare

Artikel bewerten:

(1 Bewertungen, Durchschnitt: 5,00 von 5)
Loading...

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.